„Viele Kinder werden von ihren Eltern verstoßen“

Ortrun Rhein klärt im Pressegespräch über das Kinderhospiz auf

Dienstag, 18. Dezember 2018

Ortrun Rhein erklärt den anwesenden Journalisten den Betrieb des Kinderhospizes.Foto: Michael Mundt

Hermannstadt – Anfang des Monats wurde Ortrun Rhein vom Verein für Stadtverschönerung (AIOS) zur „Hermannstädter Botschafterin“ ernannt. Rhein ist seit fast zwanzig Jahren die Leiterin des Dr.-Carl-Wolff-Alten-und-Pflegeheims sowie des Hospizes für palliative Kinderbetreuung. In der vergangenen Woche lud sie zu einem Pressegespräch ein.

Das Kinderhospiz war bei seiner Eröffnung 2016 das erste im Land und ist bis heute das einzige mit einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung. „Das jüngste Kind, welches wir diesen Sommer aufgenommen haben, war nur 14 Tage alt“, erzählt Ortrun Rhein. „Viele Kinder werden von ihren Eltern verstoßen, wenn diese die Diagnose hören. Dies ist etwas sehr Trauriges für ein Land.“ Sie erklärt, dass die Eltern nicht in der Lage oder nicht Willens sind, um sich um ihre Kinder zu kümmern.

Die Kinder kommen heute aus allen Regionen des Landes, momentan aus Cehu Silvaniei, Sighetu Marma]iei sowie den Kreisen Klausenburg/Cluj, Hermannstadt/Sibiu und Mieresch/Mure{. „Die engste Partnerschaft haben wir aktuell mit der Pädiatrie der Universitätsklinik in Klausenburg. Dort haben sie schwerwiegende Fälle und wenn sie sehen, dass es keine medizinische Lösung mehr gibt, dann schicken sie die Kinder zu uns.“ Rhein erklärt, dass sie, als sie das Kinderhospiz eröffnet hat, alle entsprechenden Einrichtungen im Land kontaktiert hat. „Wir arbeiten besonders gut mit den Kreisen Hunedoara, Mieresch und S²laj zusammen.“ Viele Kinder kommen direkt aus Kinderheimen oder Spitälern. „Die Kinder benötigen, zumindest zeitweise, eine spezielle Betreuung, welche die Kinderheime nicht leisten können.“

Von der Krankenkasse werden etwa 45 Prozent der Kosten übernommen, der Rest muss über Spenden eingeworben werden. Ortrun Rhein erklärt, dass viel Geld aus dem Ausland kommt und nur ein geringer Anteil aus Rumänien. „Wir können keine Werbung machen, weil die großen Schmerzen viel zu intim sind.“

Seit der Eröffnung vor etwas mehr als zwei Jahren waren rund 170 Kinder mit tödlichen Krankheiten im Kinderhospiz. Insgesamt gibt es zehn Plätze, wobei nur neun dauerhaft belegt sind, da ein Platz für Notfälle bereitgehalten wird. „Zu uns kommen Kinder mit Krebserkrankungen, unheilbaren Atemwegserkrankungen, Erkrankungen des Nervensystems sowie Kinder mit Geburtsfehlern.“ Dabei benötigen die meisten Kinder eine stetige Sauerstoffversorgung sowie eine Ernährungssonde, erklärt Rhein. Die Betreuung erfolgt 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche. Über 100 Angestellte arbeiten, teils rund um die Uhr, im Hospiz sowie dem Alten-und Pflegeheim.

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