Vielfalt in Einigkeit zelebriert

Madrigal Chor bezaubert zum Europäischen Tag der Sprachen

Dienstag, 30. September 2014

Der Kammerchor Madrigal gehört zum kulturellen UNESCO-Welterbe Rumäniens.
Foto: George Dumitriu

Engelsstimmen, Klagelaute, Vogelgeplapper oder spitze Schreie, mal hier, mal dort, bald überall. Der Strudel der Töne, der sich aus ihren Kehlen löst, erobert vereint den gesamten Luftraum. Erst sanft, dann markerschütternd, gewaltig und erhebend, dann wieder ein kaum hörbarer Hauch - die Erde erbebt vor ihren heiligen Stimmen. Nicht umsonst gehört der seit über 50 Jahren bestehende Kammerchor Madrigal zum kulturellen UNESCO-Welterbe Rumäniens. Auch zum Europäischen Tag der Sprachen am 26. September bot der mehrfach international ausgezeichnete Chor, der schon in über 4100 Konzerten und hunderten Tourneen im In- und Ausland brillierte, in der Bukarester Nationalbibliothek ein fulminantes Spektakel: Von Erasmus Widmanns „Wohlauf ihr Gäste“, auf Deutsch gesungen, über das ergreifende, mystisch anmutende „Ritual pentru setea pamântului“ („Ritual für den Durst der Erde“) von Miryam Marbe, indem sich die Rhythmen von Rasseln und Kirchenglocken mit kehligen Urtönen, archaischen Schreien und ausdrucksstarkem Sprechgesang mischen, bis hin zur verblüffend lebensnahen Imitation von Flöten und Waldhörnern durch die menschliche Stimme in Mihai Moldovans gleichnamigem Stück „Fluieraşe şi buciume“, erstreckte sich das dem Anlass entsprechend mehrsprachige Repertoire.

Ein Chor, der ohne Instrumente auskommt, nur gelegentlich begleitet von einer Harfe (Ileana Rotaru), und mit stets abwechslungsreichen Stimmvariationen im Kanon oder Solo (Anna Mirescu, Denis Maxim) überrascht. Dirigentin Anna Ungureanu koordinierte das stimmgewaltige Multiversum mit zarten Händen und ausdrucksstarker Mimik. Organisiert wurde die Veranstaltung von Daniela Popescu, Präsidentin der Europäischen sowie der Rumänischen Föderation für Vereine, Zentren und Clubs der UNESCO, zusammen mit dem „Elite Art Club UNESCO“. Zwischen den weißen gesichtslosen Gipsstatuen in der weitläufigen Halle  –  erst auf der Bühne, dann plötzlich im Kreis um die Zuschauer verteilt – vereinen sich die Einzelstimmen der prächtig gekleideten Chormitglieder zum spektakulär klingenden Resonanzkörper. So reich wie Europa an Stimmen und Sprachen zelebriert auch der Madrigal Chor Vielfalt in Einigkeit.

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*