Vier neue siebenbürgisch-sächsische Trachtenpuppen

Sie wurden von Edith Rothbächer angefertigt und dem Friedrich-Teutsch-Haus gespendet

Montag, 03. Dezember 2012

Edith Rothbächer und ihre vier im November dem Teutsch-Haus gespendeten sächsischen Trachtenpuppen.
Foto: privat

Kürzlich hat Edith Rothbächer vier siebenbürgisch-sächsische Trachtenpuppen für die Trachtenpuppenausstellung im Landeskirchlichen Museum des Friedrich-Teutsch-Hauses in Hermannstadt gespendet.Ab November sind diese vier Trachtenpuppen im Museum zu sehen. Damit wurde diese Ausstellung um vier kleine filigrane Meisterkunstwerke erweitert.
Bei den vier gespendeten Trachtenpuppen handelt es sich um eine Frauentracht aus Heldsdorf/Hălchiu, eine Männertracht aus Jaad/Livezile und um ein Paar in jungsächsischer Kindertracht.

* Zur Trachtenpuppe der verheirateten Frau in der „alten“ Frauentracht aus Heldsdorf im Burzenland: In alten Darstellungen der Tracht aus Heldsdorf ist diese blaue Bockelung des Burzenlandes zu sehen. Als Edith Rothbächer diese Puppe fertigte, hatte es einen bestimmten Grund, diese alte Heldsdorfer-Tracht wieder zum Leben zu erwecken, damit sie nicht in Vergessenheit gerät. Die Frau trägt den schönen Spangengürtel, der rundum angelegt wird. Die weiße Schürze mit genetztem Spitzeneinsatz, ergänzt das Trachtenbild. Diese Tracht wurde viel in der Habsburger-Zeit getragen, als Siebenbürgen ein Großfürstentum der Doppelmonarchie war.

 * Zur Trachtenpuppe des verheirateten Mannes in der weißen Nösner-Bauerntracht aus Jaad im Nösnerland/Bistritzer Gegend: Das Prachtstück dieser Tracht ist der breite Gürtel verziert mit der filigranen Muster- bzw. Riemchenarbeit. Die weiße Stiefelhose mit dem breiten Gürtel wurde nur im Sommer, auch zur Kirche, getragen. Solche breite Gürtel wurden von reichen Bauern getragen. Er wurde auch in Stolzenburg, Streitfort, Deutsch-Weißkirch und anderen Ortschaften Siebenbürgens getragen.

 * Zum Trachtenpuppenpaar in der blauen jungsächsischen Kindertracht: In den Ortschaften, in denen es wenig Tracht gab, entwickelte sich die blaue, jungsächsische Tracht sehr schnell. Alte Volkskunstelemente der siebenbürgischen Trachten kamen hinzu und ergänzten das gesamte Trachtenbild. Die Kinder trugen zuerst diese blauen jungsächsische Trachten, die dann auch von den Erwachsenen zum Tanz übernommen wurden. Der herzförmige Schnitt am Leibchen des Mädchens ist das Prachtstück dieser Tracht, das mit verschiedenen Volkskunst-Mustern verziert gestickt wurde.

Der Junge trägt das schwarz in Kreuzstichmuster gestickte Hemd mit der bunt gestickten schwarzen Samtkrawatte, die das gesamte Trachtenbild ergänzen. Diese Tracht wurde in dem Kokelgebiet, Repser Gegend, Burzenland, Nösnerland und von den Kindern und Jugendlichen zum Tanz getragen.
Frau Edith Rothbächer spendete am 2. November l.J. diese wunderschönen filigranen Kunstschätze an das Teutsch-Haus in Hermannstadt.

Sie war nach Hermannstadt in Begleitung ihrer Tochter Ute gereist und hat diese Trachtenpuppen persönlich an die Leiterin des Teutsch-Hauses, Frau Gerhild Rudolf, übergeben und gespendet. In jeder dieser Trachtenpuppen steckt viel Arbeit, Liebe zur siebenbürgischen Volkskunst unserer Trachtenlandschaften. Derzeit sind über 50 Trachtenpuppen nebst Kirchentrachtenteilen der Siebenbürger Sachsen im Friedrich-Teutsch-Haus zu bestaunen.

Diese Trachtenpuppen repräsentieren alle Trachtenlandschaften Siebenbürgens: Hermannstädter Gegend/Das Alte Land, Unterwald, Kokelgebiet, Repser Ländchen/Altland, Harbachtal, Kronstädter Gegend/Burzenland, Reener Ländchen/Sächsisch Reen und Bistritzer Gegend/Nösnerland. Durch die maßstabs- und originalgetreue Darstellung der Trachten werden wertvolle Details der alten deutschen Kultur überliefert und das Erbe der Siebenbürger Sachsen bewahrt.

Dort findet man aber auch kirchliche Exponate wie den neu restaurierten Altar aus der evangelischen Kirche A.B. aus Streitfort in der Repser Gegend, Patene und Kelche, außerdem Volkskunst und Fotos vom alltäglichen kirchlichen Leben. Landsleuten, wie Volkskunst-Interessenten ist ein Besuch dieser wunderschönen Ausstellung sehr zu empfehlen.

Das Landeskirchliche Museum „Friedrich-Teutsch“ in Hermannstadt ist bestrebt, diese schönen Trachtenpuppen durch Plexiglas-Bedachungen vor Verunreinigung zu schützen. Informationen über Unterstützungsmöglichkeiten der Museumsarbeit erteilt Gerhild Rudolf, die ab März 2012, das Kultur- und Begegnungszentrum „Friedrich Teutsch“ der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, Str. Mitropoliei Nr. 30, 50179 Hermannstadt, Rumänien, leitet. Telefon/Fax: (00 40-2 69) 20 67 30, Internet: www.teutsch.ro; www.evang.ro.

Gerhild Rudolf bedankte sich im Namen des Hermannstädter Teutsch-Hauses bei Edith Rothbächer für diese wertvollen Kunstschätze in der aufwendige, schöne filigrane Handarbeit drinsteckt. Möge Frau Edith Rothbächer auch weiterhin so schöne Trachtenpuppen herstellen und unser siebenbürgisches Volksgut weiterführen. Für ihre Arbeit verdient die Spenderin unseren Dank und unsere Bewunderung. Ein herzliches Dankeschön auch meinerseits.

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