Virtuell grenzenlose Lernmöglichkeiten

Spielregeln des Studiums durch MOOC-Kurse verändert

Dienstag, 21. Januar 2014

Studienbereich Vehicle Dynamics (dt. Dynamik der Fahrzeuge): Die Vorlesungen Accelerating and Braking (dt. Beschleunigen und Bremsen), Cornering (dt. Einlenken) und Vertical oscillations (dt. Vertikale Schwingungen) hält Prof. Dr. Ing. Martin Meywerk von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. Für diese Vorlesungen hat sich der Ingenieurstudent Dan Tălmaciu aus Jassy/Iaşi eingeschrieben. Dafür muss er sich gar nicht in Deutschland aufhalten, denn diese werden kostenlos im Internet durch die deutsche MOOC-Plattform iversity.org angeboten. Unter „MOOC“ (Massive Open Online Course) versteht man eine Form von Onlinevorlesungen, im Rahmen derer Wissenschaft vermittelt wird – durch Videos mit aufgezeichneten Vorlesungen und Lesematerial. Parallel zu den drei Vorlesungsreihen, die von einem deutschen etablierten Hochschullehrer auf Englisch gehalten werden, setzt Dan Tălmaciu sein Mechanik-Masterstudium an der Technischen Universität in Jassy weiter fort und hat noch Zeit, sich seinen Leidenschaften zu widmen: Er leitet die Filiale des Vereins der Europäischen Studenten (AEGEE-Jassy), leistet ehrenamtliche Arbeit für die NGO Mechanical Student Revolution und führt einen Blog.

Von dem MOOC-Angebot hat Tălmaciu von einem Blogger erfahren und er hat die Information auf seiner eigenen Webseite weitergegeben, damit auch andere von dieser Lernweise profitieren. Die Ergebnisse konnte er schnell feststellen: Manche haben sich schon für Vorlesungen des Berliner kommerziellen Anbieters iversity.org eingeschrieben, andere werden das möglichst bald tun. „Als Kfz-Ingenieur interessiere ich mich besonders für Kurse über die Dynamik der Fahrzeuge, meine Bekannten hingegen suchen zum Beispiel nach Design und HTML-Programmierung“, erklärt der begeisterte Student. Unter den jungen Leuten seien die Onlinekurse sehr bekannt, sie wissen diese zu schätzen. „Man kann sich viel besser Informationen aus einem Video-Kurs aneignen. Ein Buch hat nichts Interaktives anzubieten“, meint Tălmaciu, der u. a. verschiedene Lernmaterialien von den Technischen Universitäten in Klausenburg/Cluj-Napoca, Jassy, Bukarest oder Kronstadt/Braşov gelesen hat. Die Informationen aus den Onlinekursen, entweder von MOOC oder einfach aus dem Internet heruntergeladen, haben ihm viel während seines vierjährigen Studiums geholfen. „Das gilt immer noch, denn ich will möglichst viele Neuigkeiten und Einzelheiten in Bezug auf bestimmte technische Probleme erfahren“, fügt T²lmaciu hinzu. Abgesehen von Fahrzeugtechnik informiert sich der Ingenieurstudent auch viel im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und Social Media. „Es lohnt sich, interaktiv und kostenfrei zu lernen“, schlussfolgert er.

Ein anderer Nutzer der Onlinekurse, Cătălin Mihai (Name geändert), hat von MOOC erfahren, als er im Internet surfte. Aus Neugier hat er sich für ein paar Kurse eingeschrieben. „Viele davon haben mir gut gefallen. Es kann möglich sein, dass die Zukunft der Bildung in diesen MOOC-Plattformen liegt“, erläutert der Fachmann in den Bereichen Technologie und IT. „Man lernt immer etwas Neues und diese Kurse passen gut zu meinem kontinuierlichen Lernprozess“, verdeutlicht der Experte. Die Onlinekurse ordnet er der disruptiven Technologie unter. Die Spielregeln im Bereich des Studiums werden verändert: „Ich habe viele Kurse gesehen, für die sich viel mehr als 100.000 Studenten aus der ganzen Welt einschreiben. Im Laufe eines Jahres kann ein Hochschullehrer oder ein Assistent mehr als 500.000 Studenten unterrichten“, erklärt Cătălin Mihai. Er vergleicht die Anzahl der Onlinestudenten mit der Anzahl der Studierenden am Polytechnikum Bukarest, wo er einst studiert hat. In den besten Zeiten der Universität gab es in den Fachrichtungen aller Fakultäten insgesamt 20.000 Studierende, so Cătălin Mihai. „Mit ein paar begabten Hochschullehrern können Millionen Studenten ohne geografische oder verwaltungsmäßige Einschränkungen unterrichtet werden“, meint Cătălin Mihai. Neuerdings konnte er feststellen, dass sogar Firmen wie SAP (open.sap.com) oder MongoDB (education.mongodb.com) jetzt MOOC-Plattformen haben.

Abgesehen von den Anbietern iversity.org oder opencourseworld.de, die dem breiten Publikum eine Vielfalt von Kursen in verschiedenen Bereichen zugänglich machen, gibt es eine andere deutsche MOOC-Plattform des Hasso-Platner-Instituts in Potsdam, die auf Informatik spezialisiert ist. Letztes Jahr wurde auch eine europaweite Plattform ins Leben gerufen – openuped.eu. In Europa entwickeln sich die Plattformen langsam, während die MOOC-Tendenz in den USA schon ein ganz anderes Niveau erreicht hat. Die Plattformen sind da viel größer und bekannter, da die amerikanischen Elitenuniversitäten seit Jahren die Initiative ergriffen haben, manche ihrer Lernmaterialien kostenlos online verfügbar zu machen. Zum Beispiel das renommierte Massachusetts Institude of Technology, das den Interessenten Tausende Kurse unter ocw.mit.edu zur Verfügung stellt. Auf Youtube kann man Video-Vorlesungen der Professoren an Universitäten wie MIT, Harvard, Oxford oder Stanford finden. Manche Kurse wie Informatik oder Mechanik wurden mehr als eine Million Mal angesehen. Dem Vorbild des MIT wurde von vielen Hochschulen in Australien, Belgien, Kanada, Japan, Russland oder Deutschland nachgeeifert. Das Resultat – 72 Anbieter haben sich unter einem Dach zusammengeschlossen und alle Resourcen sind unter www.ocwconsortium.org abrufbar. Andere Lernmöglichkeiten werden von udemy.com,open2study.com oder topfreeclasses.com angeboten.

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