Virtuelles Urkundenbuch wächst

Dokumente zur Geschichte Siebenbürgens im Mittelalter sind online zugänglich

Freitag, 09. August 2013

Zu den auch als Faksimile aufgenommenen Dokumenten des Online-Urkundenbuchs gehört das Mühlenprivileg von Hermannstadt aus dem Jahr 1491 (Urkunde Nr. 5112, Band 8)

Ein erheblicher Teil der Urkunden zur Geschichte Siebenbürgens im Mittelalter wird bis zum Ende des laufenden Jahres online recherchierbar sein. Allein seit dem Juli können weitere über 200 Dokumente vorrangig aus den Archiven in Hermannstadt/Sibiu und Kronstadt/Braşov am Computer daheim oder an der Forschungsstelle gelesen werden, was nicht bloß den Aufenthalt und das Suchen an deren Aufbewahrungsort erübrigt, sondern auch mühevolle Übersetzung und Entzifferung der Originale. Die Zahl der in das „Virtuelle Urkundenbuch zur Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen – online“ aufgenommenen Urkundentexte beträgt derzeit rund 6000. Zugänglich sind Urkunden aus den Jahren 1185 bis 1531.

Das online-Stellen der Urkunden war ein Anliegen des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde e.V. Heidelberg, durchgeführt wurde es im Rahmen eines vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien geförderten Projektes an der Universität Koblenz-Landau unter der Leitung von Dr. Ulrich Wien von dem Historiker Dr. Martin Armgart unter Mitarbeit von Dr. Adinel Dincă (Klausenburg/Cluj), Thomas Şindilariu (Kronstadt/Braşov) und Dr. Attila Verók (Szeged) sowie des Kronstädter Archivars Gernot Nussbächer. Zur Verfügung stand die Software des Kompetenzzentrums für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften der Universität Trier. Digitalisiert wurden bis Frühjahr 2012 in einer ersten Etappe des Vorhabens die 4687 Urkunden, die mehrere namhafte Forscher zwischen 1892 und 1991 zusammengetragen hatten und die in den sieben Bänden des „Urkundenbuchs zur Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen“ in gedruckter Form erschienen sind. Die Urkunden sind bereits im Druck bandübergreifend mit einer laufender Urkundenbuch-Nummer versehen. Als virtueller Band VIII werden ab Nummer 4688 Texte als Fortführung des Urkundenbuches eingestellt. Der virtuelle Band IX umfasst Nachträge zu den ersten sieben Bänden. Zugänglich ist die Online-Präsentation unter „eTransylvanica“ auf den Seiten des Siebenbürgen-Instituts.

Leicht gemacht wird den Forschern das Suchen von bestimmten Dokumenten durch den Online-Katalog. Über verschiedene Suchmasken ist der Inhalt des Urkundenbuches zu ergründen, die mehrere Tausend Dokumente sind aber auch nach verschiedenen Formalia angeordnet. Gefunden werden können Urkunden u.a. nach dem Ausstellungsort, wobei die meisten – 714 – aus Ofen/Buda (dem Ortsteil, der durch Vereinigung mit Pest die heutige Hauptstadt Ungarns ergab) stammen. 247 der Urkunden zur mittelalterlichen Geschichte der Deutschen Siebenbürgens wurden in Hermannstadt/Sibiu ausgestellt, 114 in Wien, 54 in Bistritz aber 35 auch in Avignon. Was das Amt des Urkunden-Ausstellers angeht, so erließ 1791 der online einsehbaren Urkunden ein König von Ungarn, 450 ein Woiewode von Siebenbürgen, 228 ein Papst, 83 ein Bischof von Siebenbürgen oder 50 der Rat von Hermannstadt. Wenn es um die Person der Aussteller geht, so stammen die meisten – 587 bzw. 410 – von den ungarischen Königen Matthias bzw. Sigmund, 32 aber auch von Vlad Dracul, dem Woiewoden der Walachei.

Die Mehrzahl der Urkunden – 5003 – sind im Original in Latein, 253 in Slawisch und 80 in Deutsch, zu lesen sind alle jedoch in deutscher Übertragung. Was den derzeitigen Aufbewahrungsort der Urkunden angeht, so sind die meisten im Staatsarchiv in Hermannstadt (d.h. der Zweigstelle des Nationalen Rumänischen Archivs), weitere wichtige Bestände sind jene im Ungarischen Landesarchiv Budapest, im Staatsarchiv Kronstadt und Klausenburg, aufgenommen sind aber auch Urkunden aus dem Vatikanischen Archiv oder dem Batthyaneum in Karlsburg/Alba Iulia.

In der Online-Fassung können nun Ergänzungen und Anmerkungen, kleinere Textkorrekturen, zwischenzeitlich festgestellte Umdatierungen oder Fälschungsvermutungen zu den gedruckt vorliegenden Urkundentexten vermerkt werden, statt dergleichen in Nachträgen und ergänzenden Publikationen abzudrucken, die manchem Leser entgehen. Auch eine Weiterführung des Urkundenbuches ist in dieser Datenbank leicht möglich. 

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