Volkszählung dazumal

Daten zur Bevölkerung Siebenbürgens und des Distriktes Kronstadt im 19. Jahrhundert

Sonntag, 07. Oktober 2012

Politische Karte von 1890, Wikipedia

Grafik 1

Wir hatten in den letzten Monaten einen echten Politkrimi um die Frage, wie viele Bürger des Landes waren zu recht oder unrecht in den Wählerlisten eingetragen. Nun, das hat sich ja entschieden, aber ob nun Ruhe einkehrt, ist mehr als fraglich, denn die ganze Diskussion wurde in einer, für ein zivilisiertes Land unwürdigen, aber für Rumänien typischen  Art und Weise ausgetragen.

In dem „Archiv des Vereins für siebenbürgische Landeskunde“, III. Band, 1. Heft, Hermannstadt 1847, finden sich einige Daten und Aussagen zu dem Thema „Volkszählung“ von dazumal, die auch für den heutigen Leser von Interesse sein könnten.

Da bedauert der Autor, J. Hintz der Jüngere, die unsachliche und ungenaue Volkszählung von 1832/1833, aber auch die vorhergehenden Versuche, eine solche durchzuführen. Vor allem waren diese Aktionen sehr unpopulär, denn sie wurden nicht so sehr zur statistischen Erfassung durchgeführt, als vielmehr um eine Grundlage zu der Besteuerung zu erhalten und zur Festlegung der zu dem Militärdienst auszuhebenden jungen Männer.

Dazu stellte sich der Adel auf den Standpunkt, dass er von einer solchen Volkszählung nicht betroffen sei, denn er war, dank seiner Privilegien, von Steuerzahlungen befreit, wie auch die Würdenträger der (katholischen) Kirche. Deshalb waren sie oft nicht bereit, ihre Aufgaben zu erfüllen, denn ein Teil der Daten wurde von den Kirchen angefordert,  die  ja die Tauf- (das heißt die Evidenz der Geburten) und Sterberegister hielten. So kam es dazu, dass oft stark abweichende Zahlen genannt wurden.

In der Zeit des Vormärzes war Siebenbürgen noch als Ständestaat in die drei Stände der Ungarn, das heißt des Adels, dem Land der Szekler und dem der Sachsen eingeteilt. Für das Jahr 1833 werden die folgenden Zahlen genannt:

(s. Grafik 1)
 
Zu dieser Aufstellung ist zu bemerken, dass sich auf Adelsboden auch untertänige sächsische Ortschaften befanden, vor allem aber rumänische. Auf dem Gebiet der Sachsen gab es ungarische und rumänische hörige Orte, auch einige sächsische, wie Schirkanyen. Dazu kommen noch die Ortschaften der Militärgrenze, die eine gesonderte Verwaltung besaßen.

Aus den Angaben der Tabelle können wir noch erkennen, dass auf dem Adelsboden die Beamten und Geistlichen 0,45 % der Bevölkerung ausmachten,  2,5 % waren Handwerker und 4,78 % Adlige. Hier lebten 60,45 % der Bevölkerung von Siebenbürgen.

Bei den Szeklern waren 0,39 % Beamte und Geistliche und 1,81 % Handwerker, 4,65% Adlige, der Rest Bauern. Das Gebiet der Szekler hatte mit 17,35 % den kleinsten Anteil an der Bevölkerung Siebenbürgens.

Auf dem Sachsenboden waren 0,47 % Beamte und Geistliche, 9,26 % Handwerker,  der Rest Bauern, Adlige gab es keine. Der Anteil an der Bevölkerung Siebenbürgens betrug 22,2 % .

Soweit die Übersicht von ganz Siebenbürgen, wir wollen nun die Lage im Distrikt Kronstadt betrachten, wie sie sich nach der Volkszählung von 1839 darstellte:

Der Distrikt Kronstadt bestand aus:

- Der Stadt Kronstadt/Braşov mit 22.886 Einwohnern,

- 4 Marktflecken (Marienburg/Feldioara mit 1.935 Einwohnern, Rosenau/Râşnov mit 3.927 Einwohnern, Tartlau/Prejmer mit 3.399 Einwohnern, Zeiden/Codlea mit 3.625 Einwohnern),

- 9 freien Orten (Brenndorf/Bod mit 1.677 Einwohnern, Heldsdorf/Hălchiu mit 1.819 Einwohnern, Honigberg/Hărman mit 2.081 Einwohner, Neustadt/Cristian mit 2.146 Einwohnern, Nussbach/Măeruş mit 1.359 Einwohnern, Petersberg/Sânpetru mit 1.637 Einwohnern, Rothbach/Rotbav mit 792 Einwohnern, Weidenbach/Ghimbav mit 1.195 Einwohnern und Wolkendorf/Vulcan mit 1.203 Einwohnern),

- 14 untertänigen Orten: (Türkös/Turche{ mit 3.753 Einwohnern, Bacsfalu/Baciu mit 1.984 Einwohnern, Csernatfalu/Cernatu mit 2.871 Einwohnern, Hossufalu/Satulung mit 6.860 Einwohnern, Pürkeretz/Purcăreni mit 1.303 Einwohnern, Tatrang/Tărlungeni mit 2.339 Einwohnern, Zajzon/Zizin mit 935 Einwohnern, Apatza/Apa]a mit 1.545 Einwohnern, Ujfalu/Satunou mit 1.103 Einwohnern, Krizba/Crizbav mit 1.683 Einwohnern, Ujtohan/Tohanul Nou mit 807 Einwohnern, Vledeny/Vlădeni mit 1.362 Einwohnern, Zernest/Zărneşti mit 2.286 Einwohnern und Törzburg/Bran mit 8.170 Einwohnern) 

- 2 militarisierten Dörfern (Alt Tohan/Tohani mit 1.272 Einwohnern und  Schnakendorf/ Dumbrăviţa mit 1.591 Einwohner).

Zusammengefasst war die Zahl der Bewohner im Kronstädter Distrikt folgende:

Kronstadt: 22.886 Einwohner
Freie Orte: 26.569 Einwohner
Untertänige Orte:  
37.001 Einwohner
Militarisierte Orte: 2.863 Einwohner,
im Ganzen 89.319 Einwohner.

Wie verteilen sich nun diese Einwohner nach ethnischer Zugehörigkeit, Konfession und Beruf?

In Kronstadt lebten 9.116 Deutsche,  8.493 Rumänen und Griechen, 4.364 Ungarn, 789 Zigeuner und 119 Fremde. Die Juden werden nicht erwähnt, obwohl es damals schon eine jüdische Gemeinde gab.

Der Konfession nach waren von diesen 8.675 evangelisch A.B. (Sachsen und Ungarn), 3.880 römisch katholisch (Ungarn und Deutsche), 894 reformiert C.H. (Ungarn), 96 Unitarier (Ungarn) und 9.341 Orthodoxe (Rumänen). Es fällt auf, dass es keine mit Rom Unierte (Griechisch-Katholische) gab.
In den freien Orten lebten 17.316 Deutsche, 114 Ungarn, 7.982 Rumänen, 1.548 Zigeuner und 2 Fremde.

Der Konfession nach waren 84 Katholiken, 15.955 Evangelische, 18 Reformierte und 9.530 Orthodoxe. Auch hier gab es keine mit Rom Unierte.
In den untertänigen Orten lebten: 106 Deutsche, 12.445 Ungarn, 23.117 Rumänen, 1.512 Zigeuner und 21 Fremde.

Der Konfession nach: 196 Katholiken, 12.324 Evangelische, 54 Reformierte, 24 mit Rom Unierte (Griechisch. Katholische) und 24.606 Orthodoxe.
In den militarisierten Orten waren die 2.863 Einwohner, mit Ausnahme einiger Zigeuner, Rumänen, alle waren orthodox.

Nach dem Erwerb waren im Distrikt im Jahr 1833: 225 Geistliche, 41 Beamte und Honoratioren (was das auch immer sei), 6.475 Gewerbetreibende und 18.359 Bauern.

In Kronstadt waren im Handwerk beschäftigt: 1.405 Meister, 246 Witwen von Meistern, die den Betrieb weiter führten, 1.426 Gesellen und 373 Lehrjungen, im Ganzen 3.450 Beschäftigte, die in 48 Zünften zusammengefasst waren. Dazu kamen noch einig nichtzünftige geringe Gewerbe mit etwa 1000 Beschäftigten, so dass die Gesamtzahl der im Handel und Handwerk Beschäftigten rund 4.450 ausgemacht haben dürfte.

In Kronstadt gab es noch 3.335 Dienstboten, von denen 3.197 Auswärtige waren und nur 138 aus der Stadt. Es ist eine relativ große Zahl, denn zu der Zeit gab es nur 4.900 Haushalte, so dass im Schnitt  0,68 Dienstboten auf einen Haushalt kam. Da es aber auch viele arme Familien, vor allem in der Oberen Vorstadt gab, die sich keinen Dienstboten leisten konnten, war es eine erstaunlich hohe Anzahl an Dienstboten.  

Im ganzen Distrikt zählte man 6475 in Handwerk und im Handel Beschäftigte
In Zeiden, Tartlau, und Heldsdorf wird hauptsächlich im Winter Leinwand gewebt, Heldsdorf, Zeiden und Wolkendorf betreiben das Fuhrwesen, in Heldsdorf wird Malz hergestellt, in Neustadt Leinöl, dazu mehr  Branntwein gebrannt als in andern Orten. Aus Zernest kommen Fuhrleute, deren Tätigkeit aber durch die Dampfschifffahrt auf der Donau eingeschränkt wurde. In den 7 Dörfern werden Ziegen- und Schaffelle verarbeitet, in allen untertänigen Orten beschäftigen sich die rumänischen Frauen, wie auch in der Oberen Vorstadt von Kronstadt mit Kotzen- und Deckenmachen und der Verarbeitung von Wolle. Ganz in den Händen der Rumänen befand sich die Herstellung von Käse, Butter und Unschlitt (damals wichtig, da die Kerze noch die Hauptbeleuchtungsquelle war).

In den freien Orten wurde die Landwirtschaft hauptsächlich von den deutschen, in den untertänigen Orten von den Ungarn betrieben.   
Auch auf dem Lande gab es viele Dienstboten, das ist ja in der Landwirtschaft verständlich. So waren in den freien Orten 307 Ortsansässige und 269 Fremde in Stellung, in den hörigen Orten gab es 482 ortsansässige und 145 fremde Dienstboten, für die militarisierten Orte liegen keine Zahlen vor, es ist aber eher unwahrscheinlich, dass es hier Dienstboten gegeben hätte.

Es wäre noch von Interesse, die obigen Zahlen auf Gemeinden aufzuschlüsseln, das würde  aber den Umfang dieses Beitrages sprengen. Diese, sowie auch die Liste der Zünfte mit der Anzahl der Meister und deren Mitarbeiter sollte einem eigenen Beitrag vorbehalten bleiben.

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