Vom 44. Speläologenkongress Rumäniens

Orawitza, der Austragungsort, plant ein Museum der Höhlenkunde

Donnerstag, 15. September 2016

Einer der Ausflüge wird in die Höhle Buhui/Peştera Buhui führen
/ Fotos:www.frspeo.ro

Am ersten Septemberwochenende fand in Orawitza der 44. Jahreskongress der Föderation der Speläologen Rumäniens statt. Deren Präsident, Bodgan B²descu von der Reschitzaer Höhlenforschergemeinschaft „Exploratorii“, hatte den Kongress in Orawitza angesetzt, weil sich der Orawitzaer Bürgermeister Dumitru Ursu eigens dafür beworben hatte. Denn Orawitza hat vor, in den kommenden Jahren eine Art „Museumsstadt“ zu werden, wobei neben dem bestehenden Stadtmuseum im ältesten Theaterbau Rumäniens (eingeweiht 1817) sowie der historischen Montanapotheke der Apothekerdynastie Knoblauch eine ganze Reihe von Museen geplant sind.

Dabei verbindet Orawitza zunehmend die Idee der „Museumsstadt“ mit der Tourismusförderung, und die Stadt verfügt mit den Relikten alter Montanindustrie (u.a. zwei Stauseen auf Stadtgebiet, die im 18. Jh. entstanden sind) und des historischen Bergbaus – die Stadt war gute 150 Jahre lang auch Sitz des Banater Montangerichts und eines der Zentren der Banater Gold- und Kupferförderung sowie (Verwaltungs-)Sitz einer Münzprägestätte – und mit ihren historischen Bürger- und Arbeiterhäusern über beste Voraussetzungen für kleine, stimmige Museen.

Nicht zuletzt sprach auch eine Fachtradition für Orawitza als Kongressort der Höhlenforscher: der hiesige Speläologenclub „Speo-Caraş besteht seit 35 Jahren.

Erstmals erstreckte sich der Kongress der Speläologen Rumäniens über vier Tage (bisher waren es erst zwei, dann drei Tage), wodurch mehr Zeit blieb zum Besuch von Höhlen im Banater Karst, und zwar einschließlich vor und nach Kongressbeginn. Die Eröffnungsfeier fand im Alten Theater statt, wo Themen und Gäste der diesjährigen Zusammenkunft vorgestellt wurden. Anwesend waren – so Bogdan Bădescu – 160 Höhlenforscher aus 22 Speo-Clubs sowie Speläologen aus Deutschland, Tschechien, Polen, Bulgarien und der Slowakei, die Interesse zeigten am Banater Karst, dem ausgedehntesten Rumäniens. Ein Schwergewicht wurde auch in diesem Jahr auf den Höhlenschutz sowie auf die Kartierungsmethoden der Höhlen Rumäniens gelegt, ein Thema, bei dem sich alle interessierten Seiten ausschließlich auf die Arbeit der Hobby-Speläologen verlassen. Und auf ihre Arbeit sei inzwischen auch voll und ganz Verlass, war in Orawitza zu hören.

Gemeinsam arbeiteten die Höhlenforscher eine Software für die Höhlenkartierung aus, welche von der Rumänischen Speläologen-Föderation verwaltet wird. Der Schützengarten von Orawitza und der Stadttunnel (ein ehemaliger Bergwerksstollen, den Bürgermeister Dumitru Ursu künftig ebenfalls touristisch nutzen will) waren Austragungsorte von unterhaltsamen Begegnungen.

Wie bei allen derartigen Treffen gab es viele Fotoausstellungen, wobei einmal mehr nachgewiesen wurde, welch herausragende Fotografen es unter den Höhlenforschern Rumäniens gibt – trotz der ihnen auferlegten Restriktionen, von denen noch zu schreiben ist. Es gab Preise für die Höhlenforscherclubs, welche die umfangreichsten Kartierungen von Höhlen vorlegen konnten, die sie binnen eines Jahres realisiert haben und die zur ersten Höhlenkarte Rumäniens beitragen, die im Entstehen begriffen ist.

Aber auch viel Kritisches kam zur Sprache. In erster Linie die bürokratischen Hürden, die den Speläo-Clubs in Sachen Genehmigung von Forschungseinstiegen und Autorisierung von speläologischen Aktivitäten im Weg stehen. Die Liste der Dokumentationen, die dazu gefordert werden, wurde als „Amtswillkür“ bezeichnet. Die Regeln, die von Bürokraten aufgestellt werden, denen die Höhlenforschung grundsätzlich fremd ist, wurden als „Elemente der Schikanierung der Speläologen“ erwähnt. Dass von ihnen Teilnehmerlisten an den Expeditionen gefordert werden, gehe noch an, aber dass jeder Teilnehmer auch eine eigenverantwortliche Erklärung abgeben muss, dass er die geknipsten Fotos „ausschließlich zum Eigengebrauch“ zu verwenden gedenkt, das ginge über die Hutschnur. Und dass die Behörden den Anspruch haben, die Höhlenkarten, an denen alle Höhlenforscherclubs – freiwillig und in ihrer Freizeit – arbeiten, als ihr eigen auszugeben, auch das sei schwer verdaulich, zumal alle Kartierungen der Clubs ausschließlich zu deren Eigennutz verwendet werden und keiner dran denkt, sie zu kommerzialisieren.

Dazu Bogdan B²descu, der Präsident der Rumänischen Föderation der Höhlenforscher: „Ein sehr wichtiges Thema unserer diesjährigen Besprechungen, sowohl im Plenum der 44. Konferenz als auch in der Abteilung Höhlenschutz, waren gerade diese Aktivitäten der Erforschung und Erkundung der Höhlen sowie die Verbindung dieser von uns durchgeführten Aktivitäten mit dem System der amtlichen Genehmigung und der Autorisierung der Höhlenforschung. Denn hier gibt es noch allzu viele Hindernisse, die unsere Tätigkeit in manchen Gebieten lahmzulegen drohen. Der Verwaltungskreis Karasch-Severin ist da die löbliche Ausnahme, das muss unterstrichen werden, und wir kommen im Banater Karst gut voran. Aber landesweit gibt es viel Borniertheit in diesem Bereich, übertriebene Vorsicht oder vorauseilenden Gehorsam, der den Elan der Speläo-Clubs lähmt. Leider haben die Verbote keinen Bezug zum Höhlenschutz oder einem eventuellen Impakt auf die Umwelt. Sämtliche Höhlen, um die es geht, sind von Speläologen unserer Clubs entdeckt und kartiert worden und bloß aufgrund unserer Arbeit, ja sogar unserer Empfehlungen sind sie – oft von Menschen, die sie nicht einmal von außen persönlich gesehen haben - zu Schutzgebieten bzw. geschützten Höhlen erklärt worden. Dass man dann den Entdeckern verbietet, sie weiter zu erforschen, dafür können wir kein Verständnis aufbringen.“

Es gäbe keine andere Beschäftigung landesweit, wo von den Freiwilligen (die oft ihr Leben riskieren, um Neues zu entdecken und wissenschaftlich zugänglich zu machen) gefordert wird, die Fotos von ihrer Arbeit nicht zu zeigen bzw., warum denn nicht?, diese nicht zu kommerzialisieren und wo den Kartografen die Karten einfach quasi konfisziert werden. „Gezwungen zu sein, eine eigenverantwortliche Erklärung abzugeben, dass du ein Foto nur zum Eigengebrauch geknipst hast, das ist blanke Hetze seitens der Behörden!“, so der begeisterte (Höhlen-)Fotograf Bogdan Bădescu.

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