Vom Ausschütten der „Saupitt“

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Es gibt in diesem Wahlkampf Indizien, die zum Spekulieren verleiten. Anders gedacht, als ich es an dieser Stelle sonst meine, und mich in balkanisch-byzantinische Politikerschädel versetzend, wäre es doch möglich, wenn der ACL-Kandidat Klaus Iohannis (er war 2009 Pontas Vorschlag als Premierminister; der Austritt der PNL aus der USL wurde von vielen Kommentatoren als „bizarr“ empfunden, als ob die Weichen mit langer Hand auf Kontrolle über beide Hauptkandidaten fürs Präsidialamt gestellt wurden, usw....) nach den Präsidentschaftswahlen – egal wie sie ausgehen – einem Aussöhungskurs auf Ponta zusteuert? Oder was, wenn Iohannis von der PNL-Mafia marionettiert ist, um den kämpferischeren und „rumänischeren“ Kandidaten C²t²lin Predoiu aus Pontas Weg zu räumen? Also, dass der mit allen Wassern gewaschene Vasile Blaga, Johannis´ Wahlkampfleiter, die Erste ACL-Geige spielt und der PSD jenen Gegenkandidaten bescherte, den sie wünschte. Auf Absprache? Und wenn ja: zu welchem Preis, nachher? Wer „kassiert“? Was?

Sollte Iohannis ohne Fußangeln und Fettnäpfchentapsen überleben, dann zieht er in zwei Wochen in die Stichwahl vom 16. November. Zu groß ist sein bisheriger Umfragenvorsprung vor der Masse der Gegenkandidaten, selbst wenn jeder weiß, dass noch das Auschütten der „Saupitt“ auf die Gegenkandidaten bevorsteht (=„Saubütte“ nannte man früher im Banat das Gefäß, wo die verfütterbaren Haushaltsabfälle für den Schweinefraß bis zum Ausschütten in den Trog hineinkamen; auch ewig verdreckte Kleinkinder nannte man, vorwurfs- und liebevoll, „tu Saupitt!“).

Es ist nicht anzunehmen, dass auf Ponta ein weiterer Pech-, Schwefel- und Kackeguss folgen wird aus dem Arsenal des munter die Verfassung zertrampelnden Präsidenten Basescu, der Volldampfwahlkampf betreibt und durchzurütteln versucht, was nicht niet- und nagelfest ist. Seine Enthüllung, dass Ponta als Staatsanwalt 1997-2001 ein Grundgesetz verletzte und beim Auslandsgeheimdienst „beschäftigt“ war, passt perfekt zu seinem glitschig-aaligen Charakter, rann aber mit einem ohrenbreiten Grinsen an seinem öligen Wesen ab. Den Angriffspunkt zum wahlkampfmäßigen Todesstoß haben sämtliche Gegenkandidaten verpasst.

Gespannt darf man sein auf die Fernsehkonfrontation der Kandidaten, die in die Stichwahl gehen. Hier kommt es auf exzellente Informationen über den Gegner („Mit-Bewerber“ kann man in Rumänien nicht sagen), auf Schlagfertigkeit (Iohannis muss seinen Kritikern auf der Stelle widersprechen) und auf ein cleveres Beraterteam, das – wie Emil Constantinescu 1996 in der Fernsehkonfrontation mit Iliescu – ihm die Entscheidungsfrage zuflüstert: „Glauben Sie an Gott?!“

Sicher kommt es auch an auf die Aufbietfähigkeit der Parteien an Wählern, zu wem die gescheiterten Kandidaten ihre Wähler schicken, wie viele Wähler überhaupt nach einem anämischen Wahlkampf 2014 zu den Urnen schreiten.

Das Schlimmste: Theoretisch ist es möglich, dass nach dem ersten Wahlgang alles entschieden ist.

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