Vom „Forumsarzt“ zum Hausarzt

Zwanzig Jahre Arztpraxis beim Kronstädter Forum

Donnerstag, 21. Juni 2012

Die Ärztin Mihaela Bibu hat viele Kronstädter Forumsmitglieder unter ihren Patienten.
Foto: Ralf Sudrigian

„Ich würde gerne meine ärztliche Tätigkeit am Kronstädter Forum für meine Patienten weiterführen, von denen heute noch rund ein Viertel Forumsmitglieder sind.“ Die Ärztin Mihaela Bibu ist inzwischen ein Teil der Kronstädter Forumsgeschichte.

Seit Juli 1992 ist sie dabei mit ihrem Wissen, mit der inzwischen gesammelten Erfahrung, mit dem hinzugelernten Deutsch, das sie heute problemlos beherrscht – alles im Dienste jener, die ihr anfangs als „Forumsärztin“, später in vielen Fällen als Familienärztin, ihr volles Vertrauen betreffend ihre gesundheitliche Betreuung geschenkt haben.

Heute sind ihre Erinnerungen nicht nur mit der unvermeidbaren Nostalgie an vergangene Jahre sondern auch mit Dankbarkeit verbunden. Dankbar ist sie ihren Mitarbeiterinnen und all jenen, die mit Spenden, Ratschlägen, Ermutigungen dazu beigetragen haben, dass die Ärztepraxis gegründet, entsprechend ausgestattet und gut laufen konnte.

Die Ärztin Mihaela Bibu denkt dabei an die Krankenschwestern die ihr zur Seite standen: In den ersten Jahren bis 1999 war es Christa Hellmann. Ihre Hilfe war nicht nur im eigentlichen Fachbereich sehr wertvoll, sondern auch in der Beziehung zu den Patienten. Damals kamen diese nicht allein aus Kronstadt, sondern auch aus dem ganzen Burzenland, sogar aus dem Repser Gebiet und Fogarasch.

Mihaela Bibu war bemüht, schnell und möglichst gut Deutsch zu lernen und zu sprechen – das war übrigens eine der Voraussetzungen die an sie gerichtet wurde, als sie die Ausschreibung seitens der Kronstädter Gesundheitsbehörde  für diese Arztstelle beim Kronstädter Forum gewinnen konnte. „Die Frau Doktor kann Deutsch, aber Sie dürfen sie verbessern, wenn sie Fehler macht“, soll die Krankenschwester den meist älteren Patienten vom Lande gesagt haben. Damit verlief die Untersuchung ungezwungener, sowohl für die Ärztin als auch für die Patienten die froh waren, sich auf Deutsch oder sogar in ihrer sächsischen Mundart mitteilen zu können. Es folgten als Krankenschwestern Lilla Anna Szécsi, Anda Tara{ und in den letzten Jahren Adriana Stolz.

Pfarrer Lothar Schullerus stellte ein Krankenbett zur Verfügung, Geschäftsführer Georg Bauer vermittelte die notwendigen Büromöbel sowie einen Schrank für die damals sehr zahlreichen Medikamente aus Deutschland. Die Saxonia-Stiftung spendete einen Kühlschrank, ein EKG-Gerät kam hinzu. Als die Saxonia-Stiftung aus den Nachbarräumen vom Forumssitz, Baiulescu-Str. 2 (damals noch Bicazului-Straße), umsiedelte, vergrößerte sich die Praxis mit einem weiteren Raum, wo einfache Behandlungen, sowie Impfungen und Routinekontrollen vorgenommen werden konnten.

Frau Bibu arbeitete sich durch mit der „Roten Liste“, um sämtliche deutsche Arzneimittel richtig anwenden zu können. In Gelsenkirchen absolvierte sie einen kurzen Lehrgang, um als Gutachterin die notwendigen Unterlagen auszufüllen, die aus Deutschland für Kriegsopfer und Deportierte zwecks Entschädigungszahlung gefordert wurden.

1994 kamen neue Patienten für Mihaela Bibu hinzu. Im Kreis Kronstadt wurde zunächst versuchswei-se das Hausarzt-Konzept angewandt und zur Bedingung gestellt wurde, auch Patienten aus dem jeweiligen Stadtteil zu übernehmen. So erhielt Frau Bibu eine zweite Praxis in der Katharinenstraße/Brâncoveanu, im Onkologie-Krankenhaus. Seit 1999 ist dieses System landesweit und verpflichtend eingeführt.

Heute bilden diese Patienten den Hauptteil ihrer Kunden. Viele unter ihnen sind auch als sympathisierende Mitglieder im Kronstädter Forum eingeschrieben und interessieren sich für dessen Angebot auch jenseits der ärztlichen Betreuung (z.B. Deutsch-Sprachkurse, Kulturveranstaltungen).

Rund 60 Prozent ihrer Patienten stehen also direkt oder indirekt in Verbindung mit dem Forum, sodass es auch richtig sei, drei von fünf Wochentagen in der Forums-Arztpraxis Sprechstunden zu gewähren, sagt Bibu. Sicher, so manches könnte noch verbessert werden: kürzere Wartezeiten, bessere Organisation, mehr Informatik in der Praxis.

Alles das in Absprache mit den verschiedenen Partnern, die in der Sicherung der ärztlichen Dienstleistungen unter dem Forumsdach impliziert sind: das Forum, die Honterus-Kirchengemeinde als Eigentümer der Räumlichkeiten, die Krankenkasse, die die ärztlichen Kosten der Versicherten trägt, die Gesundheitsdirektion die den Betrieb in dieser Praxis genehmigt und überprüft.

Zwanzig Jahre sind seit den ersten ärztlichen Untersuchungen der Kronstädter Forumsmitglieder durch einen eigenen Arzt vergangen. Ob diese Dienstleistung wie bisher gesichert werden kann, hängt nicht allein von Frau Bibu ab. „Ich lass die deutsche Gemeinde nicht im Stich“, versichert sie, obwohl die fürs Jahresende vorgesehene Räumung der zweiten Praxis in der Katharinengasse ihr Sorgen bereitet. Auch diese Patienten müssen weiter-hin in einer Praxis betreut werden. Wo? - das ist eine Frage die zur Zeit noch unbeantwortet bleibt.

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