Von Berlin nach Temeswar

Rebecca Arndt absolvierte ein Praktikum bei „Kinderwelt“

Sonntag, 11. Februar 2018

Eine Bereicherung für den Kindergarten: Die deutsche Praktikantin schloss die Kinder und das Personal von „Kinderwelt“ schnell ins Herz. Das Gefühl war gegenseitig.

Deutsch lernen mit Musik: Rebecca Arndt und Lenau-Schüler Emil Moldovan spielen für die Kleinen.

Rebecca möchte künftig als Erzieherin in Deutschland tätig sein.
Fotos: Kinderwelt

Die deutsche Hauptstadt verlassen und für ein paar Monate nach Rumänien kommen: Das nahm sich Rebecca Arndt (20) vergangenes Jahr vor. Über ein Erasmus-Programm bewarb sie sich für ein Praktikum im Ausland und wählte dafür die Stadt Temeswar. Hier beschloss sie, am deutschen privaten Kindergarten „Kinderwelt“ an der Ausfahrt nach Sackelhausen/Săcălaz tätig zu sein. Die Entscheidung bereut Rebecca nach Abschluss ihres Praktikums überhaupt nicht: „Der Aufenthalt hier war definitiv eine Bereicherung für mich“, sagt sie entschlossen.

Rebecca Arndt lebt in der Nähe von Berlin, am Falkensee. Zurzeit macht sie eine Berufsausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin im Pädagogikinstitut „Campus Berufsausbildung“ e.V. Berlin. Rebecca befindet sich im dritten Jahr ihrer dreijährigen Ausbildung in der Sozialpädagogik. Da das fünfte Semester in Deutschland ein Praxissemester ist, fasste sie die Entscheidung, dieses Praktikum im Ausland zu absolvieren. Sie wählte Rumänien als Aufenthaltsort für ihr Praktikum, weil sie ein paar Freunde und Bekannte hier hat. Durch das Erasmus-Programm „Erasmus und Mobilität in der Berufsausbildung“ kam Rebecca Arndt zum deutschen Kindergarten „Kinderwelt“, den Geraldine Bullert-Zipple leitet – die Einrichtung, die jährlich ungefähr 70 Kinder betreut, feiert in diesem Jahr ihr 17-jähriges Bestehen. „Wir haben in Zusammenarbeit mit ´Campus Berufsausbildung´, als Projektträger, eine Lernvereinbarung abgeschlossen. Die Leiterin der Einrichtung, Frau Sabine Philbert-Hasucha, war im Oktober 2017 persönlich hier und hat ´Kinderwelt´ besucht. Daraufhin haben wir einen Zusammenarbeitsvertrag unterzeichnet und hoffen, auch zukünftig Praktikantinnen und Praktikanten aus Deutschland bei uns aufnehmen zu dürfen“, sagt Kindergartenleiterin Geraldine Bullert-Zipple.

Sechs Monate machte Rebecca ein Praktikum da, war in der Bärengruppe, also in der Vorschulgruppe des Kindergartens aktiv. „Es gibt Kinder, die von zu Hause mit Deutschkenntnissen in den Kindergarten kommen, aber die meisten muss man hier fördern, damit sie Deutsch lernen, und darum bin ich da. Ich bin wirklich positiv überrascht, wie gut das klappt und wie viel die Kleinen verstehen. Deswegen war es auch leichter, hierher zu kommen, da ich am Anfang wirklich kein bisschen Rumänisch reden konnte!“, sagt die junge Praktikantin. Rebecca Arndt schreibt ihre Abschlussfacharbeit zum Thema „Wie vermittle ich Kindern die deutsche Sprache mit Hilfe der Musik?“. Bei „Kinderwelt“ spielt Musik eine entscheidende Rolle.

Der Musiklehrer Andrei (Andi) Ciuleac ist täglich in den Gruppen mit Klavier und Geige unterwegs. „Wir haben festgestellt, dass wir eben mit Hilfe der Musik Kindern rumänischer Abstammung die deutsche Sprache spielend vermitteln können“, sagt die Kindergartenleiterin Bullert-Zipple. Lieder und Bewegungsspiele stehen bei „Kinderwelt“ fast täglich auf dem Programm. Der Arbeitsplan war für Praktikantin Rebecca bei „Kinderwelt“ in mehreren Etappen eingeteilt. Der erste Monat diente zum Orientieren und Kennenlernen des Kindergartens und des pädagogischen Konzeptes, der zweite und dritte Monat stellten die Einarbeitungs- und Erprobungsphase dar – es folgte die Vertiefungs- und Verständigungsphase, in der eigene pädagogische Ideen eingebracht und umgesetzt werden konnten. Diese Tage finden die Reflexions- und Abschlussgespräche statt, wobei kommende Woche ein musikalisches Faschingsfest zum Abschluss des sechsmonatigen Praktikums von Rebecca Arnd auf dem Programm steht.

Die Deutsche ließ sich in den sechs Monaten von Rumänien begeistern. Sie mag die Kultur hier, die ganz anders im Vergleich zu Deutschland sei, aber auch die Kollegen, mit denen sie im Kindergarten zusammenarbeitet. Sie war positiv überrascht, wie gut sie in der Gruppe der Erzieherinnen aufgenommen wurde. „Es ist eine herzliche Atmosphäre und das hat man nicht überall in Deutschland. Der Umgang mit den Menschen ist ein wenig anders,“ so Rebecca. Was sie sehr beeindruckte, das waren die Vorbereitungen auf die Feste im Kindergarten, wie zum Beispiel das Sankt Martinsfest, das Weihnachtsfest und aktuell das Faschingsfest. „Die Erfahrung, die ich mit den Kindern hier gemacht habe, oder wie ich beobachtet habe, wie die Erzieher handeln, das ist für mich eine Bereicherung. Ich finde es bewundernswert, wie sehr die Kinder hier voran gebracht werden, wie viel sie schon im Kindergarten lernen und wie viel sie schon machen. In Deutschland geht das nicht so. Sie werden natürlich auch dort gefördert, aber sie werden halt nicht so vorbereitet wie hier. Ich würde sagen, was ich an pädagogischem Können mitbekommen habe, finde ich sehr gut“, sagt die junge Praktikantin.

Besonders überrascht war Rebecca von der Tatsache, dass die Kinder in Rumänien sehr diszipliniert sind. Es gab natürlich manchmal Auseinandersetzungen, aber die Kinder seien im Vergleich zu Deutschland braver und folgsamer. Überraschend war auch die Tatsache, dass die meisten Kinder zu Mittag auch tatsächlich schliefen, was sie von Deutschland so nicht unbedingt kannte. Die Kinder werden nirgendwo gezwungen, zu schlafen, doch in Rumänien wüssten sie schon, wann die Schlafenszeit ist und folgen der Regel. „Ich hatte mich schon darauf eingestellt, eine gute Zeit hier zu verbringen. Ich kann sagen, ich habe mich sehr wohl bei ´Kinderwelt´ gefühlt und ich möchte auch weiterhin gerne als Erzieherin arbeiten. Ich finde es als eine Bereicherung, hierher gekommen zu sein, weil ich diese Erfahrung in Deutschland nicht gemacht hätte. Ich werde in Deutschland als Erzieherin tätig sein, denn dort sind meine Familie und Freunde. Aber ich nehme natürlich ganz viel von hier mit“, sagt die deutsche Praktikantin Rebecca Arndt.

Über den Aufenthalt der deutschen Praktikantin bei „Kinderwelt“ freuten sich auch die Erzieherinnen und die Kindergartenleiterin. „Rebecca spielt gut Klavier und Gitarre und sieht mit ihren langen, blonden Haaren wie ein Engel aus – die Kinder werden sie gewiss vermissen“, schließt Geraldine Bullert-Zipple.

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Fünf gute Gründe, um ein Praktikum zu absolvieren

1.Wenn du noch nicht genau weißt, welcher Beruf zu dir passt, ist es an der Zeit, in verschiedenen Bereichen hineinzuschnuppern. Ist es Architektur? Journalismus? Oder doch lieber Medizin? Ein Betriebspraktikum ist immer willkommen.

2.Du lernst viel dazu, denn Theorie ist nicht alles. Und das, was du praktisch lernst, bleibt viel besser haften. Ein Praktikum ist auf jeden Fall eine Bereicherung, auch wenn du später doch nicht das machen möchtest, was du bei deinem Praktikum erlebt hast.

3.Du lernst neue Menschen kennen, Menschen, die dir ihre eigenen (Lebens-)Erfahrungen vermitteln können. Aus Fehlern lernt man – und am liebsten aus den Fehlern anderer.

4.Du bekommst einen Einblick in Bereiche, den du sonst auf diese Art und Weise nicht bekommen könntest. Betriebe nehmen gern Praktikantinnen und Praktikanten auf, also nichts wie hin!

5.Ein Praktikum ist ein Pluspunkt in deinem Lebenslauf. Nach Abschluss des Studiums kannst du damit schon ein bisschen Arbeitserfahrung vorweisen.

 

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