Von der Belebung des unbelebten Gegenstandes

Zwei junge Bildhauer stellen in der Jecza-Gallery in Temeswar aus

Samstag, 27. April 2013

Die zusätzlich ausgestellten „Skulpturalen Grafiken“ von Tom Woolner weckten viel Interesse.
Foto: Iulia Sur

„Der hartnäckige Gegenstand und der Parasiten-Neffe“ („Obiectul încăpăţânat şi nepotul parazit? The Obdurate Object and the Idiot Cousin“) heißt Vlad Olarius (Rumänien) und Tom Woolners (Großbritannien) gemeinsame Ausstellung, die derzeit in der Jecza-Gallery in Temeswar/Timişoara zu sehen ist. Die großzügigen Räumlichkeiten der modernen Kunstgalerie der Temeswarer Interart-Triade-Stiftung beherbergen 19 Exponate des britischen Bildhauers und fünf Ausstellungsgegenstände des rumänischen Künstlers. Ihre Werke weichen von der traditionellen Bildhauerei ab und demzufolge auch die von ihnen verwendeten Materialien wie Zement, Polyurethan- und Styroporschaum, Farbe, OSB-Platten, Harz und nicht zuletzt Toilettensitze.

Beide Künstler haben zumindest zwei gemeinsame Beschäftigungen: Die der Bildhauerei eigene Problematik – die Belebung eines unbelebten Gegenstandes – und den Versuch, den Willen des Künstlers einem Gegenstand aufzuzwingen, der sich hartnäckig an seiner dreidimensionalen Form festkrallt und dementsprechend schon „fertiggestellt ist“ – egal ob aus Stein, Holz oder ein vom Mensch geschaffenes Material, so die Kuratorin Jane Neal. Diese erläuterte weiter, dass, unabhängig von seiner Art zu sein, der Künstler im Wesentlichen den bereits von seinem eigenen Charakter durchdrungenen Gegenstand „ent-deckt“, daher auch die Benennung: „hartnäckiger“ Gegenstand.

Der „parasitäre Neffe“ ist ein spielerischer Hinweis auf den sowohl in Woolners als auch in Olarius Arbeitsstil vorhandenen Humor, welcher aber das Spezifische ihres Schaffens auf unterschiedliche Art beeinflusst. „Der hartnäckige Gegenstand und der Parasiten-Neffe werden die bestehenden Auffassungen hinsichtlich der hierarchischen Konstrukte der Gegenstände im Bereich der Bildhauerei und der Gesellschaft untergraben und in Frage stellen“, schloss Jane Neal ihre Ausstellungsvorstellung ab.

„Die Anwesenheit der britischen Kuratorin in der Jecza-Gallery ist ein bedeutendes Event für die zeitgenössische Kunst in Temeswar“, sagte Sorina Jecza, die Vorsitzende der Interart-Triade-Stiftung, über Jane Neal, eine selbstständige Kunstkritikerin, Kuratorin und anerkannte Expertin für die zeitgenössische Kunstszene in Osteuropa. 2006 war sie Kuratorin einer Ausstellung in der Londoner Kunstgalerie für zeitgenössische Kunst Haunch of Venison, wo sieben Klausenburger Künstler (Mircea Cantor, Adrian Ghenie, Victor Man, Ciprian Mureşan, Cristian Pogăcean, Şerban Savu und Gabriela Vanga) dem britischen Publikum vorgestellt wurden.

Neal studierte an der Oxford University und beim Courtauld Institute in London. Sie war Kuratorin von Ausstellungen in Austin, Berlin, Dubai, London, Los Angeles, Mailand, New York, Prag und Zürich.
Vlad Olarius und Tom Woolners Ausstellung kann bis am 24. Mai in der Jecza-Gallery auf der Calea Martirilor 51/52-53 gesehen werden. Für die Besichtigung der Galerie ist eine telefonische Voranmeldung unter 0256/482056 (Festnetz) oder 0722666445 (Mobil) notwendig.

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