Von der Landschaftsmalerei zur Hologrammkunst

Siebenbürgische Kunst wird im bayrischen Passau ausgestellt

Sonntag, 07. September 2014

Henri Nouveau/Heinrich Neugeboren, Friedrich von Bömches und Ingo Glass – das Museum Moderner Kunst in Passau zeigt vom 27. September bis zum 23. November „Kunst aus Siebenbürgen“. Die Ausstellung schlägt eine Brücke von der Klassischen Moderne in die Gegenwart. Sie bietet einen einzigartigen Einblick in das künstlerische Schaffen des letzten Jahrhunderts.

Die Exponate stammen aus der Privatsammlung des Mediziners Josef Böhm. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf Malerei und Grafik der 1920er Jahre. Die Exponate spiegeln die Auseinandersetzung von jungen Künstlern mit der west- und mitteleuropäischen Malerei. Nouveau und andere reisten von Siebenbürgen in die damaligen Kunstmetropolen Paris und Berlin. Die Erfahrungen, die sie dort sammelten, schlugen sich in den Bildern nieder. Vor allem die großen Strömungen, wie der deutsche Expressionismus und die französische Plein-air-Malerei, übten großen Einfluss aus. „Kennzeichnend für viele Werke ist eine tiefe Verbundenheit mit der Natur, aber auch ein ausgeprägter Sinn für die Harmonie zwischen Mensch und Natur. Die Ausstellung bietet einen Einblick in verschiedene Malerschulen und Künstlerkolonien und lenkt den Blick darüber hinaus auf zeitgenössische Kunst aus Siebenbürgen“, schreibt die Kunsthistorikerin Julia Neuhaus aus Anlass einer früheren Ausstellung der Sammlung.

Als Kunstraum zeichnet sich Siebenbürgen, das seit jeher Schmelztiegel unterschiedlicher kultureller Einflüsse ist, durch die Gleichzeitigkeit verschiedener Strömungen aus. Die 1896 gegründete Künstlerkolonie und Malerschule von Nagybánya (Frauenbach/Baia Mare) galt als Schaffenszentrum. Zunächst gegründet, um sich von der akademischen Malerei zugunsten einer adaptierten Auffassung von Naturalismus und französischer Plein-air-Malerei zu lösen, fanden bald die avantgardistischen Strömungen Westeuropas Eingang in die Schule. In Kronstadt/Braşov sorgten Anfang des 20. Jahrhunderts die Künstler Hans Mattis-Teutsch, Hans Eder, Henri Nouveau, Fritz Kimm und Friedrich von Bömches für eine rasche Verbreitung des deutschen Expressionismus. Sie hatten zumeist in Deutschland und Paris studiert. In den 1920er Jahren wurde Klausenburg/Kolozsvár/Cluj Schauplatz der wichtigsten Ausstellungen. 1925 wurde hier mit der Hochschule der Bildenden Künste die erste institutionalisierte Kunstakademie Siebenbürgens eröffnet. Künstler wie Sándor Szolnay, Walter Widmann oder István Nagy verbanden die traditionelle naturalistische Malerei mit west- und mitteleuropäischen Strömungen und erweiterten diese um neue und individuelle Elemente.

Nach 1945 wurde die rumänische Kunstszene vom Sozialistischen Realismus geprägt, was die Arbeit für mehrere Jahrzehnte behinderte und in ihrer Entwicklung hemmte. Erst in den 1960er Jahren lockerten sich die Bedingungen für junge Künstler, die wieder internationalen Anschluss suchten. Maler, Grafiker und Bildhauer aus Neumarkt am Mieresch/Târgu Mureş suchten nach neuen, zeitgenössischen Formen des Verhältnisses von Natur und Kunst. Sie veranstalteten Land-Art-Aktionen und Happenings. In Temeswar/Timişoara prägte der industrielle Hintergrund der Stadt das künstlerische Wirken.

Es entstanden neokronstruktivistische Arbeiten. In Großwardein/Oradea gelangten György Jovián, Miklós Jakobovits und andere, von der figurativen Malerei ausgehend, zu expressiven, nicht selten sozialkritischen Ausdrucksformen. In Kronstadt trat Waldemar Mattis-Teutsch, der Enkel von Hans Mattis-Teutsch, ab den 1980er Jahren mit Hologrammkunst in Erscheinung.

Die Ausstellung basiert auf der Sammlung von Josef Böhm. Böhm wurde 1960 in Neumarkt am Mieresch geboren und wanderte zu Beginn der 1980er Jahre nach Deutschland aus. Heute lebt er mit seiner Familie im süddeutschen Freiberg. Den Grundstein der Sammlung legte jedoch der gleichnamige Vater des Mediziners in den 1960er Jahren. Böhm hat sich bereits an mehreren Ausstellungen beteiligt. Unter anderem wurden seine Bilder 2004 im Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg sowie 2002 in der ungarischen Botschaft in Berlin gezeigt. Die Sammlung umfasst heute etwa 250 Werke.

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