Von Josef Puwak bis zu...Nietzsche

„Deutsche Literaturtage in Reschitza“, XXIII.Auflage: Vorlesungen, Referate und Gedenkreden

Mittwoch, 15. Mai 2013

Das traditionelle deutsche Literaturfest in Reschitza bot seinem Publikum heuer nicht nur ansprechende Autorenlesungen, Buchpräsentationen und ein reges Diskussionsforum sondern auch eine reiche Palette von Vorlesungen, Referaten und Gedenkreden. Das bei dieser wie stets umsichtig von Erwin Josef Ţigla organisierten Veranstaltung schon längst der eng anmutende Rahmen der rumäniendeutschen Literatur gesprengt wurde, belegten schon zum Auftakt die beiden Ausstellungen im Museum des Banater Montangebiets: die Kunstfotoausstellung der Autorin und Künstlerin Ilse Hehn (Ulm) und die Dokumentarschau „Aus dem Leben und Wirken des Dichters Hans Dama“ (Wien).

Einführend wurden gleich drei Vorträge zum Gedenken an drei wichtige Vertreter der deutschen Literatur und Kultur in unserem Land präsentiert: Annemarie Podlipny-Hehn (Temeswar) ehrte in ihrem Referat den Banater Autor, Stückeschreiber und ehemaligen DSTT-Schauspieler Hans Kehrer zu seinem 100. Geburtstag. Hans Kehrer (1913-2009) wurde in Kleinsanktpeter als Bauernsohn geboren, war reihum Dorflehrer, Schulinspektor, Tagelöhner, Weber, bis er dann von 1953 bis 1973 als einer der beliebtesten und bedeutendsten Mitglieder des DSTT gewirkt hat. Zu seinen bekanntesten Stücken zählen „Narrenbrot“, „Meister Jakob und seine Kinder“ sowie „Zwei Schwestern“. Er verstarb 2009 als 96jähriger in Berlin.

Der aus dem Banat gebürtige Autor und Hochschullehrer Hans Dama (Wien) referierte zu dem interessanten Thema „Adam Müller Guttenbrunn und die Rumänen“. Der Schwabendichter, dessen große Heimatromane nicht nur eine einzigartige Wirkung bei seinen Landsleuten hatten, war auch beim breiten rumänischen Publikum bekannt und geschätzt. Dazu die Anerkennung des Dichters Lucian Blaga 1923: „Die Schwaben gaben der großen deutschen Literatur zwei Schriftsteller, Nikolaus Lenau und Adam Müller Guttenbrunn...“ sowie „Er ist einer der wenigen fremden Schriftsteller, die gut über uns gesprochen haben.“. 1922 erhielt der Autor gar eine hohe Auszeichnung aus den Händen von König Ferdinand.

Zum 100. Geburtstag sprach Edith Guip-Cobilanschi (Temeswar) über den aus Reschitza gebürtigen Autor Josef Puwak, der leider zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Dieser Autor- 1981-1999 erschienen fünf Bücher von Puwak- ging mit seinen einfühlenden, meist heiteren Jagd- und Naturgeschichten in die rumäniendeutsche Literatur ein. Die Temeswarer Autorin erinnerte in einem zweiten Vortrag an die „Wiener Kronen Zeitung“ und ihre Wirkung auch im Banat.

Der hierzulande geschätzte Nietzsche-Übersetzer Simion Dănilă (Belinţ) sprach in seinem Vortrag „Nietzsche und die rumänische Kultur. Nietzsches Werke in Rumänisch“ nicht nur über die große Wirkung des Philosophen im rumänischen Kulturraum, vom 19. Jahrhundert bis heute, sondern auch über sein eigenes schönes und schwieriges Lebenswerk, der Übersetzung der vollständigen Werke von Friedrich Nietzsche ins Rumänische. Das zum Anlass des kürzlichen Erscheinens von Friedrich Nietzsche „Vollständige Werke“, Band 7, im Temeswarer Hestia-Verlag.

Hierzu u.a. das Endfazit des Übersetzers: „Nietzsche muss von Philologen und nicht von Philosophen übersetzt werden.“

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