Vor 50 Jahren

Sonntag, 23. April 2017

1967 war der Ostersonntag am 26. März und es ist das erste Mal, dass unser zusammenfassender Rückblick das Osterfest so beinhaltet. Deshalb schlugen wir auch den Band der Sammlung erstmals im Bereich dieses Datums auf, um zu sehen, ob zumindest eine Andeutung auf Ostern zu finden sei. Natürlich fanden wir nichts in dieser Richtung. Die Ausgabe vom 24. März (Nr. 730) der Volkszeitung berichtete über Landwirtschaft und Viehzucht, Mängel im Wohnungsbau – damals ein tatsächlich heißes Thema – und Tourismus. Seite 3, der Kultur gewidmet, enthält einen umfassenden Beitrag über Schässburgs Vergangenheit mit mehreren Einzelheiten über neue archäologische Erkenntnisse. In den vorangegangenen Ausgaben der Volkszeitung lag der Schwerpunkt auch auf den Frühlingsarbeiten und den Baustellen der Stadt, welche gar nicht wenig waren: das sich erweiternde Bahnhofsviertel wurde aus allen Winkeln fotografiert und der Handelskomplex „Rapidul“ mehrmals abgedruckt. Die meisten Fotos lieferte damals Otto Winkler, Amateurfotograf mit Vorliebe für Portraits mit natürlichem Licht. Markante  Gesichter wie z. B. das von dem eben 95 Jahre alt gewordenen Brenndörfer Georg Schmidts (VZ 28. Februar, Nr. 723) waren Gegenstand einiger Bilderreihen, mit denen sich Otto Winkler bei Fotowettbewerben bewarb und auch ausgezeichnet wurde.

In der Ausgabe vom 3. März (Nr. 724) wurde auf der Titelseite ein Archivfoto veröffentlicht, begleitet von einem Aufruf zu den Wahlen, die am 5. März für die Abgeordneten der Gemeindevolksräte stattfinden sollten. Unser Versuch, Namen dieser Kandidaten ausfindig zu machen scheiterte jedoch, denn alle waren unter dem Sammelnamen „Volksvertreter“ vereint. Auch nach den Wahlen beschränkte sich die Berichterstattung auf hölzerne Formulierungen wie: „Am Sonntag stimmte unsere Bauernschaft für das Aufblühen des sozialistischen Dorfes“. Kein Wunder, dass bei solchen Aufmachern die Chronik zum Spielfilm „Die Daker“ (VZ 7. März, Nr. 725) in den Keller verbannt wurde. Der Film sorgte damals für etwas Gedränge auf dem Plateau vor dem Patria-Kino und angehobene Preise bei damals geläufigen „bilet în plus“ (eine Karte übrig), die geduldete Form der Kleingaunerei  einiger Stadtganoven.   

Als Neuigkeiten fallen auf: ein Beitrag über den in Paris 10 Jahre zuvor verstorbenen Bildhauer Constantin Brâncuşi (VZ 17. März, Nr. 728), für den sich die Parteibonzen der Kultur wieder um 180 Grad gedreht hatten: nun war er nicht mehr dekadent, sondern avantgardistisch! Als Illustration diente ein Foto der „Unendlichen Säule“ in Târgu Jiu, welche kurz vorher ein übereifriger aber linientreuer Bürgermeister niederreißen wollte. Auf Seite 4 der Ausgabe vom 21. März (Nr. 729) ist eine andere Neuigkeit zu finden: ein Foto auch von Otto Winkler und zwar mit dem damals brandneuen Renault 16 PKW. Ein Produkt der bösen Kapitalisten, heiß begehrt und für die Mitglieder der Arbeiterklasse nur durch ihre eben gewählten hochrangigen Vertreter zugänglich. Zur Entschädigung ging in den Wochen, wer keine Karte für die „Daker“ ergattern konnte, zu „Der Nacht des Iguan“ mit Richard Burton in einer seiner besten Rollen.

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