Vordenker und Wegbereiter für den Schutz der Wälder

Dietmar Gross erhält Ehrenmedaille des BUND Naturschutz

Freitag, 12. Juni 2015

Die Karl-Gayer-Medaille wurde während eines Waldbegangs bei Oberlangenheim überreicht: (v.r.) Thomas Hubmann (ANW Bayern), Prof. Dr. Hubert Weiger (Vorsitzender BN), Dr. Georg Sperber (Karl-Gayer-Medaillenträger des Jahres 1998), Dietmar Gross mit Ehefrau Gerhild, Dr. Georg Meister (Karl-Gayer-Medaillenträger des Jahres 1994) und Dr. Ralf Straußberger (BN-Waldreferent)
Foto: BUND Naturschutz

Dietmar Gross mit Ehefrau Gerhild zuhause in Deutsch-Weißkirch
Foto: George Dumitriu

Er ist die Stimme jener, die nicht reden, und der Anwalt derer, die nicht klagen können: Bäume. Ob in Deutschland oder wieder zurück in Rumänien, Dietmar Gross hat ihnen sein Lebenswerk gewidmet. In jahrzehntelanger unermüdlicher Hingabe kämpfte der aus Siebenbürgen stammende ehemalige Forstdirektor in Deutschland für ökologische Waldwirtschaft und den Erhalt alter Bäume. Seit seiner Rückkehr nach Deutsch-Weißkirch/Viscri sensibilisiert er durch Reisen und Führungen in Karpatenwaldregionen inländische und ausländische Experten zur Lage der rumänischen Urwälder. Am 20. Mai wurde Dietmar Gross nun in Lichtenfels, Bayern, für sein besonderes Engagement zu Erhaltung und Schutz alter Bäume und Wälder auf internationaler Ebene mit der Karl-Gayer-Medaille des BUND Naturschutz, verliehen zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft, ausgezeichnet.

Der Forstmann, der sich in seinem früheren Wirkungskreis auch politisch für Natur- und insbesondere Waldschutz einsetzte, ist der 29. Preisträger dieser seit 1977 verliehenen Auszeichnung, die den Namen des Begründers des naturnahen Waldbaus trägt. Die Medaille stellt eine Auszeichnung für Vordenker und Wegbereiter dar. In seinem unbeirrten Einsatz für den Wald und seine Geschöpfe musste Dietmar Gross auch mit Widerständen seiner Vorgesetzten kämpfen und Kritik von außen einstecken.  „Mit der Karl-Gayer-Medaille wollen wir auch deine Standhaftigkeit ehren, die du dir trotz aller Anfeindungen bewahrt hast. Du hast die Ideale der Förster, sich schützend und konsequent vor seinen Wald zu stellen, immer hoch gehalten. Dafür danken wir dir”, betont daher der erste Vorsitzende des BUND Naturschutz, Prof. Dr. Hubert Weiger, in seiner Laudatio.

Ökologische Forstwirtschaft über alles

Der in Fogarasch/Făgăraş aufgewachsene Siebenbürger Sachse hatte sein Forstwirtschaftsstudium in Kronstadt begonnen und nach der Auswanderung nach Deutschland im Jahre 1974, an der Ludwig-Maximilians-Universität München fortgesetzt. Die Prägung zur naturgemäßen Waldwirtschaft erhielt er während seiner ersten Verwendung in der Oberforstdirektion Bayreuth 1978-1984 als Mitarbeiter von Waldbaureferent Paul Lang, dem ersten Träger der Karl-Gayer-Medaille. Während seiner gesamten Försterlaufbahn – 1984-1993 als stellvertretender Forstamtsleiter Bamberg und zuletzt Leiter des Bayrischen Forstamtes Lichtenfels von 1993 bis zur Forstreform 2005 – setzte sich Dietmar Gross stets für die Prinzipien  „Wald vor Wild“,  „Ökologie vor Ökonomie” und die Erhöhung des Bestandes alter Bäume in den Wäldern ein und scheute durch seine Stellungnahmen gegen waldzerstörerische Großprojekte wie die BAB A37, die ICE-Trasse oder den Einsatz von Dimilin und anderer Gifte im Wald auch vor Auseinandersetzungen mit seinen Vorgesetzten nicht zurück. Sein Kampf gegen die Forstreform 2005, die einen großen Einschnitt in seine bisherige berufliche Arbeit bedeutete, hatte ihm schließlich sogar ein Disziplinarverfahren eingebracht. „Als Beamter warst du stets dem Gesetz, aber nicht dem Zeitgeist verpflichtet”, honoriert Prof. Weiger in seiner Rede auch den Beitrag des Geehrten zum Volksbegehren des BUND Naturschutz „Aus Liebe zum Wald”. “Es war immer mein Ziel, den Mitgeschöpfen, die keine Vertretung in den Parlamenten haben, zu helfen” motiviert Gross seinen Einsatz.

Lebensziel Naturschutz

Auch außerhalb seiner beruflichen Laufbahn machte sich Dietmar Gross für den Naturschutz stark. Seit 1980 ist er im BUND Naturschutz aktiv, seit 1994 Vorstandsmitglied der Kreisgruppe Lichtenfels und seit 2009 Mitglied im Landesbeirat. Als Gründungsmitglied war er in der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft in Bayern aktiv, außerdem im Naturschutzbeirat des Landratsamtes Bamberg, im Regionalen Planungsbeirat Oberfranken West, im Jagdbeirat des Landratsamtes Lichtenfeld und der Regierung Oberfranken. Im Rahmen politischer Mandate im Stadtrat von Bamberg (1990-1993) und im Kreisrat von Lichtenfels (2008-2010) setzte er sich für zukunftsweisende Projekte wie die Verringerung der Flächenversiegelung durch bauliche Maßnahmen und die Förderung des ökologischen Landbaus ein. Auch auf internationaler Ebene hat der Forstmann, der sich stets in besonderem Maße für die Fortbildung ausländischer Forstleute im Sinne seiner Prinzipien engagierte, Spuren hinterlassen. 1994 rief er eine Partnerschaft der Forstämter Lichtenfels und Lugosch/Lugoj ins Leben, die einen aktiven fachlichen Austausch zwischen bayrischen und rumänischen Forstexperten begründete.

Eine Stimme für die Urwälder Rumäniens

Seit 2001 organisiert Dietmar Gross Reisen für Mitglieder des Bund Naturschutz nach Siebenbürgen, ins Donaudelta, in die Bukowina und vor allem in die Karpaten-Urwälder, um einheimische und ausländische Besucher für den Schutz des europäischen Walderbes zu sensibilisieren. Mit schätzungsweise 1000 Teilnehmern bisher hat sich für diese Reisen eine eigene Fangemeinde herausgebildet. Hinzu kommen Führungen von Studentengruppen der Hochschulen Rottenburg, Freiburg, Klausenburg/Cluj-Napoca etc., sowie Naturreisen für zahlreiche Verbände aus Mitteleuropa. Von 2004 bis 2006 fungierte er als Kurzzeitexperte am Umweltministerium in Bukarest im Rahmen von EU-Twining-Projekten zur Umsetzung der NATURA-2000 Richtlinie. Der heute vorwiegend wieder in Siebenbürgen, Deutsch-Weißkirch, lebende Naturschützer setzt sich auch für den Erhalt der rumänischen Urwälder ein, die mit 65 Prozent Anteil an gesamteuropäischen Urwäldern einen beachtlichen Teil ausmachen. Für ihn bedeutet die Auszeichnung mit der Karl-Gayer-Medaille einen enormen moralischen Rückhalt im Kampf für einen artgerechten, naturnahen Wald.

Kommentare zu diesem Artikel

Rolf Joachim, 12.06 2015, 14:26
Dieser Mann hat die Auszeichnung redlich verdient! Er ist ein Vorbild für Länderübergreifende Völkerverständigung und Zusammenarbeit.
Herzlichen Glückwunsch.

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