Vorlass von Richard Wagner archiviert

Er ist im IKGS München ab sofort zugänglich

Samstag, 13. Januar 2018

Der an Parkinson erkrankte Schriftsteller Richard Wagner hat im Jahr 2013 sein umfangreiches privates und literarisches Archiv an das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) in München übergeben. Von Mai 2015 an bearbeitete die Literaturwissenschaftlerin Christina Rossi von der Professur für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft (Prof. Dr. Bettina Bannasch) an der Universität Augsburg das von der Beauftragten für Kultur und Medien (BKM) geförderte Projekt zur Sicherung und Archivierung des Vorlasses von Richard Wagner. Seit Herbst ist der archivierte Vorlass nun zu Forschungszwecken im IKGS zugänglich, heißt es in einer Pressemitteilung des Instituts.

Der Bestand umfasst Manuskriptfassungen und Material zu Wagners literarischen, journalistischen und essayistischen Werken, Briefkorrespondenzen, Notizbücher, Lebensdokumente, Fotos sowie umfangreiche Materialsammlungen, darunter Dokumentationen des Alltags und der ideologisierten Presseberichterstattung in Rumänien unter Ceau{escu sowie die kopierten Securitate-Akten von Richard Wagner und Herta Müller, der ehemaligen Ehefrau des Schriftstellers. Der Vorlass ist damit sowohl für Literaturwissenschaftler als auch für Historiker und Politologen von Wert und Interesse.

Insbesondere für literaturhistorisch interessierte Forscher von Bedeutung ist die umfangreiche Dokumentation früher Texte und Rezeptionsbelege Richard Wagners und Herta Müllers in deutschsprachigen Medien aus Rumänien, d. h. vor 1987. Frühe Interviews, Rezensionen und Abdrucke literarischer Texte beider Autoren sind heute nur noch schwer zu rekonstruieren und liegen im Archiv in nahezu vollständiger Weise vor.

Von erstaunlichem Umfang ist die Sammlung wohl nahezu sämtlicher journalistischer Texte in knapp 45 Mappen. Als besonders wertvoll erweisen sich auch zahlreiche handschriftliche Manuskripte von Gedichten und Gedichtbänden, die noch aus Richard Wagners Zeit in Rumänien stammen. Doch auch neuere Arbeiten Wagners sind in ihrem Entstehungsprozess nachvollziehbar. So liegen allein für das Werk „Die deutsche Seele“, das Wagner im Jahr 2011 gemeinsam mit Thea Dorn publizierte, 45 Mappen vor, in denen Wagner die von ihm verfassten Essays aus dem Buch mit Materialsammlungen, Notizen und Manuskriptfassungen mit den jeweiligen Arbeits- und Denkprozessen abbildet.

Zahlreiche Korrespondenzen mit teilweise namhaften Schriftstellerkollegen, Verlegern und engen Vertrauten Wagners zeugen von seinen literarischen und persönlichen Netzwerken und Kommunikationswegen. Unter den vorhandenen Briefen sind etwa Zuschriften der Autorinnen Herta Müller, Thea Dorn, Birgit Vanderbeke, Felicitas Hoppe, Anemone Latzina, Helga Novak, Sarah Kirsch und Ursula Krechel sowie der Schriftsteller György Dalos, Hans Joachim Schädlich, Hanns-Josef Ortheil, Franz Hohler, Johann Lippet, Rolf Bossert, Peter Motzan und Gerhard Csejka.

Christina Rossi hat bereits zwei Publikationen von und mit Richard Wagner auf den Weg gebracht, die auch bislang unveröffentlichtes Archivmaterial enthalten. Im Aufbau Verlag Berlin gab sie im Frühjahr 2017 Wagners neuen Lyrikband „Gold“ heraus, der Gedichte von 1972 bis 2016 versammelt. Neben neuen Texten sind hier auch zahlreiche frühe, noch unbekannte Gedichte erstabgedruckt. Im Wieser Verlag Klagenfurt erschien zeitgleich ein Gesprächs- und Essayband unter dem Titel „Poetologik. Der Schriftsteller Richard Wagner im Gespräch“. Dieser vom IKGS geförderte Band versammelt neben einem langen literaturwissenschaftlichen Gespräch zwischen Richard Wagner und Christina Rossi zahlreiche Essays zur Literatur sowie Debüttexte und frühe Interviews Wagners aus deutschsprachigen Zeitungen in Rumänien. Der Band richtet sich sowohl an die Wissenschaft als auch an mit Wagners Werk vertraute Leser.

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