Vorsicht, Außerirdische!

Mittwoch, 26. Februar 2014

Symbolbild: sxc.hu

Diesen Text müssen Sie, lieber Leser, heimlich lesen. Bewegen Sie bloß nicht Ihre Lippen dabei und essen Sie die Zeitung nach dem Lesen auf. Wer weiß, was sonst passiert...
Ich bin einem Komplott auf der Spur. Sie haben sicher auch immer wieder in den Zeitungen gelesen, dass seriöse Wissenschaftler behaupten, eine Landung von Außerirdischen stehe unmittelbar bevor. Nun, ich habe entdeckt, dass die Außerirdischen schon da sind. Sie sind dabei, mithilfe der Kellner unsere Welt zu erobern. Sie finden das übertrieben? Dann der Reihe nach.
Ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie ähnlich sich die Kellner sind? Nein, nicht die schon legendäre Unfreundlichkeit meine ich, das ist Einstellungsvoraussetzung in hiesigen Serviceeinrichtungen. Sondern etwas, das sofort auffällt: Unsere Kellner sehen die meiste Zeit nicht. Sie sind selektiv blind.
Sie glauben das nicht? Versuchen Sie einmal, nachdem Ihre Suppe serviert wurde, um Salz zu bitten, um Brot, um die letzte Ölung oder sonst was. Der Kellner wird fünfmal an Ihnen vorbeigehen und Sie geflissentlich ignorieren. Sie können winken, pfeifen, trampeln, mit dem Messer hinter ihm werfen, röcheln, vom Stuhl fallen. Er wird mit beseeltem Gesicht an Ihnen vorbeiwandeln und Sie einfach nicht sehen.

Vor Jahren stellte ich mir noch die Frage, wie man es anstellen sollte, dass ein Kellner einen sieht. In der Theorie stellt es sich ganz einfach dar: Auf ein diskretes Handzeichen des Mannes kommt der Kellner herbeigewedelt und bringt das Gewünschte. Und fett unterstrichen: Schnalzen, rufen, pfeifen, auf den Tisch klopfen gilt als schlechtes Benehmen und des Gentlemans unwürdig.
Also versuchte ich diskrete und weniger diskrete Handzeichen, ich wedelte mit der Serviette und mit der Krawatte, ich versuchte meine Socken auszuziehen, woran mich meine Begleiterin hinderte, nichts half. Die Kellner schritten fürbass wie Tell zum Rütlischwur und sahen weder links noch rechts.
Zunächst schob ich es auf die mangelnde Ausbildung: Rumänien leidet an Mangel ausgebildeter Kellner und die, die man findet, sind eben die, die man findet. Danach erkundigte ich mich bei Augenärzten, Schädigung des peripheren Sehens infolge Zugeinwirkung. Fehlanzeige. Das periphere Sehen ist, wie es der Name sagt, am Rand, während die Kellner auch nicht sehen, wenn man ihnen ins Gesicht schaut.
Also begann ich genauer hinzusehen. Zunächst fielen mir die geheimen Zeichen auf, die sie sich gaben. Sollte wohl heißen, „Diesen Erdling murksen wir als nächstes ab“.

Bald merkte ich, die Blindheit stellt sich immer dann ein, wenn sie mit dem Mutterschiff kommunizieren. Zunächst bringen sie das Gewünschte und sind ganz normal. Sobald sie den Tisch verlassen, stellen sie das Sehen auf extraterrestrische Frequenz um: „Roger, Commander. Der Gast ist etwas fett, würde aber als Sklave taugen. Seine Hände sehen wie geschaffen für Schaufelhalten aus. Vormerken? Jawohl, over.“ In all dieser Zeit reagieren sie auf keinerlei Zuruf von außen.
Vollständig überzeugte mich von der Richtigkeit meiner These der Umstand, dass sich diese Blindheit quer durch alle Gesellschaftsschichten der Kellner zog: von der billigsten Klitsche bis zum nobelsten Hotelrestaurant, dasselbe Benehmen: Die Biester, die außerirdischen, sind verkappte Sozialisten und wollen eine egalitäre Gesellschaft errichten.
Deswegen, Vorsicht, lieber Leser. Stören Sie die Kellner nicht mit Ihren Wünschen, holen Sie sich das Gewünschte schön brav selber aus der Küche. Vorbereitet mit einem dicken Trinkgeld können Sie hoffen, dass sich die außerirdischen Kellner Ihrer erinnern, wenn sie die Welt erobert haben und terrestrische Hilfstruppen brauchen und Sie nicht gleich als Sklaven auf den nächsten Planeten verschleppen.

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