Vorzüge grenzüberschreitender Projekte kaum bekannt

Konferenz über Verkehrswesen und Tourismus im Großbanat

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Das Temeswarer Fahrradprojekt „Verde pentru biciclete“ hat auch den EU-Parlamentarier Michael Cramer in seinen Bann gezogen. Der deutsche Politiker (Mitte) machte am vergangenen Samstag an einer Fahrradtour mit.
Foto: Flavius Neamciuc

Zwischen November 2014 und Oktober 2015 wurden in den rumänischen Tourismuseinrichtungen, 9,7 Millionen Besucher gezählt. Mehr als Dreiviertel davon (77 Prozent) kamen aus Rumänien. Die meisten ausländischen Touristen, die in der gegebenen Zeitspanne ein Zimmer in den rumänischen Hotels und Pensionen buchten, kamen aus Ungarn, Bulgarien, Deutschland, Polen und Italien. Der direkte Beitrag am BIP des Tourismus in Rumänien, wird im Jahr 2025 3,8 Prozent betragen. Im Jahr 2014 waren in Rumäniens Tourismus 205.000 Personen beschäftigt, die konnexen Bereiche gar nicht mitgerechnet. In den kommenden zehn Jahren könnte sich diese Zahl verdoppeln. Diese Daten gehen aus einer Dokumentation hervor, die die EU-Parlamentarierin Maria Grapini in Temeswar auf einer von ihr initiierten Konferenz zu diesem Thema über das regionale Entwicklungspotential in Verkehr und Tourismus im Banat - mit Ausschweifungen nach Ungarn und Serbien – veranschaulicht hat.

 

Bezeichnend für die Situation, warum der überregionale Tourismus in der Region unzureichend gefördert wird, war allein schon das elektronische Votum der Teilnehmer. Knapp weniger als zwei Drittel sahen das Fehlen von Kenntnissen über die wirklichen Vorzüge überregionaler Projekte als Hauptargument, warum der überregionale Tourismus unzureichend entwickelt ist. Nur 14,5 Prozent sind der Meinung, dass die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den drei Ländern für die Versäumnisse ausschlaggebend sind und nur jeder achte Teilnehmer glaubte, dass die unterschiedlichen Blickwinkel entscheidend für diese Sachlage sind. Dass die diversen Blickwinkel punktuell auch den oder anderen freuen könnten, lässt der langjährige EU-Parlamentarier, Michael Cramer, erkennen. „Die Serben, zum Beispiel, freuen sich, dass die Rumänen nicht in der Lage sind, den Fahrradweg auf ihrer Seite, der Donau entlang, auszuschildern. Deshalb nehmen Radfahrer lieber das serbische Ufer und geben auch hier ihr Geld aus“.

Cramer steht auch für die Förderung des Fahrradtourismus durch ganz Europa und legte bei seinem Vortrag einen Akzent auf den Radweg von den Küsten der Barentssee an der norwegisch-russischen Grenze, bis ans Schwarze Meer. Nicht nur die kulturelle Vielfalt, die entlang der Trasse ergibt, sondern auch nachhaltiger Tourismus auf den Spuren europäischer Geschichte stellte er bei seinem Vortrag in den Vordergrund. Deshalb weiß Cramer auch, dass Radtourismus nicht nur Fahrradwege braucht, sondern auch touristische Ziele, Unterkünfte und Verpflegungsgelegenheiten. All diese haben ihrerseits die eben genannten Ausschilderungen nötig. Nicht zuletzt muss die Eisenbahn Mitnahmemöglichkeiten für Fahrräder bieten, denn auf manchen Strecken nehmen Radfahrer auch den Zugverkehr in Anspruch. Konferenzen dieser Art sieht Michael Cramer auf jeden Fall effizient, auch wenn dabei oft mehr Bestandsaufnahme geschieht. „Es ist doch allein schon für künftige Strategien wichtig rüber zu bringen, dass ein Radtourist außer der Übernachtung pro Tag 35 Euro ausgibt, der Reisende mit dem Wagen dafür nur zehn Euro aufwendet“.

Aus einem Mangel heraus hat Sergio Morariu eine Veranstaltung organisiert, die sich gerade das zunutze macht, was für die Entwicklung des traditionellen Tourismus eine Hürde ist: fehlende Infrastruktur. Seit 1997 veranstaltet die EnduRoMania-Stiftung gleichnamige Fahrten für ausländische Touristen, die vor Allem auf ihren Motorrädern, aber auch auf anderen Gefährten den Kreis Karasch-Severin bereisen. Aus nahezu 20 Ländern nahmen bisher Motorsporttouristen teil. 

Den Aktiv-, Sport- und Abenteuertourismus gibt es offiziell seit sechs Jahren im Verwaltungskreis Karasch-Severin. 2010 wurde ein Tourismusführer mit Fokus auf dieses Segment herausgebracht. Trotzdem entwickle sich dieser Bereich suboptimal, behauptet Sergio Morariu. Eine veraltete Mentalität, genauso wie eine überholte Gesetzgebung, aber auch fehlender politischer Wille und übertriebene Bürokratie seien Grund dafür. Dazu käme, dass EU-Programme nicht den Gegebenheiten und dem Spezifikum im jeweiligen Land bzw. im Tourismus Rechnung tragen. Im Kreis Karasch-Severin gibt es – so der EnduRoMania-Leiter Morariu - überdimensionierte Naturschutzgebiete, die sich vor Allem durch fehlende Managementstrategien und Mangel an kohärenten Entwicklungsprogrammen auszeichnen, „was dazu geführt hat, dass der Tourismus eingeschränkt wurde, statt diesen zu fördern“.

 

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