„Wä? ich síl net sachsesch rieden …“

Siebenbürgisch-Sächsisch-Wettbewerb fand in Michelsberg statt

Donnerstag, 30. August 2018

Die drei Teilnehmerinnen in der mittleren Alterskategorie – Petra, Anna und Juliane Henning (v.l.n.r) – mit Daniel Plier, der die Siegerurkunden überreichte.

Michelsberg - In der Michelsberger Kirche war Anfang August wieder die siebenbürgisch-sächsische Mundart zu hören. Knapp zwei Dutzend Teilnehmer stellten sich dem vierten Siebenbürgisch-Sächsischen Sprachwettbewerb und bewiesen ihr Können in den Gebieten Wortschatz, Aussprache und Tradition. In drei Altersgruppen – Kinder (bis 14 Jahre), Jugendliche (15–35) und Erwachsene (ab 36) – galt es die Fragen von Dr. Sigrid Haldenwang zu beantworten, die seit fast 50 Jahren am Siebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuch arbeitet und sich wie kaum eine andere im Wortschatz und den Dialekten der Mundart auskennt.
Zur Einführung in den Wettbewerb sprach Dr. Stefan Cosoroab˛ zur „Sächsischen Diaspora außerhalb Siebenbürgens in den letzten 500 Jahren“. Bereits früh überschritten die Kolonisten auch die Karpaten in östlicher und südlicher Richtung, da die ungarischen Könige ihre Herrschaft auch in die Walachei und die Moldau ausdehnen wollten. Bei der Gründung von Langenau/Câmpulung-Muscel waren Siebenbürger Sachsen entscheidend beteiligt. In einer Schrift aus dem Jahr 1640 heißt es: „Diese Stadt liegt an der Grenze Siebenbürgens und ihre Bewohner sind altkatholische Siebenbürger, die sich hier wegen der Fruchtbarkeit des Bodens niederließen.“ Ursprünglich repräsentierten die Sachsen 20 Prozent der Stadtbevölkerung. Doch die Gegenreformation zerstörte die Verbindung zwischen den Sachsen in Siebenbürgen und den Sachsen in Langenau. Diese Bindung war zuvor wesentlich für die Bewahrung der deutschen Identität. Eine Quelle aus dem 17. Jahrhundert zeigt, dass die Sachsen in Siebenbürgen jene in Langenau nicht mehr als Sachsen betrachteten, da sie die zwei fundamentalen Elemente der sächsischen Identität verloren hatten - die Sprache und die Konfession. Weitere sächsische Diaspora-Gemeinden fanden sich auch in Moldenmarkt/Baia oder Rümnick/Râmnicu Vâlcea. Dementsprechend ist die geflügelte Wendung „Von Brooß bis Draas“ eine verkürzte, moderne Zusammenfassung der sächsischen Siedlungsgeschichte, erklärte Cosoroab˛.
Den Sprachwettbewerb eröffneten im Anschluss die beiden jüngsten Teilnehmer, Thomas Kattesch und Simon Tartler. Sie hatten unter anderem den standarddeutschen Satz „Großmutter, soll ich dir die Brille bringen?“ - grissmoter soal ich der den ujeschpäjel brängen? - in die Mundart zu übersetzen, sächsische Sätze mit bestimmten Begriffen zu bilden sowie die Bedeutung sächsischer Sprichwörter zu erklären. Schlussendlich konnten die Juroren aller-dings keinen objektiven Sieger ermitteln, sodass beide Teilnehmer mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurden. Von den erwachsenen Teilnehmern über 35 Jahren wollte Sigrid Haldenwang zunächst drei sächsische Wörter wissen, welche die Tüchtigkeit des Mannes beschreiben. Dabei waren mit Hermannstädterisch, Michelsbergisch und „Kauderwelsch“ die verschiedensten Dialekte vertreten. Auch die Erwachsenen hatten mehrere Redewendungen zu erklären und Sätze mit bestimmten Wörtern zu bilden. Während die Teilnehmer über den Fragen grübelten, stimmte Rosi Müller verschiedenste Volkslieder an.
Nach dem Mittagessen und der Preisverleihung - in der mittleren Alterskategorie gewann Petra Henning und bei den über 35-Jährigen Rosemarie Chrestels aus Neustadt bei Kronstadt/Cristian vor Irmentraud Philippi und Franz Kattesch, dem einzigen männlichen Teilnehmer in dieser Kategorie - las der luxemburgische Honorarkonsul Daniel Plier verschiedene literarische Texte aus Luxemburg.

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