Wagner mit Vortrag oder umgekehrt

Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturzentrums Kronstadt

Donnerstag, 28. November 2013

Professor Doktor Helmut Reuter (rechts) unterhielt sich nach seinem Vortrag mit einigen der Zuhörer, im Bild, Eckhard Schlandt (links)

Ana-Marija Markovina, am Klavier im Festsaal der „Tudor Ciortea“ Musikschule
Fotos: Hans Butmaloiu

Plakat und Flyer des Deutschen Kulturzentrums Kronstadt kündigten für den vergangenen Freitag einen Klavierabend im Rahmen des Wagner-Jahres 2013 und einen Vortrag über das menschliche Gehirn an, was wohl die meisten Besucher dazu veranlasste, sich eher auf einen Klavierabend einzustellen als auf den Vortrag, der sie erwartete. Andererseits wäre dieser ohne den beiden Klaviereinlagen unvorstellbar gewesen.

Doch der Reihe nach: Nach einer einführenden Paraphrase über „Die Meistersinger von Nürnberg“ von Hugo Wolf in vollendeter Interpretation der Pianistin Ana-Marija Markovina, ergriff Professor Doktor Helmut Reuter das Wort... und fesselte das Publikum.

Ausgehend von den von Richard Wagner benutzten Quellen, Sagen und Mythen über Tristan, die Nibelungen oder Parsifal, welche durch seine Verarbeitung in musikalische Kunstwerke umgesetzt wurden, erläuterte Professor Reuter die  Wirkmechanismen die im Gehirn der Zuhörer Gefühle, Empfindungen und Wahrnehmungen auslösen. Richard Wagner konnte zu seiner Zeit nichts von den Abläufen wissen, welche von den Schallwellen über die Ohren in die rechte Gehirnhälfte gelangen, die sie als „Musik“ entschlüsseln und die uns begeistern.

Es ist eine Entdeckung der Neurowissenschaft, dass das Erleben von Kunstwerken und Musikstücken auf einem komplexen Wechselspiel zwischen Sinnesempfindungen (Hören und Sehen), Empfindungen und Gefühlen (Limbisches System) und Verstandeskontrolle (Frontalkortex) beruht. Jede Empfindung, welcher wir ausgesetzt sind und welche in unserem Gehirn, wo sich alles abspielt, Gefühle auslöst, hinterlässt jedoch Spuren und vor allem Entwicklungen und einen Aufbau. Auf diesen Aufbau, der aus einer Veränderung im Gehirn besteht, setzte Professor Reuter den Schwerpunkt, denn, frei zitiert: „Entgegen der geläufigen Meinung, nicht nur dass die Gehirnzellen die  der Mensch besitzt, nicht absterben, nein, es bilden sich neue hinzu, es entstehen Änderungen und Erweiterungen.“ Diese Abläufe fanden im Gehirn von Wagner statt, als er sein Werk schuf und setzen sich damals in allen Gehirnen fort welche dieses Werk wahrnahmen, kann geschlussfolgert werden. Zwar ist es nicht unbedingt eine Neuigkeit, dass wir Menschen durch Aufnahme unser Gehirn aufbauen, es jedoch anhand von Musik so zu verdeutlichen, ist eine besondere Leistung.

Und um die Theorie mit der Praxis zu verbinden und den Zuhörern eine weitere Sinneserweiterung zu ermöglichen, spielte Ana-Marija Markovina von Hugo Wolf eine „Paraphrase über die Walküre“.  

Ana-Marija Markovina ist gebürtige Kroatin, studierte Musik in Berlin, Wien und Weimar. Sie lebt in Köln und konzertierte in über 40 Ländern.

Professor Doktor Helmut Reuter ist in Köln geboren, war in der universitären Forschung, Psychiatrie, Psychotherapie und Lebensberatung tätig und wurde 1995 außerplanmäßiger Professor an der Bremer Universität. 2004 gründete er das Institut für Bildung und Kultur (IfBK) GmbH mit Sitz in Königswinter. Dessen Arbeit „umfasst sowohl Weiterbildungsangebote als auch Projekte im Bereich der konzertanten Musik, wie auch die Musikpsychologie eines meiner vorrangigen Forschungsgebiete ist“, gibt Professor Reuter auf seiner Homepage an, wo er über sich selbst hinzufügt: „Mein Hauptinteresse gilt allen Fragen, die mit der Entwicklung der Psychologie als Erkenntnisinstrument für das Erleben, Verhalten und die kulturelle Identität der Individuen zu tun haben.“

Für die Besucher des Klavierabends mit Vortrag war es mit Sicherheit eine Erkenntniserweiterung, was auch die vielen Fragen beweisen, welche ihm nachträglich noch gestellt wurden und auf welche er bereitwillig antwortete.

Kommentare zu diesem Artikel

Elisabeth, 11.06 2015, 22:45
Hallo Helmut:
bin derzeit in Koeln, demnaechst wieder in Freetown, Sierra Leone.
Hast Du die Anschrift von Gisela Pohl???
Habe meinem Mann von ihr erzaehlt.
Gruss Liesel

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