Wahlheimat für junge Deutsche

Jasmin Kohlen lebt und studiert in Temeswar

Mittwoch, 20. April 2016

Jasmin Kohlen: „Trotz meinem deutschen Namen, deutschen Vater und deutscher Staatsbürgerschaft, war ich in Deutschland immer die Rumänin“.
Foto: privat

Jugendliche aus Rumänien wollen im Ausland studieren. Sie stellen sich dann das Idealleben irgendwo anders vor - Deutschland, England oder Frankreich, bloß nicht in Rumänien. Manchmal passiert es aber auch umgekehrt. Junge Leute kommen nach Rumänien und wollen hier leben und studieren. Jasmin Kohlen ist einer dieser jungen Menschen, die Deutschland hinter sich ließen und Rumänien als neues Zuhause umarmen.

„Ich muss zugeben: Hier fühle ich mich wohl und richtig Zuhause und stelle mir das Leben in Deutschland gar nicht mehr vor“, sagt die 19-Jährige. Jasmin wurde 1996 in Deutschland in einer gemischten Familie geboren - der Vater Halb-Schwabe, die Mutter Rumänin – beide aus der Temescher Ortschaft Triebswetter/Tomnatic.

Schon seit Mitte der 1990er Jahre lebte Familie Kohlen in der Nähe von Nürnberg. Ein wahres Zugehörigkeitsgefühlt zu Deutschland hatte die Familie nie richtig, erzählt Jasmin. „Zuhause redeten wir immer rumänisch. Zu Besuch kamen wir auch oft bei den hier gebliebenen Verwandten. Das Komische war, dass, obwohl ich einen deutschen Namen, einen deutschen Vater, eine deutsche Staatsbürgerschaft habe, wurde ich immer als eine Ausländerin behandelt – alles nur, weil man nicht richtig Deutsch ist“, erzählt Jasmin enttäuscht. „Nun bin ich hier die Deutsche“, sagt die junge Frau lächelnd und fährt sich die Finger durch die braune Mähne.

Für alle Probleme gibt es eine Lösung: davon ist Familie Kohlen immer überzeugt gewesen. So kam vor einigen Jahren die Entscheidung: Kurz nachdem sie die neunte Klasse einer Realschule abgeschlossen hat, packte die Familie die Koffer und zog wieder nach Rumänien.

In der zehnten Klasse schrieb sie sich in Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare ein. Dort besuchte sie eine rumänische Abteilung und musste vieles von Neuem lernen. Das rumänische Schulsystem schien ihr aber im Vergleich zum deutschen sehr leicht und etwas oberflächlich. „Was ich schade finde, ist, dass man hier in der Schule alles auswendig lernt. So kriegt man die besten Noten. In Deutschland wird mehr Wert aufs Verstehen und Mitdenken gelegt. Dort kriegt man gute Noten viel schwerer“, sagt sie. „In Deutschland befassen sich die Lehrer mit dem Thema Ausbildung, Individualität eines Schülers, worauf hier gar nicht geachtet wird. Vor allem, nachdem man hier die 12. Klasse abschließt, werden die jungen Leute immer noch als Kinder betrachtet. Gerade deswegen, weil man sie aufs Leben nicht vorbereitet“, erzählt Jasmin Kohlen mit Ernsthaftigkeit in der Stimme und wenn ihr jugendliches Aussehen es nicht verraten würde, könnte man leicht denken, von der Denkweise her, dass sie mindestens zehn Jahre älter sei.

Als Deutsche habe sie viele Werte und Stärken mit sich gebracht: Die Überpünktlichkeit, Gründlichkeit und Ernsthaftigkeit – sagt sie entschlossen. Das werde ihr im Leben und vor allem im künftigen Beruf helfen, weiß Jasmin zu schätzen. Nun studiert die junge Deutsche Jura an der West-Universität Temeswar.

Nach Deutschland zurück zu kehren? Da stellt sich im Augenblick gar nicht mehr die Frage: „Ich will nicht mehr zurück!“ sagt Jasmin Kohlen entschlossen. In Zukunft will die junge Frau in Rumänien leben und hier arbeiten. Eine Vorstellung von einer Erfolgskarriere hat sie sich bereits gemacht: „Der Job als Anwalt ist vielfältig. Ich möchte mich mit dem Zivilrecht befassen. Mit meinen Deutschkenntnissen kann ich sogar in einem deutschen Unternehmen mit rumänischer Niederlassung als Juristin arbeiten, zum Beispiel. Es gibt sehr viele Möglichkeiten“, schließt Jasmin Kohlen.

 

Kommentare zu diesem Artikel

Ottmar, 25.04 2016, 23:53
Peter danke für die Vorlage. Die Realschule ist in Bayern heute die Schule wo fachspezifische Lehrinhalte gelehrt werden. Schüler dieser Schulformen bekommen in Deutschland eine hervorragende Ausbildung in den Zweigen Technisch Naturwissenschaftlich, Kaufmännisch, Sozialpädagogisch.
Eine Absolventin des kaufmännischen Zweiges der 10.ten Klasse kann mit einer anschließenden 2-Jährigen Ausbildung zum Bankkaufmann in Bayern aufgrund ihrer hervorragenden Qualifikation Bankdirektorin oder Bankdirektor werden.
Den Technischen Zweig hast du hier beschrieben und ich kann das nur bestätigen.
In Rumänien braucht es für die Position eines Bankdirektors einen High School Abschluss mit einem anschließenden 5 Jährigen Studium an einer rum Universität zum Masterbetriebswirt. Erst dann ist dieser Mann/Frau genug ausgebildet um nach 10 Jahren Bankarbeit eine Bankfiliale zu leiten.
Dann ist er/sie 35 Jahre alt und kann in einer Rumänischen Bank nur Bankgeschäfte (Einzahlungen, Kredite, Auszahlungen) tätigen aber keine Aktien, Wertpapiere Kommunalobligationen etc.. handeln weil er/sie davon nichts versteht.
Ein Deutscher Bankkaufmann kann das bereits mit 18 Jahren weil er/sie es bereits in der Realschule bis zur 10 ten. Klasse (16 Jahre) gelernt hat
Da aber die Realschule unter dem Gymnasium angesiedelt zeigt die Qualifikation einer deutschen Ausbildung. Fazit: Meine These bestätigt, dass mit dem Abschluss der 10. Klasse Realschule ein Deutscher Absolvent mehr gebildet als ein rumänischer Master Student. Ich bewundere übrigens dieses Mädchen dass es in rumänien sich den dortigen Herausforderungen stellt.
Peter, 25.04 2016, 17:57
Ottmar mache die Realschule nicht so schlecht (weniger Qualifizierten). Mein Abschluss ist die Mittler Reife, also Realschule und von meinem Jahreseinkommen, als Konstrukteur im Maschinenbau, träumen 80% der Deutschen!!
Ottmar, 24.04 2016, 20:36
Tourist gute Ausbildung und Rumänien ist ein Widerspruch wie du dem Artikel entnehmen kannst.
Also musst du erst nach Deutschland in die Schule gehen wo du nach 9 Jahre Realschule besser qualifiziert bist als nach 12 Jahren rumänische high School. (In der Realschule gehen die weniger Qualifizierten; ist irgendwie zweiter Bildungsweg in Deutschland)
Rumänen sollten sich vom Stehlen verabschieden und die eigene Ausbildung verbessern und nicht durch Unterschleich bessere Noten erreichen.
Dazu passt auch die Sozialhilfe die Rumänen in Deutschland gewährt wird.
Siehe Link
http://www.spiegel.de/panorama/landshut-die-stadt-vermutet-sozialbetrug-in-der-drachenburg-a-1088801.htm
Tourist, 21.04 2016, 20:28
auch in Rumänien lässt es sich leben, wenn man eine gute Ausbildung hat und Sprachen kann sogar sehr gut. Das Essen ist gut, das Wetter sogar besser, kulturell ist immer was los, Wohnen ist viel billiger. Es wäre gar nicht schlecht, wenn mehr Ex- und Exil-Rumänen zurückkommen würden.

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