Waldrandschutz mittels Motorsägen

Diplomförster versus Umweltschutz-NGOs und ein paar Lektionen

Donnerstag, 16. April 2015

Selbst geschützte Wälder sind vor dem Kahlschlag nicht sicher.

Die Umweltschützer vom WWF (World Wide Fund For Nature) hatten zu Beginn der Veranstaltung in Reschitza ausdrücklich betont, sie seien an keinerlei Schuldzuweisungen wegen des im Banater Bergland anscheinend unaufhaltsamen Kahlschlags interessiert – denn daraus ergäbe sich nie eine vernünftige gegenseitige Information. Aber sie seien hochinteressiert an den Begründungen, die jede der anwesenden Institutionen, die Aufgaben im Bereich des Schutzes des Waldes und vor allem der gesetzlich geschützten Wälder wahrzunehmen hat, vorbringt. Vielleicht wecken die sogar Verständnis.

Nun, ob sie Verständnis geweckt haben – bei den anwesenden Journalisten war so etwas nicht zu verzeichnen – das möge mal dahingestellt bleiben. Aber Befremden haben einige der “Argumente“ von Romsilva und den Leitungen der Natur- und Nationalparks mit Sicherheit geweckt. Zum einen hatten alle Stellungnahmen der Wölfe im Schafspelz (anders kann man die Zwitterstellung nicht nennen, in welcher die Forstverwaltung in Rumänien per Gesetz verharrt, nämlich einerseits die Wälder profitbringend zu bewirtschaften und andrerseits die Schutzgebiete zu verwalten und diese Verwaltung auch noch aus dem Erwirtschafteten zu finanzieren) eines gemeinsam: Sie versuchten hartnäckig und dauernd, die Umweltschützer, die aus reiner Liebe zur Natur und aus Sorge um die Zukunft der Karpatenwälder immer wieder Übertretungen der Naturschutzgesetzgebung aufzeigen, als Laien darzustellen, die keine Ahnung haben vom Wald. Zum Unterschied von ihnen selber, den Vertretern von Romsilva und der Leitungen der Naturschutzgebiete (die alle aus Romsilva hervorgegangen sind), die ein Diplom als Forstwirte besitzen, also per Verbriefung Autoritäten im Forstschutz und in der Waldwirtschaft sind. Quasi: Es standen sich passionierte, aber ahnungslose Laien und hochqualifizierte Fachleute gegenüber...

Warum man Baumriesen fällt

Eine der Aussagen, die allen Ernstes vorgebracht und ohne mit der Wimper zu zucken zum Besten gegeben wurde, war, dass man mit Motorsägen jahrhundertealte Baumriesen fällen muss, um den Wald zu schützen. Und zwar dass nicht einzelne Auslichtungsschläge durchzuführen sind, sondern großflächig vorgegangen werden muss, damit die Randgebiete geschützt werden. Ähnliches hatte auch der Nationale Regiebetrieb der Wälder der Umweltministerin geantwortet, die eine ähnlich gelagerte Anfrage des DFDR-Abgeordneten Ovidiu Gan] zu beantworten hatte.

Etwas überspitzt kann die Antwort der „Forstfachleute“ so zusammengefasst werden: „Für uns, die Diplomförster, sind der Rand des Waldes und die Forste, welche die geschützten Areale umgeben, genauso wichtig wie der gesetzlich geschützte Wald, also ist es fallweise vorzuziehen, Teile des streng geschützten Waldes kahlzuschlagen, um den Rand und die umgebenden Wälder zu schützen...“

Die Folge: die Fotos und Filme der Umweltschützer, die zeigen, wie aus den Naturschutzwäldern Forsttransporte voller jahrhundertealter Buchen, Bergahorn und Eichen in die Sägewerke rund ums Semenik-Massiv gekarrt werden – und von dort in den Schwarzmeerhafen Konstanza, von wo aus das Schnittholz u. a. in die Golfstaaten verschifft wird.

Der Fachmann sieht überall Biodiversität. Fast.

Diskussionen gab es auch wieder um die Großinvestition von Transelectrica: das Transportkabel für Starkstrom, das durch den Nationalpark Semenik-Karasch-Schluchten und durch den Naturpark Nera-Quellen Richtung Serbien führt und für welche Trasse der Wissenschaftliche Beirat der Naturparks die Genehmigung verweigert, der damalige Leiter des Nationalparks Semenik - Karasch-Schluchten, Sorinel Tudorescu, aber seine genehmigende Unterschrift gegeben hat, ohne die Umgehungsvarianten, die von den Wissenschaftlichen Beiräten und von einigen Umweltschutz-NGOs vorgeschlagen wurden, überhaupt zu studieren.

Darauf direkt angesprochen, entzog sich Romsilva einer Antwort. Eine Antwort war auch gar nicht nötig, denn die Trassen sind bereits großteils abgeholzt und selbst die Spuren des Kahlschlags – abgesehen von der freien Fläche – sind beseitigt, weil auch die Baumstümpfe entfernt wurden (vielleicht auch, um nicht identifizieren zu können, wer den Markierungshammer geführt hat?). Das hat zwar, unter dem massiven Druck der Umweltschützer Tudorescu, den Leiter des Nationalparks, den Stuhl gekostet. Aber er ist fürsorglich und kaum mit materiellen Verlusten von Romsilva wieder aufgenommen worden. Das einzige, was die Romsilva-Vertreter zu diesem Vorgang zu sagen hatten: „Die Umweltschutz-NGOs, die unser Vorgehen anprangern, verfügen nicht über ausreichend Kenntnisse, um den Vorgang richtig zu beurteilen.“

Was sind vier Kilometer gegen 20?

Ausführlicher, wenn auch nicht überzeugender, war da der Leiter der Abteilung Forstschutz bei Romsilva, Mihai Dragoş: „Ich, als Forstingenieur, ziehe es vor, vier Kilometer eines Waldes zu opfern, um Platz zu machen für die Durchquerung der dort einander benachbarten Forstareale der beiden Naturparks – wenn ich nicht irre: 700 m im Nationalpark Semenik-Karasch-Schluchten und etwa vier Kilometer im Naturpark Nera-Quellen – statt der von den NGOs vorgeschlagenen Umgehungsroute, was in irgendeiner Form den Verlust von 20 Kilometer Randwäldern dieser Naturparks bedeutet hätte. Sowohl der Wald außerhalb der Parkgrenzen, als auch der Wald der Übergangszone sind ähnlich, von ihrer Struktur und ihren Elementen her. Folglich scheint mir das Opfern von 4-5 Kilometern annehmbarer als jenes von 20 Kilometer.“ Dass bis zum heutigen Tag die Grenzen zwischen den geschützten Arealen und deren Randwäldern nicht abgesteckt sind – woraus sich durch die Kahlschlagmentalität der Holzmafia weiteres Konflikt-, aber auch Schwammigkeitspotenzial, also Interpretationsmöglichkeit, ergibt – das ließen die diplomierten Forstbeamten ganz bewusst außerhalb des Gesprächs.

Auch was der Chef der Romsilva-Dienststelle für geschützte Areale im Weiteren sagte, ist durchaus aufschlussreich für die Denkart bei Romsilva: „Für all das habe ich eine sehr einfache Erklärung“, sagte Mihai Dragoş. „Viele meinen, Musterbeispiele der Biodiversität könnten bloß innerhalb geschützter Areale erhalten werden. Ich sage Ihnen aber, als Forstingenieur, der auch noch über einige Erfahrung verfügt, dass ohne Maßnahmen zur Wahrung dieser Elemente der Biodiversität auch außerhalb der streng geschützten Areale wir von keiner weitflächigen Konservierung der Natur sprechen können. Geschützte Areale sind, meiner Meinung nach, bloß Musterbeispiele der Biodiversität – wenn Sie so wollen: es sind Modellfälle – die sich mit der Zeit auswirken, auch als Managementinformation für andere Areale, außerhalb der gesetzlich geschützten.“ Anders gesagt: Macht mal nicht so viel Lärm, ihr Umweltschutz-NGOs, die Artenvielfalt geschützter Areale erhält sich nicht nur von selbst, sondern sie wirkt sich auch auf umliegende Gebiete aus.

Kommentare zu diesem Artikel

Manfred, 16.04 2015, 12:59
Dank der gnadenlosen Dummheit merkt da offensichtlich fast keiner,das man sich an´s eigene Bein pinkelt!Man bringt den Ökohaushalt durcheinander und jammert über die Resultate-da gehört eine echte grüne Partei her!
Schorsch, 16.04 2015, 09:09
Was in den rumänischen Wäldern seit 1990 dank der rumänischen Holzmafia geschieht, die eine enge Partnerin der PDSR, PSD oder wie sie jeweils grad heißt, ist schlicht ein Verbrechen. Jeder weiß es, keiner tut was.

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