Wann wurde Valentin Greff Bakfark geboren?

Sonntag, 24. Januar 2016

Die kürzlich enthüllte Gedenktafel am Rosenanger. Foto: Dieter Drotleff

Der gute Bericht von Dieter Drotleff in der KR Nr. 48/ 3. Dezember 2015 über die Einweihung einer Gedenktafel für den bekannten Lautenspieler des 16. Jahrhunderts Valentin Greff Bakfark „auss der Statt Kron“ am Hause Rosenanger Nr. 8 ist gewiß für viele Kronstädter eine Überraschung und Freude. So wird einem großen Sohn Kronstadts ein sichtbares Erinnerungszeichen gesetzt.

Die Veranstalter kennen aber offensichtlich nicht die Forschungen der letzten 40 Jahre über diese Persönlichkeit – oder nur einen Teil derselben.

Das auf der neuen Kronstädter Gedenktafel eingemeißelte Geburtsjahr 1507 von Bakfark geht auf die Abschrift einer nicht mehr vorhandenen Gedenktafel in der San-Lorenzo-Kirche in Padua zurück, wo das Alter des im Jahre 1576 verstorbenen Tonkünstlers mit LXIX (=69) Jahren und der Geburtsort als „Colonia“ (= Köln! anstatt Corona für Kronstadt) angegeben wird.

Über die ersten Jahre des Lebens von Bakfark ist nichts bekannt, die erste sichere Nachricht über ihn datiert von 1549, von früher sind keine Angaben erschlossen worden, was für ein Alter von über 40 Jahren doch auffällig ist..

Im Bakfark-Gedenkjahr 1976 widmete ich mich auf Anregung meines Freundes, des verdienstvollen Musikwissenschaftlers László Ferenc (1937 – 2010), dem Leben des Künstlers. Wenn schon der Geburtsort in der Grabinschrift irrig angegeben war, konnte auch beim Alter ein Fehler sein und der Abschreiber oder der Steinmetz hatte LXIX statt XLIX geschrieben, was ein Alter von 49 Jahren ergibt, folglich das Geburtsjahr 1527.

Dazu paßt eine Eintragung in der Kronstädter Stadtrechnung von 1536, derzufolge ein Knabe, Sohn eines Lautenspielers, an den Hof des Königs Johann Zápolya (15 26 – 1540) geschickt wurde. Dies wird bestätigt durch eine Schenkungsurkunde von 1570, wo ebenfalls gesagt wird, daß Bakfark als Knabe an den Hof des Königs Johann Zápolya kam. Das konnte aber nicht vor dem Jahre 1526 sein, als dieser noch nicht König war, sondern eben erst zehn Jahre später. Das Geburtsjahr 1507 muß demnach irrig sein und sollte richtig – oder richtiger? - 1527 sein.

Auch die KR hat seinerzeit darüber berichtet (Nr. 35/1976).

Die Bakfark-Forschung der letzten Jahrzehnte hat wenigstens zum Teil das Geburtsjahr 1527 als logisch angenommen. Es gibt allerdings aber auch noch Forscher und vor allem Nichtkenner der Forschungen, die glauben, am Geburtsjahr 1507 festhalten zu sollen, ohne jedoch die Argumente für 1527 zu kennen oder entkräften zu können.

Es wäre deshalb angebracht, wenn die Veranstalter der Bakfark-Gedenktafel die einschlägige Fachliteratur überprüfen und die Inschrift entsprechend korrigieren.
 

Kronstadt, 31. Dezember 2015
Gernot Nussbächer

Kommentare zu diesem Artikel

Wolfgang, 24.01 2016, 19:00
In der Tat: Auch Prof. Karl Teutsch vermerkt im Lexikon der Siebenbürger Sachsen das Geburtsjahr 1527

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