Warna in der kalten Jahreszeit

Tipps für einen perfekten Wintertag an der bulgarischen Schwarzmeerküste

Sonntag, 06. März 2016

Die Schwäne sind bei der Bevölkerung Warnas sehr beliebt.

Die Muttergottes-Kathedrale, ein Wahrzeichen Warnas

„Verliebte Drachen“, vom Künstler Darin Lazarov 2010 geschaffen

Kaum zu glauben, aber auch im Winter kann man am Schwarzen Meer Palmen und Sand genießen.
Fotos: Elise Wilk

Ein Wintertag im Jahr 2016. Ein starker Wind bläst durch den Primorski Park in Warna an der bulgarischen Schwarzmeerküste. Wenn man ganz aufmerksam ist, kann man auch das Rauschen der Wellen hören. Geht man dem Geräusch nach, erscheint nach kurzer Zeit eine türkisfarbene Linie, die am Horizont mit dem Himmel zusammenfließt. Das Gefühl, im Januar am Meer zu sein, ist unbeschreiblich. Ein Ausflug an die bulgarische Küste in der kalten Jahreszeit - vorausgesetzt, das Wetter ist gut - kann wie ein kleines Geschenk sein, das man sich ab und zu gönnen sollte. Wenn keine Sonnenliegen, Schirme und Strandtücher auf dem Sand liegen, ist der Strand sogar noch schöner. Warna liegt nur drei Autostunden entfernt von Bukarest und die Straßen sind in perfektem Zustand. Auch an der Grenze muss man nicht lange anstehen. Von der Grenzstadt Ruse fährt man in Richtung Shumen, von dort führt eine Autobahn bis nach Warna. Klischeehaft „Perle am Schwarzen Meer“ genannt, ist die Hafenstadt Warna nach Sofia und Plowdiw die drittgrößte Stadt Bulgariens. Außer den schönen Stränden hat die etwa 300.000 Einwohner zählende Stadt noch vieles anzubieten. Was macht man an einem Wintertag in Warna? Wer ein wenig Zeit hat, kann folgende „Zusammenstellung“ ausprobieren.

Ein Vormittag im Meerespark

Am schönsten wohnt man im Primorski Park. Auch „Meeresgarten“ (bulgarisch Morska Gradina) genannt, erstreckt sich der 26 Quadratkilometer große Park entlang der Schwarzmeerküste. Er gilt als einer der beliebtesten Aufenthaltsorte der Bevölkerung. Auf der Hauptallee, Allee der Kosmonauten genannt, hat Yuri Gagarin im Mai 1961 den ersten Baum, eine Weißtanne, gepflanzt. Aufzuwachen und das Meer zu sehen hat vor allem im Winter etwas Magisches. Man hat die Wahl zwischen mehreren Villen, die sich entlang des Meeresgartens aneinander reihen. Die „Villa Duchess“ in der Nähe des Delphinariums sieht aus, als wäre sie einem alten englischen Film entsprungen. Man könnte sich vorstellen, dass in der nächsten Sekunde Frauen in Rüschenkleidern und mit riesengroßen Hüten aus dem weißen Haus mit den großen Fenstern treten, um ihren Nachmittagstee im Garten zu genießen. Die Inhaber der Villa sind auf den Garten, wo man tatsächlich im Sommer frühstücken kann, sehr stolz. Das geht im Winter leider nicht, dafür ist der Frühstücksraum hell, elegant und sehr einladend. Bis an den Strand braucht man von der Villa „Duchess“ 15 Minuten, bis in die Altstadt etwa 40 Minuten zu Fuß durch den Park. Es gibt auch eine Busstation in der Nähe.

Morgenspaziergang am Strand und Delphinshow

Nach dem Früstück sollte man einen Strandspaziergang unternehmen. Im Park gibt es verschiedene Aussichtspunkte, wo man einen wunderschönen Blick auf das Meer genießen kann. Dort  sind auch verschiedene Outdoor-Fitnessgeräte angebracht. Viele Bewohner von Warna joggen und trainieren hier. Wenn man von den Aussichtspunkten die Treppen hinuntersteigt, gelangt man an den Strand. Ein ein- oder zweistündiger Spaziergang ist besonders an sonnigen Wintertagen ein Vergnügen. Man kann Muscheln sammeln, Sandburgen bauen, fotografieren oder einfach die Landschaft genießen. Das Schönste am Strand von Warna sind aber die vielen Schwäne, die in der Mittagszeit aus dem glitzernden Wasser kommen und sich von den Leuten füttern lassen.

Für eine Pause zwischendurch gibt es genügend Strandbars, die auch während der kalten Jahreszeit geöffnet sind. Im Cafe „Rapongi Beach“ bekommt man zu dem Espresso auch noch eine chinesische Weisheit auf einem Zettel dazu. Nach dem Strandspaziergang kann man die Treppen wieder hinauf in den Park steigen und im Delphinarium eine besondere Show genießen. Sie dauert 40 Minuten, kostet umgerechnet etwa 50 Lei (20 Leva) pro Person und schließt verschiedene Attraktionen ein: Akrobatik, Balancieren, Musik, Gesang, Tänze und Spiele mit dem Publikum. Wer Interesse hat, kann sogar mit den Delphinen in einem speziellen Pool schwimmen. Informationen gibt es auf der Homepage des Delphinariums: dolphinarium.festa.bg

Mittagessen und Bummeln in der Altstadt

Nach der Show bietet sich ein Altstadtbummel an. Am Schönsten ist es natürlich, wenn man dorthin einen Spaziergang durch den Meerespark unternimmt. Der Park endet, wo der Hafen beginnt und eine Statue mit zwei kleinen Drachen, die aufs Meer blicken, steht. Auf Sträßchen mit bunten Häusern und viel Graffiti geht es dann weiter in die Altstadt von Warna. Die Kathedrale und das Opernhaus sehen von Weitem wie riesengroße Parfümflaschen aus. In der Altstadt kann man gut zu Mittag essen. Im Lokal gegenüber vom Opernhaus gibt es Spezialitäten wie Huhn mit Zitronensauce oder mit Käsekruste überbackenen Lachs. Dazu passt ein bulgarisches „Kamenice“-Bier. Ein Mittagsessen inklusive Getränk und Kaffee kostet nicht mehr als 25 Leva (60 Lei) für zwei Personen.

Jetzt hat man genügend Energie, um die Altstadt zu erkunden. Hier finden besonders in den Sommermonaten, aber auch in der Nebensaison Events statt, die Touristen aus ganz Europa anziehen. Warna ist eine Stadt mit reichem Kulturkalender. Die Hafenstadt war einer der Kandidaten für die europäische Kulturhauptstadt 2019. Während des Jahres gibt es neben  Film-, Theater-, Jazz- und Ballettfestivals sogar eine Internationale Biennale der Grafik. Einen Winternachmittag kann man verbringen, indem man die Muttergottes-Kathedrale  (Baujahr 1896) im Zentrum oder das Archäologische Museum, wo der älteste Goldschatz der Welt aufbewahrt wird, besucht. Ein moderneres Museum ist das Retro-Museum in der Shopping-Mall, wo mehrere Oldtimer-Autos zu bewundern sind. Anschließend kann man sich auf eine Shopping-Tour begeben. Schnäppchenjäger können in der Mall wahre Schätze finden. Wer lieber authentische Sachen einkauft, findet in der Fußgängerzone in der Altstadt mehrere kleine Boutiquen mit Souvenirs und Schmuck, von bulgarischen Künstlern hergestellt.

Panorama-Meerblick zum Abendessen

Nach Einbruch der Dunkelheit bietet sich der Besuch eines Restaurants mit Panorama-Meerblick an. Dafür eignet sich das riesige graue Hotel „Cherno More“ im Stadtzentrum bestens. Das „Panorama“-Restaurant befindet sich in der 14. Etage. Der Blick auf die Stadt, die Küste und das Schwarze Meer ist unbezahlbar. Ein Abendessen (gegrillter Lachs mit Broccoli-Sauce und ein Glas Weißwein) kostet nicht mehr als 15 Leva (umgerechnet 40 Lei). Zum Abschluss des Abends kann man einen Cocktail in der Bar Sundogs genießen. Hier sind die Wände mit Rockstar-Postern übersät, man findet alte Vinyl-Platten und eine Auswahl an interessanten Büchern auch in deutscher Sprache vor. Ein Cocktail kostet nicht mehr als 3 Leva (7 Lei), die Musik ist gut und die Bedienung besonders nett. An Wochenenden finden Konzerte statt. Wem es besonders gut gefallen hat, der kann den Inhabern eine Nachricht im Gästebuch hinterlassen. Falls man für den langen Fußweg zurück in die Unterkunft keine Lust hat, warten Taxis vor der Kathedrale. Günstiger geht nicht.

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*