Was der Bischof im Römerbrief fand

Mathias Pelger, Im Schatten der Securitate – unter der Sonne Gottes. Persönliche Auseinandersetzung und erinnernde Reflexion. Schiller Verlag Hermannstadt – Bonn

Donnerstag, 20. Juli 2017

Es ist etwas Paradoxes an diesem Buch: Der Autor will schreiben, er will aber so wenig wie möglich von sich preisgeben. Er ist ein Meschener, kam dann als junger Pfarrer nach Abtsdorf bei Agnetheln (ein Dorf mit 400 Sachsen, die er aussöhnen konnte mit 200 Zigeunern, aber ausnahmsweise ohne Rumänen). Die nächste Station war die Gemeinde Martinsberg in Kronstadt, und von 1976 bis 1989 war Mathias Pelger Stadtpfarrer in Kronstadt.

Der Autor wollte in diesem Buch eher Wissenschaft treiben, das ist schwer zu schreiben und stellenweise auch anstrengend zu lesen. Er hat in Bukarest im C.N.S.A.S.-Archiv seine Securitate-Akten durchstudiert, aber auch weitere, die sich auf die evangelische Kirche bezogen. Im Buch wird viel daraus übersetzt und zitiert, so dass sich der Leser selber ein Bild machen kann.

Mathias Pelger ist ein Pfarrer, der die Bibel außergewöhnlich ernst nimmt, sogar wörtlich. Deshalb passt hier am besten ein Bibelvers, den Bischof Friedrich Müller im Gespräch mit seinen Pfarrern anführte, wenn diese in Schwierigkeiten geraten waren. Auch zu Pfarrer Mathias Pelger sagte der Bischof an seinem 80.Geburtstag unter vier Augen: „Aus der Apostelvermahnung: Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben, scheinen Sie sich nur an den zweiten Teil, den mit den Tauben, zu halten.“

Der Bischof hatte im Römerbrief auch die Rechtfertigung gefunden, nach der man in schwerer Zeit die Kirche leiten konnte: Seid untertan der Obrigkeit, denn sie ist von Gott. Der eine oder andere Pfarrer aber meinte: Ein Teil ist vom Teufel. Das alles soll nicht bedeuten, dass Bischof Müller seine Pfarrer nicht verteidigt hätte, oder dass er beim Kultusdepartement seinen Willen nicht durchgesetzt hätte, auch im Falle von Mathias Pelger.

Die aufwändige Restaurierung des Schwarzen Kirche war unter Stadtpfarrer Albert Klein – dem späteren Bischof – begonnen worden, sie wurde unter Stadtpfarrer Mathias Pelger fortgesetzt. Fürs erste aber stockte alles: Die Direktion für Denkmalschutz war aufgelöst worden, die Steine – auch die fertig behauenen – lagen im Kirchhof. Wie sollte es weitergehen? Es konnte schließlich eine eigene Baugesellschaft gegründet werden, 1984 wurde die Innenrestaurierung abgeschlossen. Die Außenrestaurierung ging weiter, die meiste Unterstützung kam von der Evangelischen Kirche des Rheinlands. 1999 war alles einmal fertig. Die Angelegenheit ist so spannend und bedeutsam, dass ich darüber gern einmal eine extra Studie lesen würde.

22. Dezember 1989: Ein Vertreter der Demonstranten kam ins Pfarrhaus, und forderte den Stadtpfarrer auf, die Glocken der Schwarzen Kirche läuten zu lassen.
Das wollte der Pfarrer nicht: Ein Geläute von diesem Turm hätte zur Auslösung eines Blutbads führen können.
„Um der aufgebrachten Menge klar zu machen, dass wir dasselbe wollten wie sie, doch auf andere Art, ging ich dann zu den Demonstranten auf dem Rathausplatz... Es lag mir sehr viel daran, den vor Wut schäumenden Männern und Frauen zu erklären, dass das nun bald einsetzende Geläute eine Aufforderung zum Gebet und nicht zum Sturm bedeute...Der Arbeiter – offenbar eine Autorität unter seinesgleichen – schrie meine Bitte mehrfach in die Menge hinein, und als das Geläute dann einsetzte, knieten alle nieder - mir wurde später gesagt, es seien etwa 5000 Menschen gewesen – und beteten mit mir, natürlich in rumänischer Sprache.“

Der Bericht geht weiter, es handelt sich um eines der besten Zeitzeugnisse.

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