Was geschieht mit den Kronstädter Eislaufplätzen?

Neue Hoffnung für hundertjährigen Pavillon des sächsischen Eislaufvereins

Dienstag, 21. Februar 2017

Damit man bei „Agrement“ wieder eislaufen kann, muss zuerst der Konflikt zwischen Kreis- und Stadtrat gelöst werden.

Es gibt eine Hoffnung für „Olimpia“: Ion Ţiriac ist daran interessiert, die Sportanlage zu kaufen.
Fotos: Elise Wilk

Die über hundertjährige Eislauftradition in Kronstadt/Braşov scheint ein Ende gefunden zu haben. Über die Jahre haben Generationen von Kindern auf den Winter gewartet, um unter freiem Himmel eislaufen zu können. Jetzt gibt es im Stadtzentrum keinen einzigen Eislaufplatz mehr. Vor nur zwei Jahren standen den Kronstädtern gleich zwei zur Verfügung, die fünf Gehminuten voneinan-der entfernt waren: der Eislaufplatz der Olimpia-Sportanlage und der Eislaufplatz auf der Promenade unter der Zinne, beim „Agrement“-Sportkomplex.

„Olimpia“ hat im Jahr 2015 geschlossen. Im Dezember 2016 öffnete auch der Eislaufplatz „Agrement“ nicht mehr. Wenn man im Winter einen Spaziergang unter der Zinne macht, fühlt man sich wie in einem Gruselfilm – beißende Kälte, kahle Bäume, viel Schnee und eine unangenehme Stille. Man trifft kaum einen Menschen. Früher hatte man hier Musik und fröhliche Stimmen gehört. Dort, wo sich im Winter Hunderte von Leuten auf der Eisschicht tummelten, herrscht nun Ruhe.

Besonders bei „Agrement“ machte Eislaufen Spaß, weil man eine wunderschöne Panorama-Aussicht auf die Stadt genießen konnte: Man gleitete mit Schlittschuhen vorbei an der Schwarzen Kirche, dem Rathausplatz, dem Weißen und dem Schwarzen Turm.

Bei „Olimpia“, in der Nähe der Weberbastei, steht der ehemalige Eislauf-Pavillion, ein wunderschönes Gebäude mit einer wertvollen Holzstruktur, dessen Errichtung Ende des 19. Jahrhunderts dem sächsischen Kronstädter Eislaufverein zu verdanken ist. Heute steht das Gebäude dem Zerfall nahe. Es bedarf dringender Sanierungsarbeiten. Die Tennis-Sandplätze und der ehemalige Eislaufplatz stehen zurzeit verlassen und vernachlässigt da, nachdem mehrere Versuche der Kreisratsverwaltung zur Verpachtung gescheitert sind, weil sich zu den angebotenen Mietpreisen keine Interessenten gemeldet hatten. Dasselbe Schicksal hatte auch „Agrement“. Beide Sportanlagen werden vom Kronstädter Kreisrat verwaltet. Dem Dauerstreit zwischen Stadt- und Kreisverwaltung sind auch die zwei Eislaufplätze zum Opfer gefallen.
 

Konflikte zwischen Stadt-und Kreisverwaltung

Im Herbst 2015 wurde der Komplex „Agrement“ unter der Zinne, in dem ein Schwimmbad, eine Sauna, ein Fitness-Saal, eine Bowling-Arena und eine Bar untergebracht sind, geschlossen. Die dem Kronstädter Kreisrat unterordnete GmbH Consilprest, die den Komplex verwaltete, wollte durch diese Maßnahme die negative Bilanz der Einrichtung in Grenzen halten. 11 Mitarbeitern wurde gekündigt. Betroffen waren besonders Kinder, die hier Schwimmkurse besuchten, sowie die Kronstädter, die regelmäßig bei „Agrement“ zu einem niedrigen Preis schwimmen gingen. Für die Rettung des Komplexes wurden verschiedene Lösungen vorgeschlagen: vermieten, sanieren, in ein Krankenhaus verwandeln. Jedoch nichts davon ist passiert und dem Gebäude droht der Verfall.

Adrian Gabor, stellvertretender Vorsitzender des Kronstädter Kreisrates, meint, dass man seit einem Jahr vergeblich nach einem Mieter sucht. Anscheinend ist niemand daran interessiert, das Gebäude zu mieten. Der Eislaufplatz blieb noch im Winter 2015/2016 geöffnet und war relativ gut besucht. In diesem Winter gab es oft Temperaturen unter Null Grad. Die Bedingungen wären perfekt gewesen. Trotzdem öffnete der Eislaufplatz bei Agrement nicht mehr. Und das auch wegen eines Konflikts mit dem Bürgermeisteramt. Der Boden unter dem Eislaufplatz gehört der Stadtverwaltung. Laut Adrian Gabor, dem stellvertretenden Leiter des Kronstädter Kreisrates, könnte es sein, dass der Eislaufplatz „Agrement“ im nächsten Jahr seine Pforten wieder öffnet. „Bei ‘Agrement’ ist es möglich, jedoch im Fall von Olympia ist es eher unwahrscheinlich, da es hier keine Eisanlage mehr gibt. Bei ‘Agrement’ gibt es die Anlage noch, aber hier müssen wir zuerst mit dem Bürgermeisteramt zu einer Einigung kommen“, meint Gabor.

Vor einer Woche kam eine gute Nachricht: Die Ion-Ţiriac-Stiftung hat ihr Interesse gezeigt, die Olympia-Sportanlage vom Kronstädter Kreisrat zu kaufen. Der Vorsitzende des Kreisrates, Adrian Veştea, hatte vor Kurzem ein Treffen mit dem Unternehmer Ţiriac. Veştea unterstrich die Bereitschaft seitens des Kreisrates, eine legale und transparente Lösung zu finden, um diese traditionsreiche Sportanlage entsprechend ihrem Ruf zu nutzen. Vielleicht wird auch der Eislaufplatz wieder geöffnet.
 

Alternativen in der Schulerau und im Tractoru-Viertel

Bis dahin stehen den Kronstädtern, die eislaufen wollen, drei Alternativen zur Verfügung – jedoch sind sie nicht so schön wie im Zentrum. Es gibt zwei geschlossene Hallen: das olympische Kunsteisstadion im Tractorul-Park und der Eislaufplatz in der Schulerau. Beide wurden speziell für das Europäische Winterfestival der Jugend 2013 gebaut. Das Eisstadion im Tractorul-Park hinter dem Bahnhof hat entsprechend olympische Dimensionen (60 x 30 m) und ist das einzige dieser Art im Lande. Wenn nicht gerade die Hockey-Mannschaft „Corona Wolves“ trainiert oder ein Eishockey-Spiel stattfindet, kann man hier Eislaufen. Eine Eintrittskarte kostet 10 Lei, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Man kann auch ein Abo für 80 Lei kaufen, dafür erhält man 10 Eintritte. Mehr Infos unter www.dstbv. ro/patinoarul-olimpic-brasov. Wer einen Ausflug in die Schulerau macht, kann auch hier Schlittschuh laufen. Im Jahr 2012 wurde der alte Eislaufplatz modernisiert und überbaut, um den Eisläufern entsprechende Voraussetzungen beim Training für das Europäische Olympische Winterfestival der Jugend zu schaffen. Hier beträgt der Eintrittspreis 10 Lei, das Mieten eines Schlittschuhpaares kostet 15 Lei für Erwachsene und 10 Lei für Kinder. Der Eislaufplatz ist von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 21 Uhr offen. Eine Tour dauert wie überall 90 Minuten.

Ein kleinerer Eislaufplatz wurde im Dezember 2016 neben dem „Coresi“-Einkaufszentrum eröffnet. Hier beträgt der Eintrittspreis 20 Lei für Erwachsene, 10 für Kinder.

Kommentare zu diesem Artikel

Thomas, 22.02 2017, 11:44
So ist er - der reale funktionierende Kapitalismus.

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*