Was ist gut an Kronstadt und was sollte besser werden?

Zwei Umfragen, die für die Kulturstrategie gedacht waren

Montag, 14. März 2016

Neuer Kinderspielplatz im Burggrund-Viertel

Dicht gedrängte neue Wohnblocks – trotzdem bleibt die Wohnungsnachfrage bestehen.
Fotos: der Verfasser

Kronstadt/Braşov hat im Vorjahr zwei Niederlagen einstecken müssen: eine auf internationaler Ebene – es hat die Bewerbung als Austragungsort der olympischen Jugend-Weltwinterspiele gegen das viel bekanntere und reichere Lausanne verloren – und eine auf nationaler Ebene: Die Stadt am Fuße der Zinne schaffte es nicht, auf die Kurzliste der rumänischen Kandidatenstädte für den Titel der europäischen Kulturhauptstadt 2021 zu gelangen. Vor allem die kulturelle Seite dieser Vergleiche stellte eine Enttäuschung für die Behörden, Vereine, Stiftungen im Bereich Kultur, aber auch für die Kulturschaffenden und Kulturliebhaber dar. Nun müsste es heißen, aus den Fehlern lernen, umdenken, Kulturmanagement ernster nehmen.

In der vom Bürgermeisteramt erarbeiteten Kultur-Entwicklungsstrategie für Kronstadt für die Zeitspanne 2015 – 2030 (die allerdings vor dem Ausscheiden Kronstadts aus dem Rennen um die europäische Kulturhauptstadt entstand) sind einige interessante Ergebnisse von Umfragen unter den Kronstädtern in Bezug auf die Stadt und ihre Erwartungen angeführt. Jene über den Kulturbedarf und -konsum wurden bereits in der ADZ ausführlich vorgestellt. Deshalb geht es diesmal um Umfragen betreffend die Lebensqualität in der Stadt und ihre Attraktivität für die Einwohner. Die Antworten der Umfragen wurden nach Altersgruppen (18 – 34, 35 – 49, 50 – 64 und über 65 Jahre) zusammengefasst, wobei die Beteiligten die verschiedenen Aussagen auf einer Skala von 1 (= überhaupt nicht einverstanden) bis 7 (= total einverstanden) bewerteten. Bei der Berechnung des Durchschnitts wurden jene ausgeschlossen, die nicht antworten wollten/konnten.

Sauber, aber recht teuer fürs Wohnen

Den höchsten Grad an Zustimmung (rund 6) bei allen Altersgruppen erhielt die Aussage, dass Kronstadt eine saubere Stadt sei. Auch mit der Luftqualität und dem Lärmpegel stimme es in Kronstadt. Gründe für solch positive Aussagen dürften nicht allein die Bemühungen der Stadtverwaltung sein, sondern auch die günstige natürliche Lage Kronstadts und des von Bergen umgebenen Burzenlandes. Interessant in diesem Kontext ist der Verweis auf das Freizeitverhalten der Bevölkerung. Das Angebot an Ausflugsmöglichkeiten ist groß, immer mehr Kronstädter steigen gelegentlich aufs Rad um, sportliche Tätigkeiten (auch Wintersport) haben Tradition und bleiben beliebt. Das stelle eine Konkurrenz zum Kulturangebot dar, heißt es in dieser Studie. Kronstädter bevorzugen Aktivitäten und Veranstaltungen im Freien. Dabei kann man leichter bestimmen, wie, wann und wo man seine Freizeit verbringt. Es sei auch billiger und oft bleibe man eher unter sich – unter Freunden oder in der Familie. Wohl auch deshalb wird Kronstadt als Stadt anerkannt, in der man sich nie langweile. Mit dieser Behauptung sind die Ältesten am meisten (5,75), die Jüngsten (5,24) weniger einverstanden. Dass Kronstadt eine junge Stadt sei, in der viele Jugendliche leben, glauben auch überraschend viele. Denn auch in Kronstadt ist, statistisch gesehen, keine Verjüngung der Bevölkerung festzustellen. Aber vielleicht fühlen sich die meisten jung oder wollen, zumindest im Geiste, jung bleiben.

Nicht so gut steht es, wenn es um die Zukunftsperspektiven der jungen Leute geht. Der Aussage, in Kronstadt finde man leicht einen Arbeitsplatz, stimmt man zu, aber zögernd – auf der genannten Skala gibt es dafür Durchschnittswerte zwischen 3,94 (35-49 Jahre) und 4,26 (über 65 Jahre). Eine nur wenig höhere Zustimmung gibt es für die Behauptung, dass Jugendliche nach ihrer Ausbildung in Kronstadt bleiben wollen. Die Jugendlichen selber sind davon am meisten überzeugt und sind wohl auch dank ihrer Jugend optimistisch, wenn es um das Wachstumspotenzial der Stadt und der Region geht. Gut unter den Wert 4 gelangt man, wenn es sich um die Mietmöglichkeiten handelt. Noch schlechter steht es, wenn man sagt, die Wohnungen sind für junge Leute erschwinglich. Davon sind noch die Rentner am leichtesten zu überzeugen – wohl weil sie ihre Renten als klein gegenüber der Entlohnung auch junger Arbeitnehmer empfinden.

Interessant ist, dass der Großteil der Befragten meint, Kronstadt sei eine Stadt, in der man den meisten Mitbürgern vertrauen kann, was gewiss in der Einschätzung der Lebensqualität auch eine Rolle spielt. Dabei wird in der Studie an anderer Stelle vermerkt, dass manche Gemeinschaften (nationale Minderheiten, Berufsgruppen) zahlenmäßig in den Stadtteilen abnehmen oder verschwinden – sei es durch Auswanderung oder Auflösung der einstigen sozialistischen Großbetriebe. Auch ansonsten werden die Kronstädter eher als heterogene Bevölkerung, was ihre Herkunft betrifft, eingestuft. Das dürfte sowohl Vorteile bringen, wenn man an den Kulturmarkt denkt, aber auch Probleme bereiten, weil verschiedene Interessen nicht leicht auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen sind. Mehr Öffnung gegenüber den Mitbewohnern, eine zukunftsorientierte Denkweise seien wünschenswert.

Die ärztliche Betreuung hinkt nach

Nicht überraschend ist es, wenn man die Befragungsergebnisse zur Umwelt kennt, dass die Kronstädter in Sachen Lebensqualität zufrieden mit den Grünflächen und Parks in der Stadt sind. Da kommt man auf Werte von 5,7 und 5,8, obwohl manche Parks, oder Teile davon, sowie Grünflächen in den letzten Jahren aus verschiedenen Überlegungen heraus verschwunden sind. Der größte Stadtteil, Astra, hat keinen richtigen Park. Dafür sind zwischen den Blocks nicht nur Pkw-Parkplätze eingerichtet worden, sondern auch Spielflächen für Kinder, die als eine Art von Parkersatz dienen. Die Kronstädter wünschen sich – mit einem kleinen Unterschied, aber dennoch – mehr Vergünstigungen für Sport und Tätigkeiten im Freien als für kulturelle Tätigkeiten (Besuch von Museen und Bibliotheken u. a.). Am öffentlichen Verkehr und am Nahverkehr hat man, wie auch am Straßenzustand, eigentlich nicht viel auszusetzen (Zufriedensheitswerte um 5). Verbesserungen im Bildungswesen wünschen sich eher die jüngeren der vier Altersgruppen als die älteren (4,5 und 4,6 gegenüber 5,0). Schlechter bestellt ist es um die sozialen Hilfsleistungen, wobei, überraschend, die Jüngeren dieses Thema kritischer betrachten als die Älteren, die eher darauf angewiesen sein müssten.

Noch ein Grad unzufriedener ist man allgemein mit der ärztlichen Betreuung in Krankenhäusern und Ambulatorien. Da sind mit Bewertungen zwischen 3,9 und 4,1 die geringsten Durchschnittswerte überhaupt zu verzeichnen. Besser steht es um die Bürgersicherheit. Kronstadt scheint als Stadt ohne besondere Probleme in diesem Bereich zu sein. Weil die Umfrage auf Kultur ausgerichtet war, kommen noch einige spezifische Fragen hinzu. Sie betreffen die Vielfalt der Kulturveranstaltungen und das Preisniveau der Eintrittskarten. Letzteres wird als akzeptabel (Durchschnitte um 5) betrachtet; die Vielfalt wird etwas mehr gelobt, obwohl an anderer Stelle auch vermerkt wird, dass sich manche Veranstaltungen wiederholen und dass wohl was Neues begrüßt werden würde. Keine großen Unterschiede gibt es, wenn der Zustand der Gebäude im historischen Zentrum und der Immobilien in den anderen Stadtteilen verglichen wird.

Beide Male liegen die Werte zwischen 4,6 und 5,0, wobei die Rentner Probleme beim äußeren Erscheinungsbild mancher Häuser eher zu akzeptieren scheinen. Kulturveranstaltungen in den Randvierteln sind erwünscht. Davon gibt es zu wenige, meinen vor allem die jüngeren Generationen. Die Innere Stadt hat bekanntlich Museen, alte Kirchen, historische Sehenswürdigkeiten, öffentliche Plätze, das Redoute-Kulturzentrum, Theater. Fürs Tractorul-Viertel gibt es die Coresi-Mall mit ihren Kinos. Ehemalige Industriegelände könnten da als „multifunktionale kulturelle Gelände“ umfunktioniert werden, lautet der Vorschlag der Strategie-Entwickler. Street-Art, Straßenkunst, ist gefragt. Kulturveranstaltungen sollten die Leute zusammenbringen, ihnen ihre Stadt näher bringen, sodass sie sich mehr und leichter mit ihr identifizieren und gerne da arbeiten und leben.

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