Was kann DNA?

Mittwoch, 05. August 2015

An dieser Stelle wurde bereits über die bemerkenswerte soziologische Studie von Dorin Bodea (&Team) zu Fragen der „Integritätskultur bei den Rumänen“ geschrieben, die zwischen 2010-2014 durchgeführt und Ende 2014 veröffentlicht wurde. Darin ist die Grundhaltung aufstiegshungriger rumänischer Beamter resümiert: „...du musst ein bisschen schwindeln, Kompromisse eingehen, die Lüge pflegen und fördern, Regeln mit Füßen treten.“ Bodea schreibt, dass auf der zehnstufigen Werteskala rumänischer Beamter Moralität und Arbeit die beiden untersten Ränge einnehmen. Und in einem Interview für TVR sagte Bodea: „...vereinfachend steht fest, dass, im Allgemeinen, acht-neun der Personen, denen wir tagtäglich begegnen, mit Konsequenz wichtige Prinzipien des Zusammenlebens nicht respektieren, Werte ignorieren, die mit Rechtschaffenheit, Wahrheitsfindung und –vertretung, Ehrlichkeit, Einhaltung von Regeln zu tun haben und die ein ausschließlich persönliches Interesse verfolgen - einfach profitgierig sind.“

Betrachtet man das medienwirksame und das Ausland überwiegend zum Beifall anregende Auftreten der Antikorruptionsbehörde DNA durch dieses Prisma, muss man im Beifall innehalten. Die Säuberung des Politikergeflechts durch die DNA erscheint als weniger erfolgreich, weil zu wenig in die Tiefe gehend und kaum mentalitätsverändernd in der Wirkung. Die Wurzel des Übels liegt in der Mentalität, auch wenn Politiker und Parlamentarier bis zur Idiotie (doch nie außerhalb der mentalitätsmäßig konsekrierten Selbstbedienungsmentalität) über die Stränge schlagen (jüngster Höhepunkt: die Forderung eines parlamentarischen Quatschsitzers, dass die Löhne der Volksvertreter nicht unter 5000 Euro liegen sollen).

Wer hofft, dass die DNA-Säuberungen den Weg freischaufelt für eine neue Politikergeneration, für saubere Parteien, der ist hiermit auf dem Holzweg. Auch wer meint, dass eine drastische Begrenzung des Diebstahls aus dem öffentlichen Vermögen und die Konfiszierung des Gestohlenen von den überführten Dieben plötzlich hunderte Kilometer Autobahnen oder Dutzende Spitäler entstehen lässt, sollte das gründlicher überdenken. So etwas gehört ins Reich der Utopie, des fehlenden Realismus´.

Die Institutionen Rumäniens funktionieren schlecht, weil sie mehrheitlich von unkompetenten Seilschafts- und Parteimitgliedern geleitet werden und die Angestellten deren Unkompetenz zum Nichtstun ausnutzen. Manche Beobachter schönfärben das als „Erstarrung in der Mittelmäßigkeit“. Was Korruption fördert, aber nicht notgedrungen geriert. Keine Institution wird durch DNA-Verhaftung ihrer Chefs über Nacht effizienter und einsatzfreudiger, wenn es bislang „auch so ging“. Niemand kann so naiv sein, zu glauben, dass, wenn die Korruption, durch ein Wunder, über Nacht verschwindet, plötzlich alle rumänischen Institutionen effizient werden.

So unbequem es klingt: die rumänische politische Klasse kann nicht durch Säuberung von Außen erneuert werden. Sie muss es von sich aus wollen.

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