Was passiert mit der Zinne?

Politische Debatte um den Hausberg der Kronstädter

Dienstag, 28. März 2017

Kronstadt/Braşov ist ohne die Zinne, dem sich über die Stadt erhebenden Berg (955 m), kaum vorzustellen. Der „Hausberg“ der Stadt, auf den man sowohl zu Fuß als auch mit der Drahtseilbahn gelangen kann, ist besonders für Touristen ein beliebter Ausflugsort, weil man von hier eine wunderschöne Panorama-Aussicht auf Kronstadt hat und besonders gelungene Fotos aufnehmen kann. Infolge einer Initiative des Kreisrats trägt die Zinne schon seit über 10 Jahren die Hollywood-Beschriftung „Braşov“, die in der Nacht leuchtet. Dank der Vielfalt der hier anzutreffenden Tier- und Pflanzenarten wurde der Berg im Jahr 2000 zum Naturschutzgebiet erklärt. Die Kronstädter sind auf ihren Hausberg stolz. Jedoch wird er nicht entsprechend seinem wahren Potenzial genutzt. Auf dem Gipfel steht die Ruine einer Gaststätte und manchmal türmt sich der von Touristen hinterlassene Müll. Auch auf der Burgpromenade, der Allee unter der Zinne, finden die Besucher keine Attraktionen mehr. Die Gaststätte „Casa Pădurarului“ ist seit ein paar Jahren geschlossen, so auch der Freizeitkomplex „Agrement“. Beiden Gebäuden droht der Verfall.

Seit einiger Zeit ist die Zinne eine Gefahr für Touristen geworden, warnen die Kronstädter Politiker. Die Alleen sind schlecht beleuchtet, es gibt nur wenige Beschriftungen und überall lauert die Gefahr, einem Bären zu begegnen. Auch verirren sich die Touristen oft und geraten in Panik. Der letzte Vorfall ereignete sich Anfang März, als sich zwei italienische Touristen an einem kalten Abend auf der Zinne verliefen und von der Salvamont gerettet wurden.
Über die Zukunft des Kronstädter Hausbergs fand vor Kurzem eine Debatte im Kronstädter Lokalrat statt. Dabei wurden mehrere theoretische Lösungen vorgeschlagen. Ob diese Lösungen auch in der Praxis funktionieren werden, ist eher fragwürdig.

Verlängerung der Betriebszeiten der Drahtseilbahn

Laut Adrian Oprică, Lokalrat seitens der PNL, stellt der Fahrplan der Drahtseilbahn, die Touristen auf die Zinne befördert, ein Problem dar. Erstens funktioniert sie in der Nebensaison eher chaotisch, zweitens fährt sie auch im Sommer nur bis 18 Uhr. „Viele Touristen wollen jedoch auch nach dieser Uhrzeit auf die Zinne steigen. Oft verirren sie sich und wählen die Notrufnummer. Das touristische Potenzial der Zinne ist auf die Dienstzeiten der Drahtseilbahn begrenzt, das bedeutet von 9 bis 18 Uhr. Das war nicht einmal vor der Wende so. Die Kronstädter können sich bestimmt erinnern, dass man früher in der Panoramic-Gaststätte zu Abend essen konnte, mit einer wunderschönen Sicht auf die Stadt“, meint Oprică. Die Renovierung und Wiedereröffnung der Gaststätte auf dem Zinnengipfel, die seit 1971 funktioniert hat und zurzeit von S.C. Aro Palace verwaltet wird, würde mit Sicherheit dazu führen, dass die Zinne besser besucht wird. Die Gaststätte wartet seit Jahren auf einen Käufer. Leider hat sich bei keiner der Auktionen, die veranstaltet wurden, ein potenzieller Käufer gemeldet. Vielleicht würde dann auch die Drahtseilbahn bis später in den Abend fahren und sich den Öffnungszeiten der Gaststätte anpassen.

Laut Oprică gehört die Schuld an der aktuellen Lage der Firma Ana Teleferic, Verwalter aller Kabeltransporteinrichtungen in Kronstadt und in der Schulerau. „Die Gruppe der PNL-Lokalräte schlägt vor, dass die Drahtseilbahn von der Stadt verwaltet werden muss. Das wäre eine Chance für den Kronstädter Tourismus. Wenn jemand nach 18 Uhr die Stadt von der Zinne bewundern will und die Wege nicht kennt oder Angst hat, bei Dunkelheit auf die Zinne zu steigen, kann er mit der Seilbahn fahren. Deren Fahrplan sollte sich bis spät abends verlängern“.
Arnold Ungar, Lokalrat seitens des Deutschen Forums, schlägt mehrere Lösungen für die Zinne vor, darunter der Übergang der Kabeltransportinstallation in das Eigentum der Stadt, die Einführung einer „Kronstadt-Card“, die den Touristen neben dem Eintritt zu mehreren Museen auch eine Fahrt mit der Kabinenbahn auf die Zinne gewähren soll, sowie die Ökologisierung der Gegend, wo sich leider häufig Müll ansammelt.

Renovierung der Gaststätte

„Die Zinne ist ein Eigentum der Stadt und wird von der Forstregie ‘Kronstadt’ verwaltet. Ebenso ist die Zinne ein Naturschutzgebiet, das sich unter Aufsicht der Agentur der Metropolregion Kronstadt befindet. Sowohl die Drahtseilbahn als auch die Ruine der Gaststätte sind Privateigentum. Die Agentur der Metropolregion könnte mit den Eigentümern eine Diskussion einleiten, um gemeinsam Lösungen zu finden. Die Drahtseilbahn sollte nach einem besseren Fahrplan funktionieren und die Gaststätte müsste dringend renoviert werden“, schlägt auch Adina Donosa, Lokalrätin seitens der PER, vor. Außerdem sollten die Kronstädter Bergretter und die Agentur der Metropolregion verschiedene Finanzierungsquellen finden, damit auf den markierten Wegen mehr touristische Wegweiser in wenigstens zwei Sprachen angebracht werden. Auch ein Beleuchtungssystem wäre auf den markierten Wegen dringend nötig.

PSD- Lokalrat Lucian Pătraşcu meint dagegen, dass zu viele Eingriffe dem Naturschutzgebiet schaden könnten. „Solange es um ein Naturschutzgebiet geht, sollte der Mensch so wenig wie möglich eingreifen. Neue Konstruktionen sollte man auf keinen Fall genehmigen. Dadurch dringt man immer mehr ins Habitat der Tiere ein. Die Bären sind da, weil der Mensch in ihr Habitat eingedrungen ist. Die Zinne ist gar nicht so unerreichbar. Es gibt vier markierte Wege, die auf den Gipfel führen“. Pătraşcu erwähnte auch das Problem der Touristen, die im Sommer mit ATVs in den Wald hineinfahren oder nach dem Picknick im Zinnensattel Müll hinterlassen. Was die Fahrtzeiten der Drahtseilbahn betrifft, meint er, dass diese sich nach den Stunden richten, an denen die meisten Touristen hinaufwollen. „Auch die Variante, dass die Stadt die Panoramic-Gaststätte kauft, sollte man diskutieren. Leider ist auch mit dem Schloss in dieser Richtung nichts passiert, und das ist kein gutes Zeichen“, meint Pătraşcu.

Die Zinnen-Codes sind verschwunden

Um die Zinne für Besucher attraktiver zu machen, wird jedes Jahr am 20. September der „Tag des Naturschutzgebietes Zinne“ gefeiert. Dazu plant die Agentur der Metropolregion verschiedene Veranstaltungen, die dem Kronstädter Hausberg gewidmet sind. Ein derartiges Projekt nahm sich vor, Besuchern mittels QR-Codes zu helfen, den Berg zu erkunden. QR Codes sind schwarz-weiße Würfelmuster, in denen sich beliebige Informationen einbetten lassen. Sie lassen sich mit Smartphones oder Tablet-PC und einer kostenlosen App lesen. Die Codes wurden in öffentlichen Verkehrsmitteln und auf den Straßen im Zentrum der Stadt angebracht. Touristen erhielten somit durch das eigene Smartphone Informationen über Bergwege und Wanderungen auf der Zinne, sowie über die Artenvielfalt des Schutzgebietes. Das Projekt hatte den Zweck, das Interesse der Touristen und Besucher für mehr Informationen über die Zinne und Kronstadt durch moderne Mittel zu wecken. Leider wurden die QR-Codes nur wenig genutzt und nach kurzer Zeit vandalisiert.

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