Wassermühlenreparatur auf Staatskosten

Anfrage von Valeria Schelean (PDL) an Premierminister

Freitag, 03. Oktober 2014

Zerstörte Wassermühle in der Gemeinde Eftimie Murgu
Foto: Agerpres

Die durch die Wolkenbrüche und Sturzbäche von Anfang September zerstörten bzw. havarierten Wassermühlen im UNESCO-Mühlenreservat von Eftimie Murgu/Rudăria im Almăj-Tal sollen mit Regierungsgeldern repariert werden. Dies der Hauptinhalt der Antwort auf eine Anfrage, die von der Karasch-Severiner PDL-Abgeordneten Valeria Schelean im Plenum der Abgeordnetenkammer an Premierminister Victor Ponta gerichtet wurde. Die Mühlen seien vor 14 Jahren auf Initiative des Hermannstädter Volkskundemuseums „Astra“ mit europäischen Mitteln generalüberholt worden, nun sei die Regierung Rumäniens gefordert, den von der Natur angerichteten Schaden an diesem Erbe wieder gutzumachen, denn „vier davon sind zerstört worden, aber keine einzige der 22 Wassermühlen funktioniert noch zur Stunde”.

Die europaweit größte Ansammlung noch in Betrieb befindlicher Wassermühlen, die am Ufer und im Flussbett des Rudăria-Baches auf einer Strecke von rund drei Kilometern stehen und die privat in einem Organisationssystem betrieben werden, das noch von der alten Organisationsweise der 1872 aufgelösten Grenzregimenter des Habsburgerreichs stammt, sind ein technisches und sozialhistorisches Relikt, das gerettet werden muss. Die Pläne der gegenwärtigen hölzernen Wassermühlen im Rudăria-Tal stammen aus Wien.
Valeria Schelean schreibt: „Herr Premierminister, wie Sie sehr wohl wissen, befindet sich im Verwaltungskreis Karasch-Severin, in Rudăria, ein einzigartiger Platz, und zwar das größte Mühlenensemble Europas, wo sich die 22 Wassermühlen, die zum UNESCO-Welterbe gehören, über drei Kilometer entlang des Bachlaufs erstrecken. Das ist nicht nur ein Grund des Stolzes für den Kreis Karasch-Severin, sondern auch für Rumänien. Zudem sind sie ein starker Impuls zur touristischen Entwicklung sowohl der Region Banat, als auch für das gesamte Land. (...)

Leider hat die Natur in diesem Jahr gnadenlos zugeschlagen und als Folge der Überschwemmungen und Stürme der letzten Zeit hat dieser Raum enorm gelitten. Die Banater Medien berichten jetzt sorgenvoll davon, dass vier der Wassermühlen zerstört und keine der 22 noch funktionsfähig ist. Schlimmer noch: Laut Aussagen der Behörden vor Ort könnten nur noch zwei der Mühlen mit Eigenmitteln repariert werden. In einem solchen Kontext fordere ich Sie auf, das Problem auf der nächsten Regierungssitzung aufzuwerfen und dort die Möglichkeit zu analysieren, für dieses Schmuckstück des UNESCO-Weltkulturerbes Unterstützungen durch das Kulturministerium zu genehmigen, und sei es aus Mitteln des Reservefonds der Regierung, denn die Lage ist unsagbar schlimm.“

Wie bereits berichtet, hat sich rund um die Wassermühlen im Bett des Rud²ria-Baches eine besondere Kultur entwickelt, die bis ins Kulinarische geht: Das Festtagsbrot der Bewohner von Eftimie Murgu/Rudăria ist knuspriges Maisbrot, das ausschließlich aus dem Maismehl gebacken wird, das in den örtlichen Wassermühlen (jede einzelne hat einen eigenen Namen) gemahlen wird. Zudem gehört es zur Tradition der Mühlennutzung, dass diese im seinerzeitigen Organisationssystem der Grenzregimenter betrieben werden, organisiert nach Zügen (ein Zug sind die Bewohner der 12-15 Häuser einer Straße, die eine Wassermühle mit Genehmigung und Programmierung durch den Verantwortlichen nutzen) und dass auch die Instandhaltung und Reparatur der Mühlen der bestehenden Nutzungsgemeinschaft unter Anführung eines Verantwortlichen (entsprechend dem früheren Zugführer im Grenzregiment) unterliegt. Nur: Nach den Zerstörungen durch das Hochwasser (der bis zu den Wassermühlen nur 12 km lange Rudăria-Bach war Anfang September bis auf fünf Meter angeschwollen) haben sich alle Nutzungsgemeinschaften vor der Gemeindeleitung außerstande erklärt, aus Eigenmitteln die Wassermühlen jemals noch in Betrieb setzen zu können, zumal bei vielen der kleinen Wassermühlen auch die Mühlsteine weggeschwemmt wurden.

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