Weiterhin Verwirrung rund um UCMR

PSD-Parlamentarier und Gewerkschafter von UCMR-Generaldirektor informiert

Mittwoch, 27. Februar 2013

Reschitza - Ohne den Kreisratspräsidenten Sorin Frunzăverde und ohne die ihm nahestehenden PNL- (bzw. Ex-PDL-)Parlamentarier gab es in Reschitza eine Beratung von Gewerkschaftern und PSD-Parlamentariern über das wirtschaftliche Schicksal des Banater Berglands. Um die Einparteiigkeit der Parlamentarier zu kaschieren, hieß es im Kommuniqué darüber, teilgenommen hätten „jene Parlamentsmitglieder, die für Reschitza verantworten“. Die Initiative dazu war von den Gewerkschaftsvertretern und von Bürgermeister Mihai Stepanescu ausgegangen, die nach wie vor äußerst besorgt sind über das Schicksal des insolventen Reschitzaer Maschinenbauwerks UCMR und vor allem über die Perspektive einer Massenentlassung, wie sie sich im Dezember mit der Entlassung von ein paar Hundert UCMR-Arbeitnehmern angekündigt hatte. Die UCMR-Leitung war bei der Beratung anwesend, die vom PSD-Abgeordneten und Chef der PSD-Kreisorganisation Karasch-Severin, Ion Mocioalcă, moderiert wurde.

Mocioalcă gab den moderaten und leicht ironischen Ton vor, der bei der Beratung herrschte, als er einleitend sagte: „Ich habe erwartet, dass ich eine Begegnung in engerem Kreis moderiere, zwischen Rathaus Reschitza, ein paar Parlamentariern und der UCMR-Leitung, also so zwischen 15 bis 16 Augenpaaren, und da habe ich mich unwillkürlich auch gefragt, wen wir denn heute gerade mal so zusammenfluchen.“ Ioan Benga, der Ex-Physiklehrer und Ex-Schulinspektor, der sich als PSD-Abgeordneter bereits in der Frage des Reschitzaer Maschinenbauwerks mit Wirtschaftsminister Varujan Vosganian zusammengesetzt hatte, wollte „die Reschitzaer“ unbedingt wissen lassen, dass sie bislang desinformiert worden seien, als man in ihren Augen aus UCMR eine Nostalgiefrage gemacht hat („Welch ein Industriegigant war das einmal...“), dass aber kein Reschitzaer „untätig zusehen wird, wenn das große Zerschneiden des Alteisens beginnt“. Außer den eingeladenen direkt Implizierten waren wenige Interessenten im Verwaltungspalais bei der Beratung anwesend. Unisono waren nur die Glückwünsche aller Anwesenden an die Gewerkschaften und an das Rathaus, diese Beratung einberufen zu haben.

Cosmin Ursoni, der Generaldirektor des Maschinenbauwerks, konzentrierte sich auf zwei Gerüchte, die in Reschitza beharrlich zirkulieren. Da er eine Art Grundsatzreferat hielt, das dann zur Diskussion gestellt wurde und dessen Text den Abgeordneten vorlag – die während der gesamten Tagung eifrig darin lasen (in Leserbriefen an die Lokalzeitung hieß es dann: „Wenn die eine Ahnung gehabt hätten davon, was im Maschinenbauwerk vor sich geht, hätten sie kein Papier vor sich gebraucht, um was sagen zu können!“) – hielt er sich nicht lange bei Dingen auf, die bereits im Dezember einmal, in Anwesenheit des gerichtlich bestellten Insolvenzverwalters, zur Sprache gebracht wurden. „Gerüchte zirkulieren in Reschitza, seit es UCMR gibt“, sagte Ursoni. „Am schlimmsten waren die Gerüchte, als im vergangenen Jahr der Versuch einer Umorganisierung vorgenommen wurde und einer Einhaltung des Unternehmenshaushalts. Nach wie vor müssen wir uns hauptsächlich auf die Kostenreduzierung konzentrieren. Daran geht nichts mehr vorbei.“ Der Bemerkung eines der PSD-Abgeordneten, dass in einem sanierten UCMR von den 4000 Arbeitnehmern vor einem Jahr nur noch 1000 Arbeit finden werden, widersprach niemand.

Unter Umständen, wo das Werk zu 99 Prozent in Abhängigkeit von Hidroelectrica steht und wo die Teil- oder Totalprivatisierung des Wasserkraftwerkebesitzers „anscheinend mit Ernsthaftigkeit“ (so ein Parlamentarier der Regierungskoalition) betrieben wird – also die Perspektiven für 2013 noch „weitgehend ungewiss“ sind (so die Meinung von UCMR-Generaldirektor Ursoni) – sei es „ein kleines Wunder“, dass UCMR 2012 mit einem Profit von rund drei Millionen Lei abgeschlossen hat. Fakt bleibe, dass UCMR in der gegenwärtigen Struktur ohne die Verträge mit Hidroelectrica nicht leben kann. Und dass die Bemühungen von UCMR, auf dem Auslandsmarkt (z.B. Türkei, Indien) Fuß zu fassen, intensiviert werden müssen.

Auf dem indischen Markt liefere man sich gegenwärtig einen heftigen Bieterkrieg mit einem chinesischen Anbieter von hydroelektischen Ausstattungen. Das bewog den Reschitzaer Blogger Petru Fuchs, eine Erinnerung ins Netz zu stellen aus Zeiten, als er selber noch in der Entwurfsabteilung von UCMR für hydroelektische Anlagen tätig war: „In den 70er-80er Jahren hat UCMR Reschitza vier 35-Megawatt-Aggregate nach China geliefert. Wir haben uns alle über zwei der Klauseln des Kaufvertrags etwas gewundert, dass nämlich alle Bestandteile der vier Aggregate untereinander austauschbar, also perfekt identisch sein müssen, und zweitens, dass alle Baupläne bis ins letzte Detail mitgeliefert werden müssen. Damals hatten wir keine Ahnung davon, wie China zur wirtschaftlichen Weltmacht aufsteigen wollte. Jetzt sieht man auch auf diesem Sektor die Folgen, und zwar sogar auf einem Markt, der China gegenüber überhaupt nicht wohlwollend eingestellt ist.“

UCMR-Generaldirektor Ursoni setzt für sein Werk große Hoffnungen auf den indischen Markt: „Unser Verhandlungspartner sucht nicht unbedingt chinesische Billigwaren und ist bereit, etwas mehr für mehr Qualität und Dauerhaftigkeit zu bezahlen. Wenn der Verhandlungspartner trotz alldem uns gegenüber „Nein“ sagen wird, dann sind wir als Werk definitiv auf der Verliererstraße.“

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