Welche Zukunftschancen hat das Forum?

Florin Albulescu bei den „Hermannstädter Gesprächen“

Samstag, 01. Juni 2013

Symbolgrafik: sxc.hu

Eine amüsante Überraschung erwartete die Hermannstädter, die dieser Tage an einer Veranstaltung im Forumssitz teilnehmen wollten. Am Ende der Stiege erwartete sie eine Anzeige mit zwei Pfeilen: rechts zu den nun schon traditionellen „Hermannstädter Gesprächen“, links zu einem außerordentlichen Barockkonzert. Handelte es sich um einen Organisationsfehler, oder wollte man die Hermannstädter auf die Probe stellen, was ihnen wichtiger sei? Für die Musikliebhaber war das Konzert ein Muss, doch viele wollten auch gerne wissen, wie sich der kompetente und beliebte Rechtsanwalt des Forums die Zukunft dieser Organisation vorstellt, denn sein Vortrag trug den Titel: „Das Deutsche Forum in das dritte Jahrzehnt“ – ein Manifest für eine intensive Teilnahme des Forums an der rumänischen Gesellschaft.

Über die Zukunft des Deutschen Forums zu sprechen, ist ein heikles Thema. Die Männer der ersten Stunde sind zwar fast alle noch da und auch einsatzbereit, doch viele bejahrt und überladen mit allen möglichen Funktionen. Aber wie lange noch? Deshalb hatte man anschließend ein Treffen mit der Nachfolgegeneration angeschlossen und dafür im letzten Augenblick 130 Briefe an junge Forumsmitglieder zwischen 30 und 50 Jahren losgeschickt. Und 15 davon waren dem Ruf gefolgt! So hatten beide Veranstaltungen ihre „Zuhörer“. Obwohl Florin Albulescu gebürtiger Rumäne ist, der ausgezeichnet deutsch spricht, ist er seit den Anfängen des Forums mit von der Partie. Er ist der „Vertrauensanwalt“ des Forums, der immer wieder einspringt, wenn juristische Hilfe gefragt ist. Er fühlt sich zum Forum gehörig und spricht von „uns“, wenn es um Forumsbelange geht.

Seine Beständigkeit beweist, dass man auch mit Rumänen gut zusammenarbeiten kann, wenn sie gewillt sind mitzumachen. Doch wie gewillt ist man, die eigenen Reihen zu öffnen? Was tut man konkret dafür?

Außer Vorschlägen eigentlich zu wenig, denn leicht ist ein Umdenken keineswegs, wenn eine hundertjährige Tradition Denken und Handeln bestimmt. Noch wurde keine Lösung gefunden, um deutschsprachige Rumänen und Bundesdeutsche, die hier leben und mitmachen wollen, legal einzubinden. Es ist wahr, das ist ein kompliziertes Problem, aber die einzige Überlebenschance des Forums.

Die nächste Generation, die mitmachen könnte, ist 3-4 Jahrzehnte jünger und stammt hauptsächlich aus Mischehen und Rückkehrern. Aber es gibt sie, wie inzwischen festgestellt wurde!
Aber zurück zu Florin Albulescu. Er sieht die Zukunft dieser Organisation in einem verstärkten Einsatz des Forums in die Landespolitik. Das Forum ist öffentlich anerkannt und landesweit geschätzt, besonders im letzten Jahrzehnt durch den Einsatz des Bürgermeisters Klaus Johannis und des Parlamentariers Ovidiu Gan]. „Das soll und muss ausgenutzt werden!“ ist die Meinung Albulescus. Man könnte „einen Dialog auf Landesebene“ starten, sich gegen die „Gleichgültigkeit oder Undurchsichtigkeit“ in der Landespolitik einsetzen, dagegen Stellung nehmen, Artikel und Berichte zu brennenden Themen veröffentlichen. Zwar gehört die ADZ zu den wenigen objektiven Landeszeitungen in Rumänien, gelangt aber kaum in die Hände rumänischer Leser. Mit Übersetzungen gehaltvoller Beiträge in der rumänischen Presse könnte dieses überbrückt werden. Wenigstens einmal im Monat sollte man Stellungsnahmen zu wichtigen Themen – wie beispielsweise Verfassung und Regionalisierung – publizieren. Der Evangelischen Akademie käme hierbei eine wichtige Rolle zu, so Albulescu. (Doch seien wir ehrlich: die EAS hat diese Rolle jahrelang innegehabt: Persönlichkeiten aus der rumänische Politik und aus Deutschland waren hier oft die Vortragenden, die Ökumene hatte endlich einen einmaligen Treffpunkt gefunden. Warum hat man diese Tradition nicht bewahrt?)
Bei der anschließenden Diskussion kam heraus: Die Ziele sind zu hoch gestellt, man braucht Zeit umzudenken. Man ist noch nicht soweit, um in der großen Politik mitzumischen. Aber die Vorschläge haben Sinn. Man muss umdenken, neue Ansätze sind gefragt, die Öffnung zur rumänischen Öffentlichkeit ist wichtig. Ein aktiver Pressesprecher sollte eingesetzt werden. Neue Leute können neue Ideen entwickeln.

Anschließend kamen die neuen Leute zu Wort. Es handelt sich um die Generation unter 40, die bislang dem Forum ferngeblieben ist, aber durch die Briefe angestachelt wurde, einmal Tuchfühlung mit dem Forum zu nehmen. Es kam zu einem ersten Kennenlernen, man wurde aufgefordert, Vorschläge und Meinungen von sich zu geben. Deshalb war die Anregung, beispielsweise einen Stammtisch zu organisieren oder gemeinsam Ausflüge zu unternehmen, ein guter Anfang.

Kommentare zu diesem Artikel

Klaus der hanseat, 03.06 2013, 18:16
Ich habe versucht im forum etwas für die deutsche kultur zu machen.Leider ist ein deutscher nicht berechtigt mitglied zu sein aber arbeiten und zahlen kann er.Es ist eine schande wie foren ausgenutzt werden um durch "berufs deutsche" profit zu erlangen.-Wer ist denn deutsch in den foren?Ein gebürtiger deutscher mit deutschem ist es nicht.Das ist zum lachen.Wie schon von Norbert angedeutet: das ganze auf den gechichtshaufen.Deutsch tümeln und noch nicht mal die sprache sprechen (von beherrschen keine rede) das ist traurig.Die ab-stauber mentalität hat mich davon getrieben und einen neu anfang sehe ich nicht.Jedenfalls nicht unter diesen bedingungen.-Da können die deutschen vereine in america ein vorbild sein aber wer soll es ausführen?Zum anderen ist die mentalität von mitgliedern die mir bekannt sind 120% rumänisch und leider nicht zum guten.
Edgar, 03.06 2013, 16:42
Die Rumänen kommen sowieso nicht, wenn sie keinen Bezug zu den Deutschen in Rumänien haben. Aber man sollte versuchen vor allem Bundesdeutsche und Österreicher, die sich in Rumänien länger aufhalten für das Forum zu gewinnen. Die deutsche Gemeinschaft in Rumänien hat auch in der Vergangenheit solche Leute ohne weiteres aufgenommen. Ein Beispiel: der Vater von Johann Lippet, ein Sudetendeutscher.
Es gibt sehr viele Bundesdeutsche und Österreicher in Rumänien, oft auch selber mit einem Vertreibungshintergrund (z.B. aus Schlesien) die sehr interessiert wären etwas Kontakt zu den einheimischen Deutschen zu kriegen.
Norbert, 02.06 2013, 21:54
Aus Deutschland gesehen,ich komme nicht aus Rumänien she ich das so.Ich las gestern einen Bericht in der Frankfurter Allgemeinen,Das man versuche wolle Mammutts die ausgestorben sind,durch gefundenes Genmaterial wieder zurück zu bringen, Das hat man schon pöfters gehört. Da kam aber ein Kommentar hinzu,den fand ich originell. Der sagt wenn man das Mammut wieder zurück klonen würde ,dann bräuchte man auch die Nahrungskette für diese Mammutts und ihre Umwelt. Der Kommentar schloß mit der Bemerkung. Das dies durch aus immer wieder mal angedacht wird .Aber was ausgestorben ist ,ist ausgestorben. Zum deutschen Forum nun. Was soll das!! wenn keine deutschen mehr dort leben die zu ihrer Heimat eine beziehung hatten. Rumänen oder irgendwelche leute die nichts mit dieser Kultur zu tun haben aufnehmen. Da ist mir ein deutsches Forum ,das in der geschichte festgehalten ist viel lieber. Als ein romanisiertes deutsches Forum . Die siebenbürger die ihr Land verlassen mußten, die die dort sind die gestorben . Sie würden sich zu tode schämen ,wenn man den inhalt ,des deutschen Forums umgestalten verwässern würde durch aufnahme von Rumänen. Dann soll das deutsche forum Stolz zeigen ,und wenn der Zeitpunkt gekommen ist ,in die Geschichte eingehen. Ein romanisiertes deutsches Forum wird nirgendswo auf der Welt ernst genommen. Dafür gibt es andere politische einrichtungen zwischen Ländern.

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