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Kreisrätin tritt PSD bei und wird wieder Schulleiterin

Freitag, 19. September 2014

Reschitza - Die Chemielehrerin Lenuţa Ciurel, die auf der jüngsten Tagung des Kreisrats Karasch-Severin bekannt gab, dass sie die PDL verlässt und der PSD beitritt, wurde einige Tage darauf vom PSD-dominierten Schulinspektorat als Direktorstellvertreterin im Wirtschaftskolleg des Banater Berglands eingesetzt. Einen Tag vorher hatte die Wirtschaftskybernetikerin Marina Spătaru auf Druck der Leitung des Schulinspektorats ihren Rücktritt als Schulleiterin an der selben Schule unterzeichnet. Marina Spătaru ist die Frau des Ex-Bürgermeisters von Reschitza, Liviu Spătaru (PNL).

Von vielen Schulleitern, die unter dem Karasch-Severiner Generalschulinspektor Nicolae Dan Grindeanu zurückgetreten sind, ist dessen Vorgangsweise bekannt: er bestellt die Schulleiter der Abschussliste zu einem Gespräch unter vier Augen und legt ihnen ein A4-Blatt vor, mit der Aufforderung, direkt in seinem Büro schnell mal ihr Rücktrittsgesuch draufzuschreiben. Damit wird formell die juristische Anforderung erfüllt, dass der Rücktritt „eine einseitige Geste des Willens des Zurücktretenden“ ist.

Lenuţa Ciurel war in der vergangenen Legislaturperiode schon einmal Direktorstellvertreterin am Wirtschaftskolleg des Banater Berglands, bis September 2012, als der damalige stellvertretende Generalschulinspektor Ioan Benga (der Schwager von Grindeanu und heutige PSD-Abgeordnete) ihr laut Ciurels damaligen Aussagen gesagt haben soll: „Meine Dame, Sie sind eine Rechte, wir sind links. Sie müssen jetzt beiseite treten!“

Wie offensichtlich, ist die Chemielehrerin nun auf der rechten – der linken – Seite und wieder zur Schulleiterin geeignet.

Zwischendurch haben im Bistratal nördlich von Karansebesch alle Bürgermeister die Seite gewechselt und sind der PSD beigetreten, indem sie vom Dringlichkeitsbeschluss der Regierung über den folgenlosen Parteiwechsel Gebrauch machten – bis auf den Bürgermeister von Glimboca, der „noch nachdenkt“ über diesen Schritt. In den Medien des Banater Berglands heißt es jetzt, die Bürgermeister des Bistratals hätten sich „rote Regenmäntel“ übergezogen. Sie waren früher alle PDL („orangefarbene Regenmäntel“) und waren im Frühjahr 2012 zur PNL („gelbe Regenmäntel“) übergetreten.

Im Großraum Karansebesch wird diese Übertrittswelle als politisches Kräftemessen zwischen dem Karansebescher Bürgermeister Ion Marcel Vela und dem ebenfalls in Karansebsch ansässigen PSD-Kreischef und -Abgeordneten Ion Mocioalcă gesehen.

Kommentare zu diesem Artikel

Sraffa, 20.09 2014, 02:40
Also, wenn dieser Bericht zutrifft, ist es ein Skandal. Grundsätzlich sind Lehrkräfte nach fachlicher Qualifikation zu bestellen, alles andere ist zweitrangig. Daß dies alles so einfach möglich scheint wird wohl darauf zurück zu führen sein daß es in Rumänien Tradition- auch in neoliberaler Zeit- ist, Posten nach Parteibüchern zu besetzen. Da haben dann neue Mafiosi natürlich leichtes Spiel.
Manfred, 19.09 2014, 21:53
Das ist Urkommunismus in Reinkultur!Das Parteibuch entscheidet über die Berufschancen,das finde ich zum Ko...n!Die Herren Bürgermeister haben nun innerhalb eines Kalenderjahres ihr 3. Parteibuch-sicher alles höchst ehrenwerte charakterfeste Leute???

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