Weniger Proteste, mehr Lobbyarbeit

Gewerkschaftskonföderation „Cartel Alfa“ wählt neuen Vorstand

Donnerstag, 12. September 2013

Reschitza - Der eloquente Oltenier Marian Apostol – er stammt aus dem südoltenischen Maglavit, wo „der einzige Mensch im 20. Jahrhundert, der mit dem Herrgott Zwiesprache gehalten hat“, Petrache Lupu, immer noch verehrt wird – ist zum Chef der Kreisorganisation Karasch-Severin der Gewerkschaftsföderation „Cartel Alfa“ gewählt worden.
Bei der Evaluierung ihrer Tätigkeit in den vergangenen Jahren meinten die anwesenden Gewerkschafter, dass es zunehmend auf „Lobbyarbeit“ und „Advocacy“ ankomme, weniger auf Protestaktionen. Lobbying und Advocacy zeigen viel eher Resultate in der Gewerkschaftsarbeit, hieß es.

Auf Wirkungen von Protesten könne man lange warten. „Es gehört zum Lehrbuch guter Praktiken, wie Cartel Alfa Karasch-Severin durch Lobbyarbeit die Diskussionen landesweit um den Schuldenerlass von Staatsunternehmen angestoßen und durch einen Gesetzeserlass zu gutem Ende geführt hat“, sagte Marian Apostol und bezog sich auf die Lehrbücher der Temeswarer „Akademie for Advocacy“, wo den Kursteilnehmern tatsächlich das Vorgehen der Karasch-Severiner empfohlen wird. „Es war das sichtbarste Resultat unserer Lobbyarbeit“, meinte der clevere Oltenier, „und davon profitierten rund 300.000 Arbeitnehmer, ob sie nun Gewerkschafter sind oder nicht, Mitglieder von Cartel Alfa – oder eben nicht. Solch weitreichende Ergebnisse von Protestaktionen – welcher Art auch immer sie waren – hat es noch nicht gegeben.“

Zudem habe man als Gewerkschaft zunehmend Probleme, die Menschen – Mitglieder einer Gewerkschaft oder nicht – zu Protesten zu mobilisieren. Die Güte der Lobbyarbeit hänge aber allein von der Cleverness der Gewerkschafter ab. Proteste seien deshalb künftig seltener zu organisieren, so die Schlussfolgerung der Reschitzaer Gewerkschafter, der auch einer der nationalen Champions von Protesten, Iancu Muhu von der Gewerkschaft „Vatra“ des Stahlwerks TMK Reschitza, zustimmte. „Trotzdem“, meinte Apostol, „auf Proteste oder zumindest die Androhung von Protesten kann nicht vollständig verzichtet werden, auch wenn die Gegenseite immer wieder mit Entlassungen wegen Beteiligung droht.“

Von der die vergangenen sieben Jahre im Amt befindlichen Cartel-Alfa-Leitung Karasch-Severin ist für die kommenden vier Jahre nur Marian Apostol im Amt wiedergewählt worden. Seine neuen Stellvertreter sind Mariana Zvarici von der Freien Unterrichtsgewerkschaft, Iancu Muhu (Vatra), Mircea Cherteş (Polizei- und Administrationsgewerkschaft), Boca Trifu (Bauarbeitergewerkschaft) und Luigi Mitroi (Gewerkschaft der Automotive-Industrie). Generalsekretär von Cartel Alfa Karasch-Severin ist Ioan Şerbia von der Gewerkschaft des Konfektionswesens und der Leichtindustrie.

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