Wenn Frauen das Sagen haben

Gehobene Frauenquote in der Kommunikation

Mittwoch, 06. März 2013

Jana Lavrits

Silvia Oprea

Mihaela Leş

Mădălina Mezdrea

Anca Balint

Carmen Uţoiu

Oana Răchitan

Daniela Seracin

Loredana Leordean

Daniela Stanciu

Frauen erobern die Chefetage in der europäischen Wirtschaft nur ganz selten. Allein schon die Postenaufteilung macht deutlich, dass europaweit nur eine von sieben Arbeitsstellen von einer Frau besetzt wird. Im weltweiten Ranking der Länder mit einer gehobenen Frauenquote in führenden Positionen befindet sich Rumänien auf Platz acht, wie eine Studie des Beratungsunternehmens Mercer aus dem Jahr 2012 deutlich macht. 34 Prozent der Führungsstellen in rumänischen Betrieben sind von Frauen besetzt, heißt es in der Erhebung, und damit liegt Rumänien hinter seinem Nachbarland Bulgarien, das mit einem Frauenanteil von 43 Prozent die zweite Stelle im EU-weiten Ranking einnimmt, nach Litauen mit 44 Prozent.

Der Medien- und PR-Bereich scheint eine der Branchen in Rumänien zu sein, in der Frauen die Oberhand ergriffen haben. Auch im Banat sind es überwiegend Frauen, die in diesen Branchen arbeiten. Die meisten davon haben allerdings einen Mann als Vorgesetzten.

Zum 8. März wollten wir von den Banater Pressesprecherinnen und -büroleiterinnen erfahren, wie schwer es denn es sei, sich in einer männerdominierten Welt zu behaupten bzw. wodurch sich gerade in diesem Beruf Frauen von Männern abheben. Rede und Antwort standen uns dafür Vertreterinnen des schönen Geschlechts, die in der Kommunalpolitik, bei der Polizei, in der Haftanstalt und bei anderen Behörden tätig sind. Die vorliegenden Seiten erstellten die BZ-Redakteure Andreea Oance, Raluca Nelepcu und Siegfried Thiel.

Eine Frau dürfe sich in einem Männerberuf keine Vorteile  erhoffen, sondern ganz einfach genauso die Arbeit verrichten, wie die Männer auch, glaubt Mădălina Mezdrea, Sprecherin der Temescher Kreispolizei. Sie gibt zu, dass es für eine Frau im Männerjob zumindest am Anfang etwas schwieriger ist, doch „man muss sich auf dich verlassen können, auch wenn du eine Frau bist“. Und weiter: „Bevor ich Sprecherin wurde, arbeitete ich in einem Kollektiv, dass zu 80 Prozent aus Männern bestand, zeitweilig waren mir 34 Männer unterstellt“, sagt Mezdrea. Die Zusammenarbeit hat gepasst: Auch heute ist die Kommunikation zwischen ihr und den ehemaligen Kollegen nicht abgerissen. Eine Frau in der Öffentlichkeitsarbeit hat ihrer Meinung nach den Vorteil, gut kommunizieren zu können und Diplomatie zu beweisen. Würde sie einen Chefposten bekleiden, käme einer guten Kommunikation mit den Mitarbeitern und den Bürgern eine wichtige Rolle zu. Wert würde sie auch auf den Abbau der Bürokratie legen. Nicht zuletzt ginge es ihr auch darum, das Bild zu verwischen, das der Polizistenclown Garcea aus der gleichnamigen Fernsehserie bei den Bürgern hinterlassen hat.


„Auch wenn wir es mit einer ´straffen Linie´ zu tun haben, die eine Uniform 

verleiht, kann ich auf ein beruflich gutes und freundliches Arbeitsklima verweisen“, sagt Mihaela Leş, Sprecherin der Temeswarer Grenzschutzdirektion. Die ehemalige Kindergärtnerin und spätere Absolventin der Fakultät für öffentliche Verwaltung hat als Polizei-Sprecherin ein neues Tätigkeitsfeld gefunden. Symbolträchtig ist es auf jeden Fall, dass sie ihren Job am 1. Januar 2007, also gleichzeitig mit dem EU-Beitritt Rumäniens, angetreten hat. Dabei nimmt sie als Leitmotiv die Aussage von Rudyard Kipling: „Worte sind die mächtigste Droge, welche die Menschheit benutzt.“ Dies bestätigt Mihaela Leş mit „mein Job füllt mich aus, ein Aspekt, der für ein ausgewogenes Leben von Bedeutung ist.“ Unter solchen Voraussetzungen ist es wohl nicht von ungefähr, wenn sie in einer Online-Umfrage von Lesern einer Internetseite für ihre Arbeit beim Arader Grenzschutz – wo sie ihre Karriere begonnen hat – als beste Sprecherin gekürt wurde. Wohl auch, weil sie versucht, sich „in die Lage ihrer Kollegen aus der Presse“ zu versetzen.

Der militärische Bereich ist zwar einer, in dem vorwiegend Männer beschäftigt sind, aber ich hatte keine Probleme, mich an das System anzupassen, sagt die ehemalige Rundfunkjournalistin Anca Balint, seit Jahren Sprecherin des Katastrophenschutzes im Banater Bergland. „Bei uns ist Teamarbeit und gegenseitige Unterstützung wichtig“, alles andere sei nebensächlich. „Wichtig ist, dass jeder seinen Aufgaben nachkommt.“ Und strikt auf die Kommunikation bezogen: „Die Medienvertreter interessiert es nicht, ob der Sprecher eine Frau oder ein Mann ist. Wichtig ist, dass er in der Lage ist, seine Institution uneingeschränkt der Situation zu vertreten“. In Notsituationen ist die Qualität der Information und die Schnelligkeit, mit der sie weitergeleitet wird, von Bedeutung, sagt Anca Balint. Was sie denn als Chefin an der Behörde, in der sie arbeitet, ändern würde? Da die Bevölkerung der Einrichtung vertraut und sie selbst an die Fähigkeiten ihrer Chefs glaubt, müsse eigentlich nichts geändert werden, „sondern einzig und allein Kontinuität ist gefragt“.

Für Jana Lavrits, Pressesprecherin des Temescher Kreisrats, ist die Medienbranche eigentlich kein männerdominiertes Umfeld. Allein in Temeswar seien Dutzende von Frauen in Führungspositionen in dieser Branche tätig. „Unabhängig davon, ob man Frau oder Mann ist, muss man als Pressesprecher einige Qualitäten aufweisen. Man muss gute Kommunikationsfähigkeiten haben, intelligent und glaubwürdig sein, aber auch einen ausgeprägten Sinn für Humor und Toleranz besitzen“, sagt Jana Lavrits. Vor allem in NGOs und Sozialeinrichtungen seien weibliche Pressesprecherinnen erwünscht, da diese oftmals mit der Einrichtung selbst gleichgestellt werden. „Frauen sind freundlich, geduldig und können der betreffenden Einrichtung ein Image-Plus bescheren“, sagt Jana Lavrits. Dieselben Eigenschaften können ihrer Meinung nach auch Männer aufweisen. Dass sie sich mit einer Frau als Chefin besser fühlen würde, das weist Jana Lavrits von der Hand. „Er oder sie muss offen für Ratschläge und allgemein sehr flexibel sein. Der Chef muss aber auch verstehen können, wie die Beziehung zur Presse funktioniert“, sagt Jana Lavrits. 


Silvia Oprea, die Leiterin der Pressestelle des Temeswarer Nahverkehrsbetriebs RATT, findet, dass sowohl Männer, als auch Frauen ihre gut definierte Rolle an den Orten des gemeinsamen Zusammenseins haben. „All meinen Respekt für die Vertreter des starken Geschlechts, die ihren Mann stehen, und für die Frauen, die in Führungspositionen mit Stolz ihren Rock tragen“, sagt Silvia Oprea. Zu den Qualitäten, die für Frauen charakteristisch sind, zählt sie die Liebe zum Detail, ohne dabei die Gesamtheit aus dem Auge zu verlieren, die guten Organisationsfähigkeiten und die Gastfreundlichkeit, die vor allem bei Ereignissen und Treffen erfolgreich eingesetzt werden. „Ich begrüße die Unterstützung meiner Männer-Kollegen in kritischen Momenten oder bei der Planung eines Image-Events, vor allem, wenn Straßenbahnen impliziert sind“, sagt die Büroleiterin. Ob Mann oder Frau: „Ich kann jenen Chef schätzen, der seine Rolle ernst nimmt, der dir ausreichende Befugnisse gibt, um dich weiterentwickeln zu können, und der die bidirektionale Kommunikation fördert. Sowohl mein aktueller, als auch mein ehemaliger Chef fallen unter diese Kategorie“, betont Silvia Oprea.

Sie sind als starke Frauen in der Männerwelt bekannt. Sie arbeiten in einem Umfeld, wo die Mehrheit Männer in Uniform bilden. Trotzdem schaffen sie es, das Klischee „Frauen – das schwache Geschlecht“ abzubauen. Eine dieser Frauen ist Daniela Seracin, die Pressesprecherin und Leiterin des Büros für Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Registratur der Lokalpolizei Temeswar. Für Daniela Seracin sei es von Vorteil, dass sie in einem männerdominiersten Umfeld arbeitet. Mit Fingerspitzengefühl, Geduld, Respekt und vor allem mit einer guten beruflichen Vorbereitung könne man sich in einer Männerwelt behaupten. „Eine Person, egal ob Mann oder Frau, kann sich karrieremäßig ständig weiterentwickeln, dafür muss er oder sie sich aber sowohl theoretisch als auch praktisch vorbereiten. Das permanente Lernen führt zur Anhäufung von Informationen“, sagt die Pressesprecherin der Temeswarer Lokalpolizei.

Wenn es um Führungspositionen geht, so weiß sie, wie es ist, auf beiden Seiten zu stehen. „Aus meiner Sicht ist es besser, einen männlichen Chef zu haben. Im Falle der Kommunalpolizei Temeswar ist die Erfahrung der jeweiligen Chefs wichtiger – egal, ob sie Männer oder Frauen sind“, sagt Daniela Seracin. „Ich hatte nie eine Chefin, war aber selber Chefin in einer gemischten Gesellschaft, jedoch in einem anderen Bereich, nämlich den Medien. Ein großer Unterschied zu meinem jetzigen Beschäftigungsfeld“, fügt sie hinzu und gibt zu, dass eine Gemeinschaft, die ausschließlich aus Frauen gebildet ist, die zusammen arbeiten müssen, meistens zu einigen Abweichungen führt.

Eine Stärke der Pressesprecherinnen sei vor allem ihr genetisches Erbe, meint Daniela Seracin, denn wie man leicht beobachten könne, haben in Rumänien viele Institutionen Frauen als Pressesprecherinnen. Diese werden meistens als diplomatische Personen mit einem pragmatischen Denken wahrgenommen und können einige Institutionen in ein besseres Licht setzen. Auch für die Pressesprecherin der Temeswarer Haftanstalt, Carmen Uţoiu, ist die Uniform nicht nur etwas für Männer. Die Unterinspektor für Haftanstalten meint, dass es für eine Frau gar nicht schwer, sondern sogar interessant sei, in einer Männerwelt zu überleben. Die Anzahl der Männer in dieser Anstalt ist auch hier deutlich höher als jene der Frauen, aber es gebe keine Diskriminierung zwischen Männern und Frauen, sondern nur Unterschiede in der beruflichen Ausbildung eines Mannes oder einer Frau. „Wir wollen nicht den Platz der Männer einnehmen. Wenn eine Frau genau so vorbereitet ist wie ein Mann, dann gibt es auch kein rechtliches Hindernis, dass sie ein gewisses Amt bekleidet“, sagt Carmen Uţoiu. In der Tat glaubt die Unterinspektorin, dass sich die Frauen in so einem Umfeld besser geschützt fühlen, wenn sie in einer Institution arbeiten, wo die Mehrheit der Stellen von Männern besetzt ist. Wenn es um Chefs geht, glaubt die junge Unterinspektorin, dass die Beziehung Angestellter-Chef sehr wichtig sei. „Diese Beziehung soll zu allen Kollegen gleich sein, von beiden Seiten muss eine professionelle und eine kollegiale Unterstützung kommen. Obwohl das Wort ´Chef´ männlich ist, bedeutet es nicht, dass diese Position einfach nur zu Männern passt“, sagt sie.

Die Stärken einer Pressesprecherin hängen unter anderem auch mit ihrem Aussehen zusammen. Das Image einer Institution bestimmt auch der Pressesprecher. „Es ist bekannt, dass eine Frau auch im Fernsehen die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich lockt, als ein Mann. Trotz all dies gibt es in der Verwaltung der Haftanstalten viele Männer, die die Anforderungen dieser Funktion erfüllen“, schließt die Unterinspektorin für Haftanstalten Carmen Uţoiu.

„Als ich die Militärkarriere einschlug, wusste ich, dass die meisten meiner Kollegen Männer sein werden. Sie waren von Anfang an gute Kammeraden und oft - als einzige Frau im Team - fühlte ich mich beschützt und mit viel Aufmerksamkeit bedacht“, sagt Daniela Stanciu, Sprecherin der mobilen Gendarmerieeinheit in Temeswar. Außerdem habe sie auf die Unterstützung ihrer männlichen Kollegen bauen können, wenn diese notwendig war. „Ich arbeite gern im Männerkollektiv und ich hoffe, dass ich ebenfalls als gute Kollegin betrachtet werde.“ Was die Arbeit als Pressesprecherin betrifft, wirke sich der häufige Personalwechsel negativ aus, „denn jedes Jahr gibt es in den Medieneinrichtungen neue Ansprechpartner, was unweigerlich die Situation erschwert.“ Ein Glückwunsch zu Feiertagen und anderen Anlässen sieht Daniela Stanciu als Gelegenheit, die Beziehung zu den Medien zu pflegen. „Ausgewogenheit und gegenseitiger Respekt sind die Grundlagen für eine gute Beziehung zwischen Sprecher und Medien“, sagt Stanciu. Und zur Frauenquote: Wäre sie selbst Chefin, würde sie in das Leitungsgremium auch Frauen aufnehmen. 


In einem etwas anderen Umfeld arbeitet Oana Răchitan, die Pressesprecherin der Temescher Kreiskrankenkasse. Sie führt allerdings kein Leben in Uniform. In ihrer Institution gibt es in gleichem Maße Männer und Frauen, mit denen sie zusammenarbeitet. Trotzdem muss die junge Sprecherin zugeben, dass sie sich früher Sorgen gemacht hat, was die Gender-Gleichheit angeht. „Als ich das Masterstudium für Medien und Öffentlichkeitsarbeit an der West-Universität Temeswar besuchte, las ich über viele Männer, die im PR- und Kommunikationsbereich tätig waren. Im Ausland scheint es mehr männliche Pressesprecher zu geben. In Rumänien ist jedoch die Situation genau umgekehrt: Hier sind die meisten Sprecher Frauen“, sagt Oana Răchitan. Um diese Idee zu betonen, nennt sie einige ihrer Vorbilder: Adriana S²ftoiu – Sprecherin des Präsidenten Traian Băsescu, Gabriela Vrânceanu Firea und Ioana Muntean als Sprecherinnen der Rumänischen Regierung.

„Meine Erfahrung zeigte mir, dass es egal ist, ob der Chef männlich oder weiblich ist. Es ist klar, dass der Vertreter jedes Geschlechtes gewisse Vorteile und bestimmte Empfindlichkeiten hat, aber ich denke, dass am wichtigsten ist, dass man anpassungsfähig ist und im Beruf professionell vorgeht“, sagt sie. Oana Răchitan weiß ganz genau, welche ihre Stärken in ihrem Arbeitsbereich sind: eine effiziente Kommunikation, das richtige Verständnis der Botschaft, die von den Vorgesetzten kommt, und die korrekte Weiterleitung der Information an die Medien sowie die Erwartungen, die von den anderen kommen, zu erfüllen. „Man muss mit den Medien einen guten Kontakt pflegen und als Vorteil glaube ich, dass wir Frauen auch ein psychologisches Feingefühl haben und leicht Situationen vorwegnehmen können“, sagt die Sprecherin der Temescher Kreiskrankenkasse Oana Răchitan.

„Bei Männern werden der Bauch, die Falten und die weißen Haare übersehen, bei Frauen stechen diese Details unverzüglich negativ ins Auge“, sagt Loredana Leordean von der Pressestelle der Temeswarer Gesellschaft für Siedlungswasserwirtschaft Aquatim. Es sei nicht nur schwer, sich in einer männerdominierten Welt zu behaupten, sondern es sei auch schwer, gut auf einem Foto auszusehen, so Loredana lächelnd. „Ich habe vor Kurzem den Film `Lincoln´ gesehen. Eine Mehrheit der Menschen, die sich gegen die Abschaffung der Sklaverei ausdrückte, war schockiert von der Idee, dass Frauen das Wahlrecht erhalten“, sagt Loredana Leordean. Ein interessanter Aspekt, findet sie, denn dies war vor nicht einmal 150 Jahren der Fall, „und sieh mal, welchen Status die Frauen in Amerika heute haben“. Viele Sachen haben sich in den letzten Jahren geändert, findet Loredana Leordean. Für Pressesprecherinnen seien vor allem die Intuition, die guten Kommunikationsfähigkeiten und die Kontaktfreudigkeit charakteristisch. „Obwohl das nicht unbedingt nur für Frauen gilt“, betont Loredana. Mit den Chefs, die sie bisher hatte, war sie zufrieden. Zwar gab es ab und zu auch Meinungsverschiedenheiten, doch das war kein Grund zur Sorge. „Ich kann eines ganz klar behaupten: Immer, wenn an der Uni oder im Büro auch ein Mann dabei war, wurde mehr und besser gelacht“, sagt Loredana Leordean.

 

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