Werkvermögen in Privatvermögen „verwandelt“

Werden die Ex-Manager von UCM Reschitza zur Kasse gebeten?

Samstag, 09. November 2013

Reschitza - Wer seit Jahren die Situation des schon lange in der Insolvenz befindlichen Reschitzaer Maschinenbauwerks UCMR verfolgt, dem musste auffallen, dass im Grunde zwar von der Insolvenz des Maschienenbauwerks UCMR, aber eingentlich immer nur von der Insolvenz von ein paar Abteilungen – vor allem jener für den Bau hydroelektrischer Anlagen, also Wasserkraftwerkausrüstungen – die Rede war, während aus dem Corpus des Werks herausgelöste Abteilungen des Konglomerats, das sich schlussendlich UCMR-Group nannte, zum Teil exzellent funktionier(t)en und schuldenfrei sind. Und es musste auch auffallen, dass der ehemalige „Präsident-Generaldirektor“ Adrian Chebuţiu und sein Spezi, der Ex-UCMR-Geschäftsführer Adrian Preda, in allen gutgehenden Werken (die von den beiden – mit aktiver Unterstützung des Aufsichtsrats – aus dem Maschinenbauwerk herausgelöst und verselbstständigt wurden) mehr oder weniger wichtige persönliche Aktionäre sind oder gar Besitzer ehemaliger werkeigener Objekte – etwa des Ferienheims und Hotels am Ufer des Franzdorfer Stausees oder der Direktorenvilla des von UCMR gekauften Getriebewerks RRR Reschitza-Renk.

Nun kam der Online-Publikation Express de Banat eine vertrauliche Analyse der Ursachen der Insolvenz des Reschitzaer Maschinenbauwerks UCMR in die Hände, in welcher von der „zeckenartigen Auslaugung“ des Maschinenbauwerks die Rede ist. Die Analyse stammt vom gerichtlich bestellten Insolvenzverwalter von UCMR und einem Team, das er dazu berief, und beschäftigt sich hauptsächlich „mit der Art und Weise“, wie „das Tandem Adrian Chebuţiu-Adrian Preda“ das Werk verwaltet haben, das ihnen vom nominellen Besitzer, der Schweizer INET AG, anvertraut wurde. Das Team des Insolvenzverwalters verwendet dazu Dokumente, die bis vor Kurzem als „streng geheim“ galten. Und der Insolvenzverwalter und sein Team kommen zur eindeutigen Schlussfolgerung, dass das Reschitzaer Maschinenbauwerk „unter Schulden begraben“ wurde, und das in vollstem Bewusstsein der Folgen durch die beiden Hauptakteure. Alles begann damit, dass „das Tandem“ ab 2005 mit dem Aufspalten des Werks begonnen hat, indem rund um das Kern-Werk allerhand Gesellschaften gegründet wurden – Hydro-Engineering, Oxygaz, UCM Energy, Burgerom, Velocity u. a. schließlich insgesamt mehr als ein Dutzend Firmen – was Chebu]iu seinerzeit vor den Medien als „ein breit angelegtes Programm der Effektivisierung dieser Gesellschaft“ verkaufte. Die Schlussfolgerung des Analyseteams des Insolvenzverwalters: Es hat sich um etwas ganz anderes gehandelt!

Denn das System Chebu]iu-Preda arbeitete so, dass alle Pflichtabgaben an den Staat und die ihm nahestehenden Institutionen und Versicherungen aufs Kern-Werk abgeschoben wurden, während das Dutzend neugeschaffener „Zecken“ nur die Gewinne einstrich – jene Fabriken (entstanden aus ehemaligen UDMR-Abteilungen, an denen sie selber als Aktionäre beteiligt waren, muss hinzugefügt werden. Das alte Werk lud unaufhörlich Schulden durch nichthonorierte Zahlungsverpflichtungen auf sich und verlor, Schritt für Schritt, auch die letzten Filetstücke, die es besaß: Immobilien, Grundstücke, die, befremdlich oder nicht, immer irgendwie in den Besitz der beiden und der um sie gebildeten Gruppe von Werkchefs gelangten. Die Villa Renk und das Ferienheim Franzdorf sind nur die offensichtlichsten Beispiele für dieses Vorgehen des „Umwandelns“ von Werkvermögen in Privatvermögen.
Eine nicht zu übergehende Rolle bei dieser Umverteilung spielte auch Lăcrămioara Chebuţiu, die gegenwärtige Frau des Ex-„Präsidenten-Generaldirektors“, die ursprünglich Werksprecherin war und zwischendurch ihren Chef geheiratet und ihm ein Kind geschenkt hat. Der sich vorher scheiden ließ. Frau Chebuţiu fiel vor knapp einem Jahr bei der Neueinweihung als Leiterin einer Stiftung auf, welche das Reschitzaer Dampflokomotivenmuseum verwaltet – auch so ein Filetstück, das vorher im Besitz des Maschinenbauwerks UCMR war ...

Die Analyse des gerichtlich bestellten Insolvenzverwalters und seines Teams endet mit der Schlussfolgerung, dass die Schuldigen für die Insolvenz des „Restwerks“ durch „Überschuldung und Reaktivierung der historischen Schulden von UCMR“ klar erkennbar sind: Adrian Chebuţiu und Adrian Preda. Und der Insolventverwalter zitiert den Art. 138 des Insolvenzgesetzes, demzufolge der Insolvenzverwalter verfügen kann, dass ein Teil der Passiva des Schuldners, der zur Insolvenz gelangt ist, von den Mitgliedern des Leitungsrats eines Unternehmens übernommen werden muss, „sowie von jedwelcher anderen Person, die das Insolvenzstadium des Schuldners ausgelöst hat“.
Das wird als eine eindeutige Kampfansage an das „Tandem“ interpretiert, denn ausdrücklich steht im Analysebericht: „Wir finden, dass die persönliche Verantwortung gemäß Art. 138 im Falle der beiden geschäftsführenden Manager Adrian Chebuţiu, dem amtierenden Präsidenten des Verwaltungsrats in der analysierten Periode, und Adrian Preda, dem Geschäftsführer der Gesellschaft in derselben Periode, aktiviert werden muss.“ Wenn also der Insolvenzrichter die Schlussfolgerung des Teams des Insolvenzverwalters übernimmt, dass nämlich Adrian Chebuţiu und Adrian Preda das Werk mit dem Ziel persönlicher Bereicherung in die Insolvenz getrieben haben, dann können die beiden mit Millionen Euro zur Kasse gebeten werden.

Kommentare zu diesem Artikel

Norbert, 11.11 2013, 23:54
Der einzigste der mit Schrott Geld verdient ist der Schrotthändler.
Sraffa, 10.11 2013, 03:20
Ein Insolvenzverwalter hat die Verpflichtung, die Interessen der Anspruchsberechtigten an das Restvermögen ( Gläubiger und Beschäftigte ) zu wahren und SÄMTLICHE Ansprüche der Insolvenzmasse aus erlittener Unterschlagung und Untreue durch Dritte geltend zu machen . Daher wären zwingend Prozesse gegen die Manager zu führen und deren Vermögen einzufrieren und ggf. zur Haftung heranzuzíehen.

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