Westliches Schlusslicht Banater Bergland

Sowohl im Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt als auch bei den Löhnen steht Karasch-Severin schlecht da

Donnerstag, 06. Oktober 2016

Die jüngsten Daten der Nationalen Kommission für Wirtschaftsprognosen weisen einmal mehr nach, dass die Westregion, abgesehen vom Großraum Bukarest, die leistungsstärkste Region Rumäniens ist, mit Temesch als Zugpferd. In diesem Rahmen schaut der Verwaltungskreis Karasch-Severin wie ein Mühlstein aus, der der Westregion am Hals hängt. Das Banater Bergland ist in nahezu allem das Schlusslicht.

Die Analyse des Nationalausschusses für Prognosen bezieht sich auf statistische Daten, die bis Mai 2016 vom Nationalen Statistikamt geliefert wurden. Daraus geht erst mal hervor, dass die Westregion die einzige Rumäniens ist (immer: abgesehen vom Großraum Bukarest), deren Bruttoinlandsprodukt pro Kopf über dem Landesdurchschnitt liegt. Die Rangordnung umfasst sieben Regionen und den Großraum Bukarest. Und das Prognoseamt schreibt auch, dass diese Rangordnung auch in den kommenden drei Jahren unverändert bleiben wird: immer mit der Westregion der „restlichen Provinz“ voran.
 

Sonderposition Bukarest

Der Großraum Bukarest wird vom Prognoseamt mit einem für 2016 voraussehbaren Bruttoinlandsprodukt von 203,5 Milliarden Lei geführt. Für 2019 sagt das Amt für Bukarest und Umgebung ein Bruttoinlandsprodukt von 246 Milliarden Lei voraus. Bezogen auf den Bevölkerungsstand dieses Großraums sind das in diesem Jahr 19.954 Euro pro Kopf und werden 2019 rund 24.248 Euro sein. Wird allerdings strikt Bukarest genommen (wo sehr viele Firmen mit zahlreichen landesweit verstreuten Filialen ihren Sitz haben, deren Leistung aber zusammengenommen und auf Bukarest konzentriert registriert wird...) und der Speckgürtel Ilfov ausgeblendet, dann ist das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt noch größer: 2016 sind es 22.245 Euro, 2019 werden es wahrscheinlich 27.477 Euro sein.

Das Bruttoinlandsprodukt der Westregion – rund 72 Milliarden Lei – verteilt sich herkunftsmäßig auf den Landkreis Temesch (35 Milliarden Lei), Arad (17 Milliarden Lei), Hunedoara (12 Milliarden Lei) und Karasch-Severin (8 Milliarden Lei). In drei Jahren dürfte das Leistungsbild laut Prognoseamt folgendermaßen aussehen: Temesch – 42,5 Milliarden Lei, Arad – 20,5 Milliarden Lei, Hunedoara – 14,8 Milliarden Lei und Karasch-Severin – 9,7 Milliarden Lei.
 

Westliches Zugpferd Temesch

Als die Disparitätswerte ausgerechnet wurden, kam heraus, dass Bukarest um 230 Prozent über dem Landesdurchschnitt liegt, die Westregion bei 104,6 Prozent, alle anderen liegen darunter: die Region Zentrum um Klausenburg bei 94,6 Prozent, die Südostregion bei 89,6 Prozent, Nordwestregion – 87,4 Prozent, Südmuntenien – 77,7 Prozent, Südwest-Oltenien bei 74,5 Pozent und Nordostregion-Moldau/Bukowina bei 62,1 Prozent.

Zugpferd der Westregion ist und bleibt folglich der Landkreis Temesch. 2014 betrug das Bruttoinlandsprodukt von Temesch 9978 Euro pro Kopf, 2016 dürfte es bei 11.237 Euro stehen, meint das Prognoseamt. Für 2019 sagt es 13.620 Euro pro Kopf voraus. Auch so gesehen liegt Arad auf Rang zwei, mit 8905 Euro pro Kopf 2016 und voraussichtlich 10.985 Euro in drei Jahren. Hunedoara dürfte in diesem Jahr auf eine Pro-Kopf-Bruttoleistung von 6927 Euro kommen, um diese in den nächsten drei Jahren auf 7949 Euro zu steigern. Schlusslicht ist wieder einmal Karasch-Severin, wo man dank der Zugpferde (Großraum Karansebesch und Metallurgie Reschitza) in diesem Jahr auf 6277 Euro kommen dürfte, in drei Jahren auf 7649 Euro (über die Etappen 6852 Euro im kommenden und 7397 Euro in zwei Jahren), immerhin in die Nähe des strukturähnlichen Landkreises Hunedoara. Das entspricht einer Steigerung von einem Prozent in drei Jahren, wenn man die Steigerungsraten von Temesch als Vergleichskriterium nimmt (das heißt, der Abstand in der Wirtschaftsleistung zwischen Temesch und Karasch-Severin läge in drei Jahren von gegenwärtig 57 Prozent bei 56 Prozent...).
 

Täuschende Berechnungen

Doch diese Abstandsverminderung könnte eine Täuschung sein: nicht die Wirtschaftsleistung des Banater Berglands dürfte steigen und dieses eine Prozent ausmachen, das aufgeholt wird, sondern die Gesamtleistung dürfte auf weniger Bewohner verteilt werden und wäre dementsprechend höher. Denn ebenfalls statistisch ist erwiesen, dass seit Jahrzehnten die Bevölkerung des Banater Berglands nicht nur altert, sondern auch (durch Abwanderung) stetig zurückgeht: durchschnittlich um rund 3000 Einwohner pro Jahr, also rund zehntausend in drei Jahren. Die Wirtschaftsleistung des Banater Berglands wird 2016 vom Prognoseamt durch rund 280.000 Einwohner geteilt, um die Pro-Kopf-Leistung zu errechnen, sie muss aber 2019 voraussichtlich auf 270.000 Einwohner verteilt werden... Und daher dürfte das eine Prozent Mehrleistung kommen, das von Prognoseamt ausgerechnet wurde, das Karasch-Severin angeblich gegenüber Temesch aufholt. Es ist also eine Selbsttäuschung, wenn man diese Zahlen zu optimistisch sieht. Und noch etwas: bei der Volkszählung von 2011, auf die man sich zu beziehen hat, zählte man im Banater Bergland 274.277 Bewohner.
 

Lohngefälle etwa leistungssymmetrisch

Auch wenn man sich die Lage der Löhne und das Lohngefälle nach Regionen und Verwaltungskreisen anschaut, liegt das Banater Bergland irgendwo gegen Ende der Rangliste. Auf alle Fälle sind die Nettolöhne im Banater Bergland weit unter dem Landesdurchschnitt von 2078 Lei. Anfang 2016 lagen die Löhne im Banater Bergland bei einem Durchschnitt von 1256 Lei. Im Juni verdiente ein Bewohner des Banater Berglands nicht einmal die Hälfte des Netto-Monatslohns eines Bukaresters und um rund 700 Lei weniger als ein Bewohner im westlichen Nachbarkreis Temesch.

Damit gehört Karasch-Severin zu den 15 Landkreisen Rumäniens (u. a. mit Bihor, Sathmar, Vâlcea, Brăila, Maramureș oder Suceava), wo ein Arbeitnehmer zwischen 1500 und 1600 Lei netto im Monat nach Hause trägt. Während einer in Bukarest durchschnittlich netto 2852 und einer in Temesch 2240 Lei einstreicht, in Ilfov 2294 Lei, in Klausenburg/Cluj 2284 Lei und in Hermannstadt/Sibiu 2104 Lei.

Laut Daten des Statistikamtes liegen am Ende der Tabelle der Durchschnitts-Nettolöhne die Verwaltungskreise Harghita (1480 Lei) und Teleorman (1494 Lei). Auf alle Fälle sind die Netto-Durchschnittslöhne gegenüber Juni 2015 auf Landesebene um 14,3 Prozent gestiegen und es wurden in keinem einzigen Verwaltungskreis Senkungen des Netto-Durchschnittslohns verzeichnet.
Immerhin.

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