Widerstand gegen Bauprojekt im Jungen Wald

Hermannstädter Architektenorden kippt Bebauungsplan aus dem Jahr 2008

Donnerstag, 08. März 2012

OAR-Vorsitzender Gabriel Roşca möchte eine offene Diskussion über das strittige Bauprojekt.
Foto: Holger Wermke

Hermannstadt - Der Bebauungsplan für das Gelände des ehemaligen Zeltplatzes im Jungen Wald/Pădurea Dumbravă ist ungültig. Diese letztinstanzliche Entscheidung fällte am 22. Februar der Appelationshof in Karlsburg/Alba Iulia. Geklagt hatte die Filiale Hermannstadt-Vâlcea des Architektenordens (OAR).

Im jetzt gewonnenen Prozess klagte der OAR gegen die Entscheidung 408 vom 30. Oktober 2008 des Hermannstädter Stadtrates, die nach Ansicht des OAR-Vorsitzenden Gabriel Roşca den speziellen Anforderungen des Standortes nicht gerecht wird. „In einem Urbanismuszertifikat aus dem Jahr 2003 wird dieses Gebiet als Naturschutzgebiet ausgewiesen“, so Roşca, eine Klassifizierung, die 2005 im damals noch gültigen Flächennutzungsplan (PUG) nicht mehr auftaucht.

Das umstrittene Gelände liegt im Jungen Wald hinter dem Hilton-Hotel in Richtung Răşinari. Bis 2005 wurde dort ein Zeltplatz betrieben. „Dort, wo einst Campinghäuschen standen, befindet sich jetzt ein Wohnviertel“, erklärte Roşca anhand von Plänen und Luftbildern. Nach Roşcas Meinung handelt es sich bei den bereits errichteten Gebäuden jedoch um „Blöcke“, deren Baumasse das vorgesehene Volumen überschreite, noch dazu in einem schützenswerten Waldgebiet.

Was ist der Hintergrund des juristischen Gezerres? Ein Bebauungsplan (PUZ) von 2005 gestattete ursprünglich den Bau von Ferienhäusern auf dem Zeltplatzareal. Drei Jahre später genehmigte der Stadtrat einen geänderten Bebauungsplan, der eine Ausweitung der Baumöglichkeiten vorsah. Dieser neue PUZ gestattete den Bau von eingeschossigen, mansardierten Einfamilienhäusern. Der maximale Versiegelungsgrad wurde mit 35 Prozent festgesetzt. Roşca wies auf die Tatsache hin, dass derselbe PUZ sechs Monate zuvor, im Januar 2008, von den Stadträten noch abgelehnt worden war. Begründet wurde die Entscheidung damals mit ähnlichen Argumenten, die der OAR vor Gericht gegen den PUZ vorbrachte.

Nun muss darauf hingewiesen werden, dass im jetzt gültigen, im April 2011 genehmigten PUG der Junge Wald tatsächlich als Schutzgebiet ausgewiesen wird. Für das strittige Gelände muss jetzt ein neuer Bebauungsplan erarbeitet werden. Für diesen Prozess bot Roşca die Unterstützung seines Verbandes an. Der OAR-Vorsitzende regte eine offene Diskussion über die Zukunft des Geländes an, beispielsweise in Form eines runden Tisches. Ein Brief an die Rathausspitze, die Stadträte sowie die Stadtarchitektin sei Ende vergangener Woche verschickt worden.

Grundstücke im Jungen Wald sind begehrte Baugebiete. Nicht weit entfernt, auf dem Gelände der Textilfabrik Sitex, möchte ein Investor ebenfalls eine Wohnsiedlung entwickeln. Auch gegen dieses Projekt gibt es Widerstände. 

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