Wie die Josefstadt zu ihrem Namen kam

Mittwoch, 30. Mai 2018

Die Temeswarer Josefstadt Foto: Zoltán Pázmány

Als Kaiser Josef II. in Temeswar weilte, ging ein Fuhrmann aus der Rosengasse zu ihm, und sagte schön deutlich, dass alle hohen Herren es hören konnten: "Herr Kaiser, ich habe eine große Bitte."

          Der Kaiser Josef II. lächelte und fragte den Fuhrmann freundlich: "Wer bist du und woher kommst du?"Da räusperte sich der Fuhrmann und antwortete schön deutlich: "Ich bin ein Fuhrmann und wohne in der Rosengasse." Joseph II. lächelte wieder und fragte so sanft wie eine Taube: "Wo liegt denn die Rosengasse?" Der Fuhrmann antwortete: "Außerhalb der Festung, neben der Bega." Josef II. schaute die hohen Herren an und diese glaubten, der Kaiser wolle den Fuhrmann loshaben. Darum sagte einer der hohen Herren: "Schon gut, du kannst wieder gehen."Aber Josef II. hob die Hand und sagte: Lasst nur, ich will wissen, warum der Fuhrmann zu mir kam. Nun? Was bittest du? "Da nahm sich aber der Fuhrmann einen kräftigen Ruck und sagte so deutlich, wie er es nur konnte, aber dass es auch die hohen Herren in der letzten Reihe  hinter dem Kaiser gut verstehen konnten: "Herr Kaiser, wir haben eine Festung, wir haben die Fabrik, wir haben auch die Meierhöfe, da dachte ich, könnte es nicht auch eine Josefstadt geben, getauft nach Euch, Herr Kaiser!" Der Kaiser schaute vor sich hin und streifte die Rüscheln am Rockärmel, bog das rechte Knie nach vorne, wie das seine Gewohnheit war, bevor er eine Antwort gab und sagte schließlich, so dass jeder es hören konnte: "Deine Bitte sei gewährt, aber ich will die Rosengasse sehen, damit ich mein Patenkind auch kennen lerne!" "Das dachte ich mir und darum, Herr Kaiser, steht ein Fiaker am Peterwardeiner Tor und wartet Euch."Die hohen Herren ließen ein "O!" aus dem Mund fahren, aber es half nichts. Josef II. bestieg den Fiaker und ließ sich in die Rosengasse kutschieren und schaute sich da alles an. Sogar Kuchen aß er beim freundlichen Fuhrmann und trank vom guten Trinkwasser. Dem Kaiser gefiel es freilich in der Rosengasse, wo die Leute am Haus des Fuhrmanns standen und warteten, bis er heraustrat.

          Seitdem heißt der Stadtteil, in dem die Rosengasse liegt, Josefstadt.

 

Aus Hans Mokka "Traumhansl und Traumlieschen", Ion-Creangă-Verlag Bukarest , 1985

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