Wie die Klein-Wiener ein Reiterstandbild für Prinz Eugen planen

In der Temeswarer Debatte über Statuen versteckt sich allein der provinzielle Kleingeist

Freitag, 12. Januar 2018

Ein Vorbild für das Reiterstandbild gibt es schon: das Prinz-Eugen-von-Savoyen-Denkmal vor der Hofburg in Wien von 1865. Es ist die Frage, ob es die richtige Lösung ist, im 21. Jahrhundert in Temeswar ein gleichgeartetes Denkmal hinzustellen.

Es hat schon ein bisschen Mühe gekostet und es hat sicherlich auch eines kleinen Presseskandals bedurft, bis die Temeswarer Verwaltung begriffen hat, dass die im Oktober 2016 angebrachte Prinz-Eugen-Gedenktafel in fehlerhaftem Deutsch geschrieben war. Eine Schande, auf die damals auch diese Zeitung aufmerksam gemacht hat. Die Fehler wurden inzwischen beseitigt, das Haus konnte jedoch noch nicht renoviert werden. Die Inschrift über dem Eingang, die aus dem 19. Jahrhundert stammt und an das alte türkische Stadttor erinnert, durch das der siegreiche Feldherr in Temeswar eingezogen ist, wurde notdürftig saniert, heute wird sie von einer wunderschönen Gasleitung geziert.

Schade nur, dass der edle Prinz seine wohlverdiente Ruhe noch immer nicht bekommt. Denn er soll nun, hoch zu Ross, einen Temeswarer Kreisverkehr schmücken. Es gibt in der Stadt einen Verein, der sich zum unbedingten Ziel gesetzt hat, Prinz Eugen von Savoyen ein Denkmal zu bauen, am liebsten genauso eines wie jenes vor der Wiener Hofburg. In der Tat, seit 1865 steht auf dem Heldenplatz der österreichischen Hauptstadt das Reiterstandbild von Prinz Eugen, ein etwas kleineres gibt es vor dem ungarischen Burgpalast in Budapest, der ungarische Jenö Herczeg blickt natürlicherweise nach Osten, dorthin, wo der Türkenbezwinger seine wichtigsten Siege davongetragen hat: Zenta, Belgrad, Peterwardein, Temeswar.

Nun, es stellt sich die Frage, wohin wird der Temeswarer Eugeniu de Savoia blicken? Auf der Piaţa Mărăşti, dem wichtigsten Kreisverkehr auf dem ersten Temeswarer Straßenring, bietet sich Bemerkenswertes an: Zum Beispiel die beiden sozialistischen Plattenbauten, von denen das eine Gebäude bereits saniert wurde, das andere jedoch der sachgerechten Wärmedämmung harrt. Oder die verlotterte k. u. k. Franz-Josefs-Kaserne, gleich neben der alten, ebenfalls k. u. k.-Kadettenschule, die seinerzeit noch über eine prächtige Fassade verfügte, jedoch später, nach dem Zweiten Weltkrieg, zum Städtischen Krankenhaus umfunktioniert wurde und das traurig-graue Antlitz von heute bekam. Oder, wenn man den Sockel des Denkmals nur groß genug baut, wird der bronzene Prinz von Savoyen über den Botanischen Garten und die Eisenbahngleise bis zur Iulius-Mall schauen können. Auf die neuen Bürohochhäuser der Openville wird Seine Durchlaucht blicken, wo tüchtige Hochschulabsolventen für ihre abendländischen Arbeitgeber das digitale Zeitalter meistern. Und die am Ende des Tages bei einem französischen Einzelhändler von Weltrang für schwarze Zahlen sorgen oder schnell noch ein paar Klamotten kaufen und dabei einem spanischen Multimillionär auch heuer ein beeindruckendes Plus bescheren. Oder aber, wenn das Geld doch nicht reichen sollte und der Prinz nur einen niedrigen Sockel bekommt, wird er sich die Leute anschauen können, die vor der maroden Kaserne auf den Trolleybus warten, „firul“, wie er in Temeswar seit eh und je heißt.

Ist es nicht schade, dass man nicht wissen kann, was sich „der weise Ratgeber dreier Kaiser, der ruhmreiche Sieger über Österreichs Feinde“ (so steht es auf den Tafeln des Wiener Standbildes!) nur denkt, wenn er alsbald sein Denkmal in Temeswar bekommen sollte? Wird ihm der Anblick gefallen? Wird ihn das kleine Chaos im Verkehr erschrecken? Wird er sich wohl glücklich in seine Savoyen-Gruft in der Domkirche St. Stephan zu Wien zurückbegeben? Man wird mit diesen Fragen leben müssen.

Nun, besagter Bürgerverein will unbedingt dem Prinzen ein Reiterstandbild bauen, nach Wiener Muster. Ob die Meinung von Sachverständigen etwas zählt? Ob die Eugen-Büste, die im Scudier-Park 2011 aufgestellt wurde, nicht reicht? Ob ein Denkmal nach den Regeln und dem Geschmack des 19. Jahrhunderts überhaupt Sinn macht? Ob die Pia]a M²r²{ti dafür geeignet ist? Das spielt alles keine Rolle. Allein an den Kosten könnte das grandiose Vorhaben scheitern, geschätzt werden sie von den Vereinsverantwortlichen auf eine satte halbe Million Euro. Unklar ist, ob eine 1:1 Kopie des Wiener Denkmals errichtet werden soll oder ob Gegenwartskünstlern doch noch ein wenig Sinn fürs Originale zugetraut wird.

Vorschläge hatte es ja bereits vor ein paar Jahren gegeben, als unter der Federführung von Dan Perjovschi und Sorina Jecza eine Art Wettbewerb veranstaltet wurde, Künstler sollten Ideen für ein Reiterstandbild („Ecvestr²“, hieß es) einreichen. Den Preis bekam ein Provokateur sonderglei-chen. Er wollte auf einem Temeswarer Platz einen Lautsprecher anbringen, im entsprechenden Takt sollte Pferde-Wiehern erklingen. Ein anderer wollte auf dem Domplatz ein Reiterstandbild aufstellen lassen, aber das Pferd wollte er mit einem Kamel ersetzen. Eben weil Prinz Eugen die Türken weggejagt hat und die hatten bekannterweise auch Kamele im Einsatz, man soll sie ja auch 1683 vor den Toren Wiens gesichtet haben.

Wie dem auch sei, weil man noch nicht weiß, von wo die halbe Million Euro kommen soll, hat man eine vermeintliche Erbin von Prinz Eugen aufgetrieben, eine gewisse Aseea di Savoya, die in Mexiko lebt und nach Italien ziehen will. Noch in diesem Monat könnte sie in Temeswar eintreffen, wusste der Vorsitzende der „Asocia]ia Eugeniu de Savoya“ der Lokalpresse zu berichten. Entzückend. Viel-leicht hat die noble Dame auch noch ein paar Groschen übrig, man ist ja auf der Suche nach großzügigen Spendern. Schließlich könne man auf der Piaţa Mărăşti keinen Kleinkram aufstellen, sondern etwas entsprechend Großes, so der Vereinsvorsitzende Vasile Sopon.

Wenn es mit dem Denkmal für Prinz Eugen doch nicht klappen sollte, dann hat Bürgermeister Nicolae Robu eine bessere Idee. Wie auch dieser Zeitung zu entnehmen war, plant er ein Denkmal für die Vereinigung von 1918, schließlich schreiben wir den ersten Monat des Jubiläumsjahrs. Mit Details hat sich der Bürgermeister noch nicht befasst, aber er würde sehr gerne so eine Statue haben. Wen soll sie darstellen? Soll es sich um abstrakte Kunst handeln oder nicht? Alles ist derzeit offen, weil der Stadtvater noch ein Problem hat, und zwar ein ausschlaggebendes: Es fehlt ihm an Geld. Wenn er aber das Geld finden sollte, bekommt Temeswar auch ein Vereinigungsdenkmal.

Währenddessen stehen drei Sockel weiterhin leer, die Verwaltung hat sie längst vergessen. Vor ein paar Jahren wurden in Temeswar mehrere Büsten entwendet, niemand ist je dafür zur Rechenschaft gezogen worden. Ein Politiker, Emanuil Ungureanu, und zwei Ärzte – Victor Babe{ und Aurel Cândea, alle drei Banater Persönlichkeiten von Rang, hatten schöne Denkmäler in Temeswar, in der Zwischenkriegszeit wurden sie errichtet. Drei Sockel ragen nun wie abgebrochene Zähne in die Luft. Wäre es nicht empfehlenswert, wenn also Ungureanu, Babeş und Cândea eine Audienz beim Prinzen beantragen würden, um ihn davor zu warnen, dass er in Klein-Wien nicht sicher ist? Und dass dieses Klein-Wien eigentlich ein Klein-Skopje zu werden droht. Übrigens, waren Sie schon in Skopje? Die unzähligen Kitsch-Statuen in Riesenformat, die dort in den vergangenen fünf Jahren aufgestellt worden sind, kosteten etwa eine halbe Milliarde Euro. Soll man dann den Temeswarer Anhängern von Prinz Eugen nicht ihr Reiterstandbild für bloß ´ne halbe Million gönnen?

Kommentare zu diesem Artikel

Lucian Blaga, 12.01 2018, 12:25
Die einzige Statue, die dieser Verwaltung würdig sein kann, ist eine vom Feldherrn Nikolaus Sklave, ein Zebra reitend. Vielleicht sogar als Statuengruppe, mit kleinen, gesichts- und charakterlosen, Beifall klatschenden Statuen. Hinter dem Sockel, unten, noch eine Bronzefigur eines kleinen Hundes, das dem Feldzug hinterher bellt.

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