Wie eine zweite Muttersprache

Dr. Delia Cotârlea, Lektorin an der Kronstädter Philologie-Fakultät

Samstag, 10. August 2013

Dr. Delia Cotârlea Foto: Ralf Sudrigian

Es war eine Überraschung als wir erfuhren, dass Delia Cotârlea keine Familienbindung zu den Siebenbürger Sachsen oder zu den Rumäniendeutschen hat. Zu gut ist ihr Deutsch, zu umfassend ihr Wissen über deutsche und rumäniendeutsche Literatur und Kultur, als dass man nicht annehmen würde, da stammt eine solide Grundlage von zu Hause. Das stimmt aber nur in geringem Maße in Bezug auf das gepflegte Deutsch der jungen Lektorin an der Philologischen Fakultät der Kronstädter Transilvania-Universität.

Sie stammt aus einer rumänischen Familie; ihre Mutter ist Deutschlehrerin  – also gab es beste Voraussetzungen, um die Sprache von Goethe und Schiller, wenn nicht als Mutter- dann als Fremdsprache zu erlernen. Und Delia hat es bis zum Doktor-Titel geschafft. Die gebürtige Kronstädterin lernte bis zur achten Klasse im nahen Neustadt/Cristian. Es folgte die Studienzeit an dem renommierten Şaguna-Lyzeum – aber nicht an der Humanabteilung, sondern bei den Mathe-Physik-Klassen. Ihre Vorstellungen über ihren Beruf standen von Beginn an in Verbindung mit der Arbeit mit Menschen. Dass der Lehrer-Beruf in ihrer Familie Tradition hatte (der Urgroßvater war Dorflehrer in einer Ortschaft nahe der Landeshauptstadt; die Großeltern mütterlicherseits waren ebenfalls Lehrkräfte), erleichterte wohl ihre Wahl für das Deutschstudium an der Hermannstädter Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt.

Die nach 1989 eröffnete Fortbildungsmöglichkeiten an Lehrgängen im Ausland hat Delia voll genutzt. Allein ihre Aufzählung ist aufschlussreich über das Bestreben, sich auf hohem Niveau weiterzubilden: ein Semester als DAAD-Stipendiantin in Marburg, Sommerschule in Tübingen, als Doktorandin Teilnahme am „Promotionskolleg Ost-West“ am Institut für Deutschlandforschung an der Universität Bochum. In ihrer Doktorarbeit bei der Prof. Univ. Horst Schuller,  ihr Doktorvater war, geht es um das Werk der Dichterin Anemone Latzina.

Seit 2005 ist Dr. Delia Cotârlea Mitarbeiterin an der Kronstädter Uni. Erst voriges Jahr wurde es möglich, in ein festes Arbeitsverhältnis als Lektor an dieser Hochschule zu treten. Die Titel der Lehrinhalte, die sie vorträgt, sind etwaslangatmig und klingen einiger-maßen kompliziert: „Interkulturelle Räume: Literarische Topographien in Siebenbürgen und Rumänien“ oder „Phänomenologie der Mythen im südosteuropäischen Raum“; „Übersetzungen als interkultureller Transfer“. Es zählt dabei, nicht nur komplexe Inhalte zu vermitteln, sondern diese auch attraktiv zu gestalten. Studenten/innen dafür zu gewinnen, ist keine leichte Aufgabe, zumal leider die Deutschsprachkenntnisse der Studenten auch in Kronstadt nicht mehr das sind, was sie einst waren, selbst wenn an der Transilvania-Universität Deutsch nur als Zweitstudium angeboten wird. Aber die Arbeit bereite ihr Freude und es sei ein schönes Gefühl, die Fortschritte der Studenten wahrzunehmen. Dabei gehe es nicht allein um Erwerb und Verbesserung der Sprachkenntnisse und -fähigkeiten. Die Studenten werden ermutigt, selbstständig und kreativ zu denken, argumentieren zu können – ein Ziel das allgemein an der Universität verfolgt wird. Delia und ihre Kollegen/innen, mit denen sie eine freundliche und problemlose Zusammenarbeit verbindet, vergessen das nicht und arbeiten auch darauf hin.

Außer an der Uni lehrt Dr. Cotârlea Deutsch im Rahmen von Firmenkursen und ist Mitarbeiterin beim Deutschen Kulturzentrum Kronstadt. Die Kurse an die Interessen der jeweiligen Gruppen anzupassen, das zu vermitteln, was wirklich gebraucht und angewendet werden kann, ist ein anderer wichtiger Punkt in dieser „Arbeit mit den Menschen“ und lässt kaum Routine aufkommen. Einen anderen Job für sich könne sie sich eigentlich nicht vorstellen, gibt Delia zu.

Aber Deutsch und Hochschule sind bei weitem nicht alles in ihrem Leben. Ehemann und zwei Kinder bieten ihr einen starken Rückhalt und ihr Wunsch zielt auch darauf hin: gesund zu sein und möglichst viel Zeit mit der Familie zu verbringen. Zur „erweiterten Familie“ gehören noch zwei Hunde, zwei Katzen, die Fische im Aquarium – alles in einem Haus, das Delia mit einem bezauberndem herzhaften Lachen spaßhaft als „Tierfarm“ umschreibt.

Von ihr erfahren wir erstmals auch etwas über Quilling – eine Technik des Papierrollens – und über Schmuckanfertigung aus Fimo (eine Modelliermasse). Beides sind, neben Radfahren und Tischtennis, ihre Hobbys. Das bedeutet  ebenso eine weitere Überraschung: eine andere, ergänzende, praktisch-künstlerische Seite der jungen Kronstädter Hochschullehrkraft Dr. Delia Cotârlea.

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