Wie entsteht gesundes Essen?

Ein Erlebnis-Bauernhof in Radeln soll auf diese Frage Kindern antworten

Freitag, 23. August 2013

Zwei Haflingerstuten (eine Spende aus Deutschland) stehen bereits, zur Freude der kleinen Besucher, im Stall.

Attila Boldizsar und Maria Thon vor dem von BayWa gespendeten Traktor.
Fotos: der Verfasser

Attila Boldizsar stammt aus Szekler Neumarkt/ Tg. Secuiesc, hat in Deutschland studiert und ist nun in Radeln/Roadeş anzutreffen. Wenn heute von Radeln gesprochen wird, fällt in der Regel schnell auch der Name Peter Maffay. So auch in diesem Fall, denn Boldizsars Wohnung und Arbeitsplatz ist der Erlebnis-Bauernhof – ein gemeinsames Projekt der Peter-Maffay-Stiftung und der BayWa Stiftung. Der Hof soll vor allem dem Ferienheim für traumatisierte Kinder dienen und das auf doppelter Weise. Zum einen wird er ökologisch angebautes Obst und Gemüse an die Ferienheim-Küche liefern; zum andern sollen Kinder da auf einer leichten, interaktiven Weise erfahren, wie es auf einem Bauernhof zugeht, woher das gesunde Essen kommt. Und wenn sie es wollen, können sie bei leichteren Arbeiten auch mithelfen. „Müssen sie aber nicht“, fügt Attila hinzu. Er spricht gut deutsch und freut sich auf die auf ihn zukommenden Arbeiten. Für die Stelle des Verwalters dieses großen, tipp-topp eingerichteten Anwesens hatte sich der 28-Jährige nach seinem Studium zum Pferdewirt Ausgebildete bei der BayWa-Ausschreibung beworben und sie dann auch bekommen.

Maria Thon, Geschäftsführerin der BayWa-Stiftung, nennt auch eine andere therapeutische Dimension dieses Projektes. Für die traumatisierten Kinder, die aus zum Teil sehr schwierigen Familienverhältnissen kommen, sind die Tage im Ferienheim und die Stunden am Bauernhof ein Beweis, dass es auch ein anderes, besseres Leben gibt. „Sie können sich erholen, sie erfahren Perspektiven für sich selbst.“ Ihr Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl wird gestärkt. Genau so können auch die jungen Landwirte in Radeln viel Neues über modernen Gemüseanbau lernen, sich da eventuell ausbilden und dann zu Hause auf den heute oft unbebauten Gärten hinter ihren Häusern das Gelernte zu ihrem Nutzen anwenden. So kommt auch die Selbsthilfe-Dimension zum Ausdruck – ein weiterer Grund, für den BayWa (ein Groß- und Einzelhandelsunternehmen mit Unternehmenssitz in München) sofort bereit war zu einer erweiterten Zusammenarbeit mit der Maffay-Stiftung. „Samen säen, Früchte ernten!“ heißt dieses Projekt, das nicht nur für Radeln einen Modellcharakter haben könnte.

Ursprünglich war es nur ein Anruf von Peter Maffay, erinnert sich Maria Thon. Es ging um einen Traktor für Radeln. Der Traktor (und was für ein Traktor!) ist da auf einem Bauernhof den zuvor, dank Sponsoren, die BayWa-Stiftung von ausgewanderten Sachsen gekauft und komplett umgebaut und ausgestattet hat. Der Hof besteht aus einem Bauernhaus, dem Wirtschaftsgebäude, einem Stall, einer Backstube sowie dem Gemüse- und Obstgarten. Die Investitionen belaufen sich inzwi-schen, laut einem Bericht der Neuen Passauer Presse, auf 500.000 Euro.

Im einst sächsischen Radeln, wo heute gut drei Viertel der rund 400 Einwohner der Roma-Ethnie angehören, arbeitet ein junger Szekler für die Peter-Maffay- Stiftung und somit für die Linderung der Schmerzen von traumatisierten Kindern aus mehreren europäischen Ländern. So wird auch das bis vor drei-vier Jahren fast vergessene kleine Dorf zu einem Ort der Begegnungen.

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