Wie selbstverständlich ist Freiheit?

Filmvorführung „Freiheit in Kinderschuhen“ mit Paneldiskussion im Bukarester Kulturhaus „Friedrich Schiller“

Freitag, 19. Juni 2015

Paneldiskussion mit Christiane Cosmatu (2. v. links), Dr. Klaus Fabritius (links) und Alex Robert Roi (rechts), Moderation: Nina May
Foto: George Dumitriu

„Freiheit in Kinderschuhen“ titelt der Film von Uwe Pelger und Joachim Stall, der über die Zeit vor dem Fall des Eisernen Vorhangs und die Flucht oder Abwanderung Hunderttausender Deutscher aus dem ehemaligen Ostblock berichtet. Ihr Hauptmotiv? Die Sehnsucht nach Freiheit und der Wunsch, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. 25 Jahre nach dieser bewegten Zeit soll der Film nun Jugendliche, die ein durch den Eisernen Vorhang geteiltes Europa nicht mehr miterlebt haben, zum Nachdenken anregen: Was bedeutet überhaupt Freiheit? Wie gehen wir mit diesem Gut um? Ist Freiheit selbstverständlich?

Ein erneut hochaktuelles Thema in Anbetracht der Flüchtlinge, die aus Kriegs- und Krisenländern heute nach Europa strömen, auch sie auf der Suche nach Freiheit. In einem Interview mit der „Siebenbürgischen Zeitung“ bekennt Uwe Pelger: „Als ich nach Deutschland kam, steckte ich noch in Kinderschuhen, ich musste Freiheit erst erlernen. Jetzt muss man sich mit denen auseinandersetzen, die nun in den Kinderschuhen stecken. Man muss unseren Kindern sagen, dass Freiheit nicht selbstverständlich ist.“ Nach seiner Premiere anlässlich des Sachsentreffens in Dinkelsbühl am 24. Mai und einer kurz darauf folgenden Ausstrahlung im Bonhoeffer-Zentrum Stuttgart wurde der von Freiwilligen produzierte und mit Crowdfunding finanzierte Film am 11. Juni auch im Bukarester Kulturhaus „Friedrich Schiller“ vor den Schülern der zehnten Klasse des Goethe-Kollegs gezeigt. Initiiert hatte die Veranstaltung der Verein der Europäischen Föderalisten in Rumänien/Asociaţia Federaliştilor Europeni din România (AFER).

Neben der Darstellung der persönlichen Geschichte von Pelger kommen in dem Film Menschen zu Wort, die aus Rumänien oder der DDR geflohen oder ausgewandert sind; außerdem deutsche Politiker wie Ex-Außenminister Hans Dietrich Genscher, der diese Zeit hautnah miterlebt und -gestaltet hat, oder Altbundespräsident Horst Köhler, selbst ehemaliger DDR-Flüchtling. Aber auch jene, die nach der Wende in den einstigen Ländern jenseits des Eisernen Vorhangs geblieben sind , um Aufbauarbeit zu leisten, wie Sara Dootz und Caroline Fernolend aus Deutsch-Weißkirch/Viscri. Nicht zuletzt auch diejenigen, die immer wieder zurückkehren, um sich in ihrer alten Heimat in sozialen Projekten zu engagieren, wie der Rocksänger Peter Maffay. „Was mich auch motiviert hat, den Film zu drehen, war, dass ich nach der Finanzkrise den Eindruck hatte, dass Europa wieder auseinanderdriftet“, bekennt Pelger in der „Siebenbürger Zeitung“. „Da ich schon ein geteiltes Europa erlebt habe, dachte ich, ich müsse mal sagen, wie das mit einer Teilung tatsächlich ist.“ Auch das immer noch bestehende Ost-West Gefälle, der zunehmende Nationalismus und die Angst vor „Sozialtourismus“ in die Wohlstandsländer stellen potenzielle Risiken für die Einheit Europas dar.

Im Anschluss an den Film fand eine Paneldiskussion statt, mit Christiane Cosmatu, Unterstaatssekretärin im Departement für Interethnische Beziehungen, Dr. Klaus Fabritius, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in der Altreich-Region, und Alex Robert Roi, Generalsekretär von AFER, als Gäste. Thematisiert wurden der Umgang mit Freiheit in den letzten 25 Jahren und die damit verbundene Verpflichtung ihrer Erhaltung als mündiger Bürger, sei es durch Teilnahme an Wahlen, Volontariate, Gründungen von NGOs, Demonstrationen und Bürgerinitiativen etc., aber auch die geleistete Aufbauarbeit am Beispiel der Anwesenden – etwa die Organisation des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien und der Erhalt des deutschen Schulwesens. Nicht zuletzt die Brückenfunktion, die  verbliebene Rumäniendeutsche und in Deutschland lebende Rumäniendeutsche und Rumänen mittlerweile politisch, wirtschaftlich und kulturell ausüben. Interessant auch das Phänomen der Rückkehrer: Etwa 1000 Siebenbürger Sachsen haben nach Angaben von Fabritius ihren Lebensschwerpunkt in den letzten Jahren wieder nach Rumänien zurückverlegt und z. B. in Biobauernhöfe , Tourismus oder andere Wirtschaftszweige investiert. Der deutschsprachige Film soll nun mit rumänischen Untertiteln versehen werden und im Herbst zusammen mit den Machern auf eine Tournee durchs ganze Land gehen, verrät Corina Ochea von AFER.

Kommentare zu diesem Artikel

cristina, 20.06 2015, 14:44
man sieht entlang der Bundestraße zwischen Kronstadt und Hermannstadt die Häuser der "Rückkehrer": restauriert, gepflegt, aber mit heruntergelassenen Rollos ( zumindest um dieser Jahreszeit)

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