„Wie vor 2000 Jahren, oder mit der Seilbahn“

Naturschutzorganisation gegen Eingriff in Schutzgebiet „Natura 2000“ im Ţarcu-Gebirge

Dienstag, 10. Juli 2012

Romeo Dunca muss jetzt sein Projekt umdenken – wenn er es sich nicht überlegen sollte.
Foto: Zoltán Pázmány

Der Temeswarer Abenteurer, Extremsportler und Unternehmer Romeo Dunca ist schockiert: Sein Großprojekt zur Erschließung des Nedeia-Plateaus im Ţarcu-Massiv durch Errichtung eines 155 Hektar großen Skigebiets ist von der Verwaltung des Naturschutzgebiets Natura 2000 – Munţii Ţarcu negativ beschieden worden. Das Projekt, das zuerst durch einen großen Schmiergeldskandal auffiel (der Bürgermeister von Zăvoi, in dessen Verwaltungsgebiet das Projekt entwickelt werden sollte, hatte 50.000 Euro Schmiergeld gefordert und zum Teil erhalten, was zur DNA-Anzeige durch Dunca und zur Verhaftung des ehemaligen Frunzăverde-Intimus Gheorghe Bunei und seiner Söhne geführt hat – ADZ und BZ berichteten) und später immer wieder kleine Wirbel durch fundierte oder erfundene bürokratische Hürden bewirkte, steht unter einem unglücklichen Stern.

Grundsätzlich sollte es eine der größten Investitionen in einem investitionsarmen Landstrich wie dem Banater Bergland werden, dieser Skitraum des Bergnarren Dunca aus Temeswar. Und entsprechend des Umfangs dieses Traums sind auch die Reaktionen auf das Nein der Naturschützer zum Raumordnungsprojekt, das sie befürworten sollten. Sowohl die Bewohner von Zăvoi – der Gemeinde als Ko-Investor (durch den zur Verfügung gestellten Grundbesitz) sollte aus der Investition ein regelmäßiges Einkommen für ihren Haushalt zufließen – als auch die Lokalpresse des Banater Berglands sind empört über die Umweltschutzorganisation „Altitudine“, der die Verwaltung der 58.000 Hektar von Natura 2000 – Munţii Ţarcu anvertraut ist. 

Was schützen die Umweltschützer?

Nicht ganz zu unrecht fragen sie sich – allerdings leidlich spät! – ob die Naturschützer eigentlich im Detail wissen, was sie hier schützen? Denn als Fakt ist inzwischen herausgekommen, dass außer Gemeinplätzen („das Projekt kann einem Habitat, das als sehr selten für Europa angesehen wird, schaden“, heißt es im Begründungsschreiben seitens „Altitudine“, ohne irgendeine Präzisierung, was wirklich gefährdet wird) und dem kategorischen Nein der Verwaltung des Naturschutzgebiets („Der Projektvorschlag und die Evaluationsstudie sind sehr aufmerksam vom wissenschaftlichen Beirat von Natura 2000 – Munţii Ţarcu analysiert worden und dieser schlussfolgerte, dass die Investition einen negativen Einfluss haben kann auf das geschützte Gebiet.“) eigentlich nur an die Oberfläche kommt, was bei der von der EU in den 1990er Jahren eingeforderten Nominalbestimmung der Schutzgebiete in den rumänischen Karpaten nur unklar definiert wurde: Was genau wird wo von wem wie lange geschützt und zu welchem Zweck, bzw. aus welchem Grund? 

Letztendlich stellt sich einmal mehr heraus, dass die seinerzeitige Eile, mit der den im EU-Beitrittsvertrag Rumäniens eingegangenen Verpflichtungen nachgekommen wurde, zu oberflächlicher Arbeit führte und dass auch anschließend keine grundsätzlichen wissenschaftlichen Fundierungen der bereits ausgewiesenen „Natura 2000“-Schutzräume folgten. Die Verwalter des Naturschutzgebiets haben bis heute keine Inventur der Besonderheiten dieses Naturschutzgebiets durchgeführt, und haben nur festgehalten, was man sowieso schon wusste: Dass es Almwiesen in 2000 Meter Seehöhe sind, wo u. a. viele halb verwilderte Pferde frei herumlaufen. 

Skigebiete sind problematisch

Andrerseits ist es eine Tatsache, dass die Anlage von Skigebieten durchaus keine harmlose Angelegenheit ist – nicht umsonst waren Dunca und seine Mitinvestoren bereit, jährlich acht Prozent des Nettoeinkommens vom Skigebiet an die Verwaltung des Schutzgebiets weiterzuleiten... Wenn man sich die österreichischen, italienischen, Schweizer oder bayerischen Alpen mit kritischem Blick anschaut, weiß man auch, warum: Es geht darum, dass mit der wachsenden Freizeitindustrie die Zersiedlung („Zivilisierung“) und (oft durchaus nicht sanfte) Umgestaltung der Landschaft einhergeht.

Umsonst erklärte Romeo Dunca vor und nach dem Njet der Naturschützer zu seinem Investitionsanspruch auf 0,2 Prozent des Naturschutzgebiets: „Wir haben versucht, die Eingriffe in die Natur auf ein Minimum zu beschränken, die Umwelt je weniger zu verändern. Der Mensch wird sich dort bewegen wie vor 2000 Jahren. Oder, wenn er möchte, mit der Seilbahn und der Gondel fahren.“ Nur ist kein Skigebiet in der Nutzungspraxis so harmlos wie (auch) von diesem Investor dargestellt.

„Altitudine“ hingegen gibt zu, dass es noch keine Inventurstudie über die Pflanzen und Tiere und deren Habitate gibt, die auf dem 58.000 Hektar großen Schutzgebiet vorkommen, selbstverständlich auch nicht über deren Rarität, geschweige denn über die Besonderheiten und den Seltenheitswert der Habitate und Einzellebewesen auf den von Dunca zu seiner Investition beanspruchten 155 Hektar. 

Ein Alternativtürchen blieb offen

Am 22. Februar, als sich die Investoren, die Gemeinde Zăvoi als administrativer Besitzer des Gebiets (und deren Bewohner als potenzielle Nutznießer und private Ko-Investoren – beispielsweise durch die Einrichtung von Unterkünften), die Geschäftsleute, die bereits Pensionen in der Talstation des künftigen Skigebiets betreiben, sowie die in Arad ansässige Umweltschutzorganisation „Altitudine“ in Zăvoi zusammengesetzt hatten, war von alldem keine Rede. Eitel Friede, Freude, Eierkuchen herrschte und man spann bereits sonnigst-schneeige Zukunftspläne. 

Auf dieser öffentlichen Versammlung, wo Argumente für und wider die Investition vorgebracht, argumentiert und eventuell erklärt werden sollten, waren alle Teilnehmer dafür. Ziemlich bedingungslos. Daher auch der seinerzeitige Optimismus des Hauptinvestors. Im Moment sitzt nun der Schock fast so tief wie damals die Zuversicht. 

„Altitudine“ ließ in einem Nebensatz ein Hintertürchen offen: „Wir haben volles Verständnis dafür, dass dieses Projekt der Gemeinde Zăvoi wirtschaftliche Vorteile erbringen würde. Leider führt die Tatsache, dass dieses Projekt ein Habitat stört, das auf europäischem Niveau als sehr selten eingestuft wird, dazu, dass es im vorgeschlagenen Raum nicht realisiert werden kann.“ 
Man versteht: An anderer Stelle könnte es gehen. Im Naturschutzraum nicht.

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