Wieder Kulturtage in der Gemeinde Nitzkydorf

Anfang August: Drittes Kultursymposium „Banatschwäbische Kulturwerte im Wandel der Zeit - neue Impulse”

Mittwoch, 18. Juli 2018

Eine vorbehaltlose Annäherung und ein ernsthaftes Bemühen um das banatschwäbische Kulturerbe heute in einer ehemaligen Banater deutschen Gemeinde - das ist die  im Banat nach der Wende nicht alltägliche Initiative des jungen Rumänischlehrers Tiberiu Buhnă-Dariciuc aus der ehemaligen Nitzkydorfer Dorfschule der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller - hat unerwartet schöne Früchte gebracht. In gleichem Maß für die ehemalige ausgesiedelte deutsche Bevölkerung wie auch für die neue, zugewanderte rumänische Einwohnerschaft des Ortes, etwa 25 Kilometer von Temeswar in der Banater Hecke.

Kultur bringt ungeahnte Früchte

Unter tatkräftiger Unterstützung durch die HOG Nitzkydorf, derer Vorsitzenden Dr. Hella Gerber wurde als Gemeinschaftsprojekt mit der Gymnasialschule, der Kommunalverwaltung und auch des neugegründeten DFD Nitzkydorf nicht nur dieses und nun alljährlich abgehaltene Symposium zum Thema banatschwäbischen Kulturerbes in Nitzkydorf  als nachahmenswertes Banater deutsch-rumänisches Kulturereignis gestartet. Gleich einem Schneeballeffekt zog die Kultur  im Ort neue Initiativen und gemeinsame Projekte mit sich: Erstens wurde die schöne Tradition des Kirchweihfestes im Heimatort, nach etlichen Jahren, diesmal als gemeinsames Fest mit der rumänischen Bevölkerung, wieder aufgenommen. 2015 wurde das 230.Gemeindejubiläum groß gefeiert. Das Schulmuseum  hat eine beachtlich ausgestattete Sonderecke „Herta Müller“, und die Schulbibliothek den Namen des zweiten hier geborenen Banater Autors, Balthasar Waitz, erhalten. Im Herbst 2017 wurde hier ein deutsches Lokalforum, eine passende Plattform nicht allein für die Kulturtätigkeit, gegründet: Das Forum erfüllt nämlich eine starke Brückenfunktion zu der HOG Nitzkydorf, zu dem DFDB, zu der rumänischen Ortsgemeinschaft usw. Ein besonderes Anliegen der HOG Nitzkydorf und der Gemeindeverwaltung wurde heuer restlos erfüllt: Die vor einigen Jahren gegründete schwäbische Kindertanzgruppe unter Leitung von Lehrerin Margareta Dragoș erhielt heuer nicht nur  den Namen „Kornblumen Nitzkydorf“ sondern auch mit einer großzügigen Finanzierung durch die HOG und der Kommunalverwaltung neue schwäbische Volkstrachten. Diese Initiative führte dazu, dass die Gemeindeverwaltung nun verstärkt die Tätigkeit der deutschen wie auch der rumänischen Tanzgruppe der Gemeinde unterstützt. Zu erinnern sei auch an ein gar international beachtetes Dorfprojekt: Auf Initiative der HOG hat die Gemeindeverwaltung die malerischen alten und dem Verfall überlassenen Gassenbrunnen aus der Ansiedlungszeit saniert. Seit ein paar Jahren überrascht selbst der alte Dorffriedhof seine Besucher: Auf dem nun durch das Jahr gepflegten Friedhof zünden die Schulkinder  alljährlich zu Allerheiligen Hunderte Kerzen auf den Ahnengräbern der ehemaligen schwäbischen Dorfbewohner an. Die HOG finanziert derzeit nach dem Abschluss der Reparaturarbeiten an der Kirchenorgel Arbeiten zur Erneuerung der Kirchenfassade und der Umzäunung. Die zahlreichen Besucher aus dem In- und Ausland erwartet heuer am 3. August , zu Beginn der diesjährigen Kulturtage, am Dorfrand eine angenehme Überraschung: Die Gemeindeverwaltung wird bei der Dorfeinfahrt in festlichem Rahmen ein zweisprachiges, deutsch-rumänisches Ortsschild enthüllen.

Erfolgreiche Sanierung der Wegenstein-Orgel

Die Restaurierung der wertvollen Orgel in der römisch-katholischen Pfarrkirche Nitzkydorf galt schon vor der Wende, erst recht nach der starken Auswanderungswelle der Banater Schwaben als eines der wichtigsten Anliegen der ehemaligen deutschen Bevölkerung und vor allem der HOG. An Versprechen und Initiativen fehlte es nicht, zu der Durchführung dieses Projekts kam es jedoch meist wegen den damit verbundenen hohen Kosten letztlich doch nicht. Erst die neue Leitung der Heimatortsgemeinschaft Nitzkydorf unter Dr. Hella Gerber machte ernst damit und stellte die Finanzierung bereit. Die 100jährige Wegenstein- Orgel, ein Dorfsymbol und ein treuer Begleiter in allen Lebenssituationen für die ehemalige und die jetzige Nitzkydorfer Bevölkerung wurde nun heuer nach mehrwöchigen Reparaturarbeiten fachgerecht saniert: Im Juni schloss das damit betraute Arader Team von „Rest Art Restaurări“ mit Andreas Sas, Kantor der Neuarader römisch-katholischen Pfarrkirche, seine nicht leichten Arbeiten erfolgreich ab. Man erinnert sich daran, dass der Banater Organist Franz Metz beim Festgottesdienst im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten 2015 schon darauf gespielt hatte. Die nun feierliche Einweihung der renovierten Kirchenorgel wird am 3. August mit einem abendlichen Orgelkonzert unter Leitung von Dr. Franz Metz gemeinsam mit dem Bariton Wilfried Michl und dem Frauenchor FIS aus Biberach/Rissegg begangen. Die Orgel wird natürlich in neuem Klange auch beim Kirchweihgottesdienst am 4. August erklingen.    

Kultursymposium erlebt seine III. Auflage

Als Herzstück der diesjährigen Kulturtage in Nitzkydorf, veranstaltet von der HOG, der Gemeindeverwaltung, der Gymnasialschule und dem Lokalforum Nitzkydorf, gilt selbstverständlich das Kultursymposium mit dem Titel  „Banatschwäbische Kulturwerte im Wandel der Zeit – neue Impulse“. Das zweitägige Event (3.-4. August) läuft heuer unter dem suggestiven Motto des aus Nitzkydorf stammenden und auch heuer in die Veranstaltungen eingebundenen Autors Balthasar Waitz: „Nichts ist vergangen, nichts ist verloren“. Nach dem schon erwähnten Empfang am Dorfrand in Erinnerung an die ehemalige blühende deutsche Gemeinde, findet die offizielle Eröffnung in der Schule statt. Grußworte sprechen Bürgermeister Dănuț Drăghici, die HOG-Vorsitzende Dr. Hella Gerber, Hildegard Anghelaș, Vorsitzende des DFD Nitzkydorf, die Schuldirektorin Adelina Briscan. Die festliche Übergabe der wertvollen Schenkung der Privatbibliothek der Temeswarer Schriftsteller Annemarie Podlipny-Hehn und Constantin Gurău an die Nitzkydorfer Schulbibliothek schließt sich an. Eröffnet werden zudem zwei Ausstellungen: „Bilderwelt des Banater Malers Franz Ferch“, erstellt von Peter Krier in Zusammenarbeit mit Hans Rothgerber, die in Teilen gezeigt wird, sowie eine Fotoausstellung von Alex Zarin und Tiberiu Buhnă-Dariciuc. Nach einer Mittagspause referiert Annemarie Podlipny Hehn (Temeswar)  über „Franz Ferch und die Heimat, die Banater Landschaft“, Balthasar Waitz stellt den neuen Lyrikband von Constantin Gurău (†) vor, während Erwin Josef Ţigla einen Vortrag zum Thema „Alexander Tietz und seine Welt“ aus Anlass des 120. Geburtstags und 40. Todestags des bekannten Banater Volkskundlers hält. „Ein Leben mit Terzen. Das dörfliche Musikleben bei den Banater Schwaben“ lautet der Titel eines Vortrags von Dr. Franz Metz. Zum Abschluss wird der Schriftsteller Balthasar Waitz seinen Roman „Das rote Akkordeon“ vorstellen. Es ist eine musikalische Vorstellung, begleitet von einem aus Sindelfingen mitgebrachten „Original Nitzkydorfer roten Akkordeon“ und einem Originalnotenheft aus dem Besitz des ehemaligen Nitzkydorfer Kapellmeister Anton Sibla (†). Die ehemalige Nitzkydorferin Inge Stöckl übernimmt den musikalischen Teil. Nach der Einweihung der vom Bürgermeisteramt renovierten Kapelle und einem Ahnengedenken auf dem Friedhof (17 Uhr)  bildet das von Franz Metz geleitete Kirchenkonzert den krönenden Abschluss des ersten Tages. Es wirken mit: Wilfried Michl (Bariton), Alexandra Guțu (Violoncello), Dr. Franz Metz (Orgel) sowie der Frauenchor FIS aus Biberach/ Rissegg unter der Leitung von Monika Lessmeister. 

Am folgenden Tag, dem 4. August, wird das traditionelle Kirchweihfest gefeiert. Die neu gegründete schwäbische Trachtengruppe „Kornblumen Nitzkydorf“ fiebert dabei ihrem ersten Auftritt entgegen. Die Ausstattung der Kindergruppe mit Nitzkydorfer Kirchweihtrachten wurde durch das DFDB, die Gemeinde und die HOG unterstützt. Der Kirchweihzug wird vom Vortänzerpaar Raul und Andreea Băltășescu-Anghelaș angeführt. Mit dabei sind auch Trachtenpaare aus Deutschland, die lokale  rumänische Tanzgruppe, schwäbischen Tanzgruppen aus Busiasch, Detta und Temeswar. Der Gottesdienst, im Anschluss an die Einladung der Ehrengäste, beginnt um 11 Uhr. Am Nachmittag erfolgt die Straußversteigerung und der Tanzreigen auf dem Kirchweihplatz. Das Rahmenprogramm für Kinder und das traditionelle Kegeln um den Schafbock werden von Herbert Zirk (Busiasch) gestaltet. Der Abend klingt mit einem Kirchweihball aus. Musikalisch umrahmt wird das Ereignis von der Musikkapelle Banater Schwaben Augsburg unter der Leitung von Werner Zippel. Zu diesem Anlass organisiert die HOG Nitzkydorf vom 31.Juli bis zum 8. August eine Busreise. Dadurch bestehen zusätzliche interessante Möglichkeiten zum Wiedersehen mit der alten Heimat: So am 2. August die Deutsche Wallfahrt in Maria Radna (2. August), ein Besuch in Temewar mit Stadtführung und ein Besuch in Bad Busiasch mit einem Konzert an der Kolonnade im Kurpark (5. August), abschließend eine Reise ins Banater Bergland (6.August). (BZ)

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