Wieder mal Schreibzeit

Eindrücke von der Jugend-Literatur-Werkstatt Graz

Montag, 04. August 2014

Das sind die diesjährigen Teilnehmerinnen der Jugend-Literatur-Werkstatt Graz.

Kritische Diskussionsrunde: Täglich trafen sich die Mitglieder der Werkstatt, um sich gegenseitig die Texte vorzulesen und anzuregen.

Geschrieben wurde überall. Die Mädchen suchten einen ruhigen Ort, wo sie sich konzentrieren konnten.
Fotos: die Verfasserin

Magst du es, literarische Texte zu verfassen, sei es Prosa, Lyrik oder Sonstiges? Dann ist die Jugend-Literatur-Werkstatt Graz, die im Rahmen des Literaturhauses Graz organisiert wird, der richtige Ort für dich. Die Literaturwerkstätten, die jährlich stattfinden, werden vom Land Steiermark finanziert. Sie werden meistens im Sommer veranstaltet. Es gibt auch für ältere Teilnehmer Workshops, die allerdings an Pfingsten stattfinden.

Während der Werkstattwochen kommen Jugendliche aus ganz Europa zusammen, um einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen nachzugehen, nämlich dem Schreiben. Sie schließen dabei nicht nur neue Freundschaften mit anderen Jugendlichen aus den verschiedensten Ecken Europas, sondern lernen auch, ihren Schreibstil während Kritikrunden zu verbessern. I

nitiator ist Martin Ohrt. Seit 20 Jahren veranstaltet der 51-jährige Schriftsteller die internationalen Literaturwerkstätten für Jugendliche. Die  Literaturwerkstätten finden an zahlreichen Orten statt: Steinberg, Hartberg, am Retzhof, Hart, Knivsberg, Alberndorf oder Deutschfeistritz. Die Teilnehmer werden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die kleine Gruppe besteht aus Jugendlichen zwischen 8-13 Jahren und die große Gruppe aus denen die zwischen 14-19 Jahre alt sind. Dieses Jahr war ich bei der Literaturwerkstatt von Hartberg dabei. Sie fand zwischen dem 14. und 19. Juli statt. Es war wie jedes Mal eine bunte Gruppe: Es nahmen acht Mädchen aus vier verschiedenen Ländern teil – aus Österreich, Rumänien, Belgien und Deutschland. Es gab zwei Mädchen aus Österreich, vier aus Deutschland, eine aus Belgien und eine aus Rumänien. Die Betreuer, die auf uns aufgepasst haben, waren Johannes Brodowski aus Leipzig und Georg Petz aus Wien. Petz war Teilnehmer beim diesjährigen Bachmann-Preis von Klagenfurt.

Zetteldämmerung neben Graz

Am Tag der Anreise mussten wir uns um 18 Uhr treffen. Weil ich drei Stunden früher ankam, hatte ich ein wenig Zeit, um das Hotel und die Gegend zu besichtigen. Genau neben dem Hotel, wo wir untergebracht worden sind, gibt es nämlich den wunderschönen Schlosspark. Als die anderen dann auch ankamen, konnten wir erstmals essen gehen, da wir nach dem langen Weg müde und hungrig waren. Einige von uns hatten eine weite Anreise. Nach dem Essen gingen wir in die Stadt und zwar am Hauptplatz. Dort fanden in einem der alten Gebäude unsere Kritikrunden statt.

Zuerst lasen wir einen unserer Texte vor, damit sich unsere Betreuer sowie die anderen Teilnehmer einen Eindruck über unseren Schreibstil machen konnten. Die Mehrheit bevorzugt traurig, nostalgisch und äußerst düster zu schreiben. In ihren Texten geht es oft um traurige Erlebnisse. Es kommt meistens eine trübe Stimmung auf. Eine von ihnen schreibt lieber ironisch. In den Texten einer anderen Teilnehmerin erkennt man dagegen einen Hauch von Erotik. Ich liebe es, lustige und lebhafte Texte zu schreiben, die Menschen zum Lachen zu bringen. Nachdem wir uns gegenseitig die eigenen Werke, entweder aus den vorherigen Werkstätten, von zu Hause oder von Wettbewerben vorlasen, gingen wir zurück ins Hotel.

Dank dieser Werkstatt konnte ich zwei Freundinnen aus dem letzten Jahr treffen. Das Schöne an den Schreibzeit-Werkstätten ist, dass man neue Freundschaften schließt und jedes Mal die Chance hat, diese Leute wiederzutreffen und fünf tolle Tage mit ihnen zu verbringen. Ein paar der anderen Mädchen kamen dazu und wir plauderten, um uns besser kennenzulernen. Das passierte dann jede Nacht und wir freundeten uns schließlich an. Zusammen haben wir gelacht, erzählt und Marshmallows ins Kerzenfeuer gehalten.

Schreiben, schreiben,schreiben

Es folgten drei Tage in denen wir uns zwischen dem Schreiben, den Kritikrunden und natürlich den Freizeitaktivitäten aufteilen mussten. Täglich bekamen wir je fünf Themen, die uns zum Schreiben anregen sollten. Die Themen waren nicht verpflichtend, waren nur eine Stütze, wenn man selbst keine Ideen hatte. Über einen Ideenmangel konnten wir uns nicht beklagen, weil wir von der schönen Aussicht, die Hartberg uns bot, inspiriert wurden. Folglich entstanden genug schöne Texte, die zur Kritikrunde bereitgestellt werden mussten. Es gab je nach Fall vier oder fünf Kritikrunden am Tag. Das hing von der Anzahl der fertigen Texte ab.

Bevor die Teilnehmerinnen aber zum Vorlesen kamen, lasen die zwei Betreuer Ausschnitte aus verschiedenen Büchern vor. Damit es während der Kritikrunden zivilisiert zugehen sollte, wurde der grüne, stachelige Mombert herausgekramt. Die Regel lautete: Wer den grünen Ball hat, darf in der Runde sprechen und hat somit Leserecht. Die anderen müssen zuhören. Während eine von uns liest, müssen sich die anderen Notizen machen. Sie müssen aufschreiben, was ihnen an dem Text auffällt. Es können gute oder schlechte Dinge sein. Konstruktiver und hilfreicher ist es jedoch, wenn man die schlechten Punkte hervorhebt, um sie dann später zu korrigieren. Wenn etwas an der Struktur nicht stimmt, der Übergang mal zu plötzlich geschieht, das Ende zu knapp ist, eine andere Wortwahl besser passt oder eine Textstelle irgendwie verwirrend ist, muss es erläutert werden.

Natürlich kann man den Text auch loben, um zu zeigen, welches die starken Punkte sind. Sei es der Dialog, die Botschaft, der Aufbau und so weiter. Zuerst sagen alle TeilnehmerInnen eine nach der anderen was ihnen aufgefallen ist. Die Betreuer haben das letzte Wort, da sie ja auch die größte Erfahrung damit haben. Am besten ist es, wenn man sich alles aufschreibt, um später beim Korrigieren ein paar Anhaltspunkte zu haben. Nachdem man den Text einmal durcharbeitet und verändert, gibt man ihn einem der Betreuer zur Einzelkritik. Dieser muss sich den neuen, verbesserten Text noch einmal durchlesen und erneut korrigieren, falls nötig.

Der Schrecken eines jeden Schriftstellers ist das Wort „kürzen“ und es fällt oft während Einzelkritiken. Man muss nicht alles ändern oder viel kürzen, wenn man fühlt, dass es so nicht richtig ist. Es ist jedoch empfehlenswert die Ratschläge in gewissem Maß zu befolgen. Zwischen den Kritikrunden und den drei Mahlzeiten gab es Schreibzeit. Während dieser Zeit mussten wir also eifrig schreiben. Wir durften uns einen Ort aussuchen, wo wir in Ruhe an unseren Texten arbeiten konnten. Wenn einem mal nicht nach Schreiben war, oder man schon fertig war, besuchten wir die Stadt, besonders den Hauptplatz und den Schlosspark. Da wir in der großen Gruppe waren und alle zwischen 16-19 Jahre alt waren, mussten wir nicht ständig beaufsichtigt werden. Folglich konnten wir frei spazieren, solange man rechtzeitig zu den Kritikrunden und zum Essen wieder da war.

Neuer Band und Literaturwettbewerb

Die Texte mussten sich bis zur Abschlusslesung am Freitag in einer Endfassung befinden. Bis Donnerstag Abend hatten wir Zeit daran zu arbeiten. Einige von uns schrieben während der Werkstattwoche drei Texte, andere zwei und andere nur einen. Bei der Lesung mussten wir dann entweder den ganzen Text oder nur einen Auszug vorlesen. Da wir dieses Jahr aber eine kleinere Gruppe waren, hatte wir auch mehr Zeit. Jede von uns durfte ungefähr fünf bis sieben Minuten lesen. Die meisten durften sogar den ganzen Text vorlesen.

Dabei ist es wichtig, klar und deutlich zu sein. Die Lesung fand in der Stadtbibliothek statt und zwischen den Zuhörern waren auch die Eltern oder Verwandten der Teilnehmerinnen. Ich las beispielsweise den zweiten meiner Texte vor, „Eine gewichtige Erfahrung“ , die für Lacher sorgte. Gleichzeitig spielte sich ein Volksfest in Hartberg ab, denn schon am Mittag konnte man Männer in Trachten sehen und es ertönte Fanfarenmusik am Hauptplatz. Für die Abschlusslesung reiste auch Martin Ohrt an.

Nach der Lesung kehrten wir ins Hotel zurück. Am nächsten Morgen mussten wir nach dem Frühstück abreisen, also hatten wir nur noch diesen Abend um uns zu vergnügen. Es folgte die Abschlussfeier in dessen Rahmen wir uns im Garten des Hotels versammelten, damit uns die zwei Betreuer und Martin der Reihe nach alte Texte aus den ersten Schreibwerkstätten vorlasen. Danach las Johannes aus Rico Beutlich vor. Ich fand es genial.

Wir erzählten noch und lachten, bis es dann schließlich spät wurde und wir schlafen gingen, da Morgen der Tag der Abreise war. Am nächsten Morgen frühstückten wir und gingen dann einer nach der anderen weg. Weil wir uns befreundet haben, tauschten wir unsere Facebook-Adressen untereinander aus.

Wir warten jetzt auf den Erstdruck, also einen Band, in dem die Texte in ihrer finalen, durchgearbeiteten Form erscheinen werden. Das Literaturhaus Graz spielt dabei eine wichtige Rolle. Vielleicht werden wir uns nächstes Jahr wiedersehen. Vielleicht aber auch nicht. Tatsache ist, dass wir auch dieses Jahr etwas Neues gelernt und tolle Menschen getroffen haben. All das verdanken wir Martin, dem Mentor und Initiator der Werkstatt sowie dem Land Steiermark, der Alberndorfgemeinde und dem Kunstministerium, die das Projekt fördern.
Auch wenn die Schreibzeit Hartberg zu Ende gegangen ist, gibt es immer noch den diesjährigen Schreibwettbewerb. Das Thema ist „suchen“ und der Einsendeschluss ist der 30. September. Alle Jugendlichen zwischen 8-19 Jahren können daran teilnehmen. Mehr Infos darüber findet ihr auf der offiziellen Seite: www.literaturwerkstatt.at.

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