William Totok im Beirat des Instituts für Kommunismusforschung

Der Publizist erweckte mit Forschungen über antikommunistischen Widerstand Aufsehen

Dienstag, 04. Juni 2013

Premierminister Victor Ponta hat die Zusammensetzung des neuen wissenschaftlichen Beirats des Instituts für die Untersuchung der Verbrechen des Kommunismus und des Gedächtnisses des Rumänischen Exils – rumänisches Kürzel: IICCMER – unterzeichnet. Neben bekannten Gegenwartsforschern und Bürgerrechtlern aus Rumänien gehören dem neuen Beirat auch mehrere internationale Persönlichkeiten an, die sich entweder durch Kommunismusforschung hervorgetan haben oder ähnliche Institute ehemals kommunistischer Länder leiten. Inzwischen wurde die Liste mit den Beiratsmitgliedern im Amtsblatt „Monitorul oficial“ veröffentlicht.


Die Beiratsmitglieder

Zu den Mitgliedern des neuen wissenschaftlichen Beirats gehören Dennis Deletant, Professor für rumänische Studien an der School of Slavonic and East European Studies der University of London, der Historiker und Ex-Außenminister Adrian Cioroianu, Dekan der Geschichtsfakultär der Universität Bukarest, die ehemalige Präsidentenberaterin und Historikerin Zoe Petre, Professorin an der Bukarester Fakultät für Geschichte, der Politologe und Journalist Cristian Pârvulescu, Präsident des Vereins Pro Democraţia, Lukasz Kaminski, Direktor des polnischen Instituts des Nationalen Gedächtnisses, Mária Schmidt, Direktorin des ungarischen Museums „Haus des Terrors“, der Historiker und Siedlungsforscher Andrei Pippidi, Professor an der Fakultät für Geschichte der Universität Bukarest, Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Nicolae Manolescu, Politiker und Hochschullehrer an der Universität Bukarest, William Totok, Gründungsmitglied der Aktionsgruppe Banat, Schriftsteller, Politologe und ADZ/BZ-Mitarbeiter, heute Berlin, Stelian Tănase, Schriftsteller, Journalist und Hochschullehrer an der Fakultät für Politische Wissenschaften der Universität Bukarest, Matei Cazacu, Forscher am Conseil Nationale des Recherches Scientifiques in Paris, der Schriftsteller und Gegenwartsforscher Liviu Antonesei, Professor an der Fakultät für Psychologie und Erziehungswissenschaften der „Alexandru Ioan Cuza“-Universität von Jassy/Iaşi, Stephane Courtois, Historiker und Forschungsdirektor beim Conseil Nationale des Recherches Scientifiques in Paris.

Die antikommunistischen Widerständler

Der neue wissenschaftliche Beirat verleiht dem IICCMER nun eine unvergleichlich höhere Glaubwürdigkeit als in seiner bislang vorwiegend aufgrund politischer Zugehörigkeit zusammengesetzten Form. Auffallend ist in diesem neuen wissenschaftlichen Beirat die zahlenmäßig sehr starke Präsenz von Vertretern der Universität Bukarest, die überwiegende Mehrheit von Historikern und die Anwesenheit von William Totok. Totok hat in den letzten Monaten sowohl in Veröffentlichungen als auch in öffentlichen Auftritten in Bukarest – etwa bei der rumänischen Filiale des Simon-Wiesenthal-Zentrums und bei IICCMER – sachlich, aber bestimmt die Euphorie rumänischer Intellektueller (hauptsächlich genährt durch die Fernsehjournalistin Lucia Hossu-Longin mit ihrer Serie „Memorialul Durerii“/Memorial des Schmerzes) gedämpft hinsichtlich der Zusammensetzung der antikommunistischen Widerstandsgruppen in den Karpaten, die sich bis um 1958 gegen die kommunistische Staatsmacht und deren Verfahren bei der Machtübernahme gewehrt haben und fast durch die Bank ihren Widerstand mit dem Leben bezahlten.

Totok wies aufgrund seiner Forschungen in den Archiven des Inlandsgeheimdienstes Securitate nach, dass ein hoher Prozentsatz der Mitglieder antikommunistischer Widerstandsgruppen ehemalige Mitglieder der profaschistischen politischen Gruppierungen waren, was von seinen Gegnern und der sich in Rumänien langsam, aber stetig neu formierenden und konsolidierenden Rechten vehement verneint wird. Bei den jüngsten öffentlichen Auftritten von William Totok in Bukarest sind Mitglieder der Nachfolgeorganisationen der rumänischen Legionäre als Drohgebärde in ihren historischen Uniformen aufgetreten und haben anschließend in ihren online-Publikationen sowohl seine Ausführungen, als auch jene von Dennis Deletant aus der Sicht der rumänischen extremen Rechten zerpflückt.

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