„Willst du etwas für dein Land tun?“

Code for Romania programmiert für die Gesellschaft

Freitag, 09. Dezember 2016

Jeder kann Geld oder Zeit in Code for Romania investieren.
Foto: Code for Romania

Programmierer Lucian Ursu spricht über seine Tätigkeit im Rahmen der Organisation Code for Romania.
Foto: Aida Ivan

Das Kernteam der NGO, als diese vorgestellt wurde.
Foto: Code for Romania

Die Idee „code for“ („programmiere für) wurde zum ersten Mal vor sieben Jahren in den USA umgesetzt. Code for America ist eine Organisation, die die Meinung vertritt, dass die Regierung für und mit Menschen arbeiten soll. Ihr Ziel ist es, Dienstleistungen der Regierung einfach, benutzerfreundlich und leicht verständlich zu machen. Durch die gleichnamige NGO in San Francisco ist ein Netzwerk entstanden, das durch Programmieren Gemeinden sicherer und erfolgreicher machen will. Die NGO will Offenheit, Teilhabe und Effizienz in der Regierung fördern. Die amerikanische Tageszeitung Washington Post betrachtet Code for America als „das Technologieäquivalent für Peace Corps“.

Code for Romania

Web-Spezialisten mit zukunftsorientierter Herangehensweise haben sich auch in Rumänien nach diesem Modell versammelt. Code for Romania, eine Gemeinschaft von Experten im IT-Bereich, ist dieses Jahr entstanden. Diese entwickelt Lösungen, um Probleme der Gesellschaft zu beseitigen: Sie schaffen Apps für Bildung und Förderung der Kultur, Information und Zugang zu öffentlichen Daten, Bürgerengagement und Zusammenarbeit, Erleichterung des Zugangs zu öffentlichen Diensten.
Die Gemeinschaft wächst ständig und alle, die im Rahmen der Organisation arbeiten, tun dies freiwillig. Mitgründer Bogdan Ivănel und Răzvan Pavel –  insgesamt sind es sieben Gründer – haben Programmierer, Designer, Spezialisten für Geisteswissenschaften und Kommunikation zusammengetrommelt, um gemeinsam digitale Lösungen für die Herausforderungen der rumänischen Gesellschaft zu finden. Die Volontäre leben in verschiedenen Städten in Rumänien oder im Ausland, denn es spielt keine Rolle, wo man wohnt. Jeder arbeitet von zu Hause aus.
„Die Idee ist nach den Ereignissen im Club Colectiv aufgetaucht“, sagte Bogdan Ivănel in einem Interview für die rumänischen Medien. Das Ziel ist es, technologische Instrumente für soziale Zwecke zu entwickeln. Die NGO ist offen für Vorschläge: Die Ideen für die Projekte können von öffentlichen Institutionen oder von der Zivilgesellschaft kommen. Dafür gibt es ein Formular auf der Internetseite der Gemeinschaft, www.code4.ro. Das Ziel ist, dass alle Projekte, die von der Gemeinschaft durchgeführt werden, benutzerfreundlich sind und den Bedürfnissen einer möglichst großen Anzahl von Menschen entsprechen.

Diaspora-Wahl und weitere Projekte

Eines der Projekte wurde schon durchgeführt. „Vot Diaspora (Diaspora-Wahl) hat sein Ziel erreicht, es widmete sich Rumänen, die im Ausland wählen wollen: „Wir haben die Richtlinien des rumänischen Wahlberechtigten im Ausland zusammengefasst - aus dreißig Seiten haben wir ein Tutorial aus fünf Schritten gemacht. Dadurch dauert die Einschreibung nur noch eineinhalb Minuten, erklärte Iv²nel für die rumänischen Medien. Das Projekt wurde dem Publikum unlängst vorgestellt, Vertretern des Außenministeriums hat es gefallen, sagt Lucian Ursu, aktives Mitglied der NGO. Ein anderes Projekt der Organisation ist „Made in Romania“. Das Projekt will das Publikum über Projekte informieren, die mit europäischen Geldern  finanziert werden.  Die Benutzer sollen Zugang zu einem interaktiven Plan haben, wo sie sehen können, wer europäische Gelder bekommen hat und wie das Geld genutzt wurde. Später haben die Volontäre vor, Erfolgsgeschichten zu dokumentieren, die mit Unterstützung dieser europäischen Projekte möglich waren. Auf diese Weise sollen Unternehmer und öffentliche Institutionen ermutigt werden, diese Fonds abzurufen.
Durchgeführt werden „Brain Gain“ („Intelligenzgewinn“), „Welcome“ („Willkommen“), „Monitorizare Vot“ („Überwachung des Wahlgangs“) und Centru Civic („Zivilgesellschaftliches Zentrum“). „Brain Gain“ soll eine Kooperationsplattform für rumänische Forscher im Ausland werden, die das Ziel hat, dem Phänomen Brain Drain entgegenzuwirken. Durch „Brain Gain“ sollen Forscher zur Entwicklung von Online-Kursen für das rumänische Publikum beitragen. Das Projekt hat das Potential, eine digitale Denkfabrik zu werden.

Ein anderes Projekt der NGO ist die Überwachung des Wahlgangs. Es besteht aus einer Handy-App für die Leute, die als Beobachter seitens der NGO zur Wahl gehen. Die Leute, die den ganzen Prozess beobachten, werden im Laufe des Tages über die Geschehnisse berichten können, falls es Probleme gibt. „Wir können in Echtzeit sehen, wie die Situation aussieht, ob es sehr viele Beschwerden in einer bestimmten Region gibt“, sagt Ursu. Auch eine App für Bürger, die zur Wahl gehen und Probleme bemerken, wird es geben.  „Je aktiver Gemeinschaften werden, desto kräftiger wird die Gesellschaft. Und das kann zu einem besseren Rumänien führen“ wird auf der Internetseite der Organisation ausgeführt. Wer beitragen will, kann in diese Initiative Geld oder Zeit investieren. Attraktive Kompetenzen für die Gemeinschaft Code for Romania sind im Bereich Programmierung, Kommunikation, Design, Forschung und Datenanalyse.

Politiker unter die Lupe nehmen

Eine Person, die die Entscheidung getroffen hat, Zeit in diese NGO zu investieren, ist Lucian Ursu, der seit sechs Jahren in der IT-Branche tätig ist. Als langfristiger Volontär hat er zum ersten Mal bei Code for Romania gearbeitet. „Ich wollte mehr tun als nur jammern. Wenn ich mich beschwere, dann ändert sich nichts, ich werde nur gestresster. Wenn jeder rumänische Bürger etwas tut – auch eine Kleinigkeit, wird das etwas ändern. Ich kenne mich mit dem Programmieren aus. So habe ich gedacht, das kann mein Beitrag sein“, meint der IT-Experte. Von der Organisation hat Ursu im Sommer erfahren und nach einem Vorstellungsgespräch wurde er schnell aufgenommen. Zusammen mit ungefähr 15 Kollegen arbeitet Ursu seit ein paar Monaten an einem Projekt. Für den politischen Katalog ist ein großes Team nötig. Das Ziel ist, eine Datenbank zu schaffen, die Informationen über rumänische Politiker und Beamte enthält. Politiker werden ein eigenes Profil haben, wo man Informationen über die Aktivität im Parlament findet: Wurden ihre Vermögen kleiner oder größer? Hatten sie mal Probleme mit dem Gesetz? Die Profile von Ministern und Parlamentariern werden zuerst anvisiert. Danach konzentrieren sich die Volontäre auf Bürgermeister oder Vorsitzende von Kreisräten. Der politische Katalog wendet sich nicht nur an Bürger, die einfach mehr über Politiker wissen wollen, sondern auch an Wissenschaftler, die die rumänische Politik der letzten Jahre erforschen wollen.

Dokumente von der Antikorruptionsbehörde DNA und der Integritätsbehörde ANI werden dafür benutzt: „Wir wollen ein computergesteuertes System benutzen, um diese Informationen zu digitalisieren“, sagt Ursu. Manche Dokumente sind aber im PDF-Format oder wurden von Hand geschrieben. Weitere Volontäre werden gebraucht, denn „es gibt sehr viele Vermögensoffenlegungen. Wenn nur Freiwillige unserer Organisation sich mit dem Transkribieren beschäftigen, würde das wahrscheinlich Jahrzehnte dauern“.
Deshalb haben sich die Volontäre eine Lösung ausgedacht: Bald wird eine Internetseite gestartet, wo jeder, der ein wenig Freizeit hat und dem Land dienen will, Dokumente transkribieren kann, sagt Ursu. „Hast du fünf Minuten frei? Willst du etwas für dein Land tun? Zack! Hier anklicken“.

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