Wir gehören dazu – Dank und Verpflichtung

Bericht über den verregneten, jedoch gelungenen Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl

Donnerstag, 23. Mai 2013

Aus Tradition und Liebe zum Tanz – der Aufmarsch der Volkstanzgruppen

Die Umzugsteilnehmer versteckten die wertvollen Trachten vor dem Regen.

Der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Dr. Paul-Jürgen Porr, überreichte die Honterus-Medaille an Barbara Stamm, die Präsidentin des bayerischen Landtags. Stamm wurde für ihren Einsatz geehrt, den sie seit der Wende für eine Verbesserung der Verhältnisse in Rumänien und insbesondere in Siebenbürgen und im sozialen Bereich erbracht hat. Die Laudatio für die Preisträgerin hielt der Vorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Dr. Bernd Fabritius (r.).
Foto: Andrey Kolobov

Der Heimattag der Siebenbürger Sachsen fand, wie gewohnt, am Pfingstwochenende, vom 18. bis zum 20. Mai, in Dinkelsbühl (Bayern) statt. Die diesjährige Veranstaltung, die unter dem Motto „Wir gehören dazu – Dank und Verpflichtung“ stand, machte nach Meinung der Organisatoren die mittelfränkische Stadt zum „Nabel der siebenbürgisch-sächsischen Welt“.

Der Heimattag in Dinkelsbühl versammelte nicht nur rund 2000 Teilnehmer und 20.000 Gäste von nah und fern, sondern auch wichtige Vertreter der deutschen und rumänischen Politszene. Der Bayerische Ministerpräsident, Horst Seehofer, sowie der rumänische Außenminister Titus Corlăţean sprachen bei der Festkundgebung am Pfingstsonntag zu einem zahlreichen Publikum. Die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Barbara Stamm, bewies zum wiederholten Mal ihre Verbundenheit mit den Siebenbürger Sachsen und Rumänien: Sie wohnte dem Heimattag nicht nur bei, sondern wurde mit der Honterus-Medaille des Siebenbürgenforums ausgezeichnet. Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, richtete ein Grußwort an die Teilnehmer des Heimattags, welcher „von Jahr zu Jahr an Bedeutung gewinnt“. Zu den Hauptrednern der Eröffnungsveranstaltung am Samstag, den 18. Mai, gehörte Zülfiye Kaykin, Staatssekretärin für Integration beim Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Land, das vor 56 Jahren zum Paten des Verbandes der Siebenbürger Sachsen geworden ist. Christiane Cosmatu, Unterstaatssekretärin im Departement für Interethnische Beziehungen der rumänischen Regierung, vertrat das alte Heimatland. Die deutsche Bundesregierung wurde von Dr. Christoph Bergner, Mitglied des Bundestags und der Beauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten repräsentiert. Er nahm an der Podiumsdiskussion „60 Jahre Bundesvertriebenen- und Flüchtlingsgesetz – Dank und Verpflichtung“ zusammen mit dem Bundesvorsitzenden des Verbandes, Dr. Bernd Fabritius, zum Abschluss des Heimattages am Pfingstmontag teil. Das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR) wurde durch seinen Vorsitzenden, Dr. Paul-Jürgen Porr, vertreten.

Die feierliche Eröffnung des Heimattages fand am Samstag im Schrannen-Festsaal statt. In seinem Grußwort richtete Rainer Lehni, Vorsitzender der Landesgruppe Rheinland-Westfalen, die heuer Mitausrichter des Heimattages war, den Blick auf ein wichtiges Datum in der Beziehung zwischen der Bundesrepublik und den Siebenbürger Sachsen. Am 19. Mai jährte sich nämlich die Verabschiedung des Bundesvetriebenen- und Flüchtlingsgesetzes durch den deutschen Bundestag zum 60. Mal. „Dieses Gesetz steht für eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte in der Bundesrepublik Deutschland. Seine Verabschiedung stellte Weichen für die Integration vieler Millionen Menschen und ermöglichte somit den Wiederaufbau unseres Landes“, zitierte Lehni den Kulturstaatsminister Bernd Neumann. Die Siebenbürger Sachsen haben sich in Deutschland „vorbildlich eingelebt, ohne dabei die Herkunft und die Heimat zu vergessen“, stellte Lehni fest. Der Einsatz für die Gemeinschaft sei die Verpflichtung, der auch die junge Generation nachgehen muss. Das Thema wurde vom Dinkelsbühler Bürgermeister, Dr. Christoph Hammer, aufgegriffen. Er sah in dem Motto des diesjährigen Heimattages den „wohlwollenden Dank für die Hilfe, die Siebenbürger Sachsen durch das Gesetz und die Gesellschaft erfahren haben“. Der Dank sei jedoch mit der Verpflichtung verbunden, die sächsische Kultur als Teil der deutschen Kultur zu pflegen und zu fördern.

Das Thema Integration bestimmte auch die Rede von Staatssekretärin Zülfiye Kaykin, welche die Grüße der Regierung sowie der Ministerpräsidentin des Patenlandes Nordrhein-Westfalen überbracht hat. „Ich habe hohen Respekt vor den Menschen, die trotz allem Leid an der Einigung Europas und an der Aussöhnung ehemals verfeindeter Nationen mitgewirkt haben. Sie haben erreicht, dass aus Nachbarn Partner, aus Partnern Verbündete und sogar Freunde werden“, sagte Kaykin. Die Geschichte der Siebenbürger-Sachsen lehre uns, dass Zukunft nur miteinander und nie durch Ausgrenzung oder Gegeneinander gestaltet werden kann, schlussfolgerte sie. Die Integrationsfähigkeit der Siebenbürger Sachsen unterstrich in seinem Grußwort der Vorsitzende des DFDR, Dr. Paul-Jürgen Porr: „Ob in Deutschland, Kanada oder den Vereinigten Staaten haben sie sich perfekt integriert und sind zu loyalen Bürgern ihrer neuen Heimat geworden, ohne ihre Herkunft und Traditionen aufzugeben“.

Eine dieser Traditionen ist die Teilnahme am sonntäglichen Gottesdienst. Die Predigt in der St.-Paulus-Kirche hielt der Bischofsvikar der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, Dr. Daniel Zikeli. Zum ersten Mal entschied man sich für einen Abendmahlsgottesdienst. Auch nach dem Gottesdienst waren die Kirchenbänke besetzt: Viele Menschen blieben, um der Verleihung der Honterus-Medaille, des Siebenbürgisch-Sächsischen Jugendpreises und des Kulturpreises beizuwohnen. Die zum ersten Mal beim Heimattag in Dinkelsbühl verliehene Honterus-Medaille ging an die Präsidentin des bayerischen Landtages, Barbara Stamm, für ihren langjährigen und unermüdlichen sozialen Einsatz in Siebenbürgen und anderen Teilen Rumäniens. Bernd Fabritius, der die Laudatio hielt, scherzte: „Barbara Stamm kommt nach Rumänien nicht als Staatsgast, sondern als Gastarbeiterin“. Der siebenbürgische Reformator wäre stolz auf Stamm gewesen, da sie „die soziale Reformation in Rumänien eingeleitet hat“, meinte Fabritius. Die Medaille wurde vom DFDR-Vorsitzenden Dr. Porr überreicht. „Ich habe mein Herz in Siebenbürgen verloren. Dasselbe gilt aber auch für das Banat“, erklärte Stamm in ihrem Dankeswort. Der Jugendpreis, der heuer zum 20. Mal verliehen wurde, ging an den Pfarrer Wolfgang Rehner für „stetige Leistungen im Dienste der siebenbürgisch-sächsischen Jugendarbeit“. Mit dem Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis wurden die gebürtigen Hermannstädter Heinz Acker und Franz Hodjak geehrt.

Der Auftritt der zahlreichen Volkstanzgruppen vor der Schranne dauerte zwar gute drei Stunden, jedoch lichteten sich die Zuschauerreihen nicht. Bei strahlender Sonne und leichtem Wind war es ein Vergnügen, den Darbietungen der jungen und junggebliebenen Tänzer zuzusehen. Wie groß die Anzahl der Tänzer war, zeigte der gemeinsame Aufmarsch zum Abschluss der Tanzveranstaltung. Was als leichte Brise begann, entwickelte sich zu einem ausgewachsenen Sturm, der zwar die Regenwolken brachte, sich aber bald wieder legte. Immer mehr Menschen sahen besorgt gen Himmel. Beim Festumzug hatten beinahe alle Teilnehmer ein zusätzliches Accessoire – einen Regenschirm.
Seit 1951 organisiert der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland den Heimattag in Dinkelsbühl als ein „sichtbares Zeichen der siebenbürgisch-sächsichen Gemeinschaft“. Seinen Höhepunkt stellt zweifelsohne der Trachtenumzug mit anschließender Kundgebung vor der Schranne am Pfingstsonntag dar. Heuer beteiligten sich daran 94 Gruppen, darunter als Gäste die Tanzgruppe „Regenbogen“ aus Bistritz/Bistriţa sowie die Kinder- und Volkstanzgruppen aus Wels (Österreich). Selbstverständlich marschierten auch die Landesgruppen Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg sowie die Regionalgruppen Repser Umgebung, Burzenland, Nordsiebenbürgen, Schäßburger Land, Harbachtal und Großschenker Raum, Zwischenkokelgebiet, Hermannstadt und Umgebung, Mediasch und schließlich Unterwald mit. Die Vielfalt und die Farbenpracht der Trachten wurden von den unzähligen Zuschauern mit Begeisterung aufgenommen. Für die musikalische Begleitung des Umzugs sorgten acht Blaskapellen sowie die Dinkelsbühler Knabenkapelle, deren junge Mitglieder den Festzug anführten.

Das „gute“ Wetter reichte gerade für einen Durchgang des Festzuges. Als die ersten Gruppen zum zweiten Mal den Platz vor der Schranne erreicht hatten, kam der Regen. Die Festredner sowie die Gäste der Kundgebung versteckten sich unter den Regenschirmen und -umhängen. Der Verbandsvorsitzende Dr. Fabritius kürzte seine Rede um einige Seiten. Abschließend sprach er drei Wünsche aus, die er der Europarede des Bundespräsidenten Joachim Gauck entnahm und dem Motto des Heimattages entsprechend verändert hatte. Erstens rief er die Zuhörer dazu auf, nicht gleichgültig zur eigenen, sächsischen kulturellen Identität zu sein: Man solle zwar dazu gehören, darf sich jedoch nicht assimilieren lassen. Zweiter Wunsch lautete: „Sei nicht bequem!“. Bei den letzten Wahlen in Rumänien sei die Stimmenanzahl aus Deutschland für „unsere Landsleute“ ernüchternd gewesen. „Ich rufe Sie dazu auf, überwinden Sie die Gleichgültigkeit und unterstützen Sie unsere Landsleute bei kommenden Wahlen in Rumänien“, sagte Fabritius. Gleichzeitig ermutigte er die in der Bundesrepublik lebenden Siebenbürger Sachsen, Banater und Sathmarschwaben, Bergland- und Dobrudscha-Deutsche aktiv an der politischen Bühne in Deutschland zu wirken: „Im Bundestag oder in einem der deutschen Landtage ist kein einziger von uns vertreten! Dieses zu ändern, liegt an uns!“. Schließlich sollen die Siebenbürger Sachsen ihre eigene „Gestaltungskraft“ erkennen: „Mitmachen und Mitgestalten schafft Zugehörigkeit. Daraus wächst Identität“, schloss Fabritius.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer beherzigte angesichts des sich verstärkenden Regens die Worte Martin Luthers: „Tritt fest auf, mach´s Maul auf, hör bald auf“. Er zählte die Siebenbürger Sachsen zu den „Stämmen Bayerns“ und würdigte ihren Einsatz beim Aufbau des Landes: „Bayern wäre nicht das Land, das es heute ist, ohne Siebenbürger Sachsen und ohne Heimatvertriebene“, sagte Seehofer. In der Anwesenheit des rumänischen Außenministers sah er „ein Beispiel für europäische Verbundenheit, Dialog, Freundschaft und Partnerschaft“.
Neben den Hauptveranstaltungen des Heimattages gab es auch ein reichhaltiges Programm für Kinder und Jugendliche, darunter Nachwuchsshow, Sportturniere, Puppentheatervorführung oder Live-Musik. Die Blaskapellen spielten unter freiem Himmel. Es wurden Vorträge gehalten, Lesungen durchgeführt. Während der Dauer des Heimattages fanden mehrere Ausstellungen statt. Darunter jene mit den Fotografien aus dem Nachlass der Gebrüder Fischer unter dem Motto „Jenseits des Verschwindens“. Bei der Finissage fasste Pfarrer Stefan Cosoroab², Referent für institutionelle Kooperation der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, den Grundgedanken der Ausstellung zusammen: „In Siebenbürgen brauchen wir Menschen, die zum Erhalten von Kultur und Gemeinschaft beitragen: Solche Menschen, wie die Gebrüder Fischer, die von Fremden zu Nachbarn, von Nachbarn zu Mitläufern und schließlich zu den Trägern der Gemeinschaft geworden sind.“

Kommentare zu diesem Artikel

Carla, 29.05 2013, 13:35
Vielleicht sollte man nicht vom Thema abweichen.
Was meint Frau Hartmann mit dem Satz: "...unsere Geschichte beschränkt sich nicht auf die Hitlerzeit, es gab davor und danach noch viel Schlimmeres!"?
Albert hat recht: Sie stellt sich (und andere auch) durch so eine Aussage selbst in die rechte Ecke, indem sie die Nazizeit verharmlost, eigentlich sogar verniedlicht.
Ottmar, 28.05 2013, 16:04
Lieber Herr Albert, wenn sie Elektroingenieure auch zu Akademikern zählen, dann glaube ich haben sie hier nicht ganz so wirklich recht. Deren Wissen (Rumänisch Absolventen einer UNI, Techn. Hochschule, Polytechnikum..) hört vor Ohm auf. Kirchhoff beherrschen sie nicht mehr. Zur Info das hat was mit elektr. Wiederstand und elektr. Strom zu tun. .Zur Sprache wir in Deutschland, genauer gesagt wir aus Baiern meinen, wenn wir Russland sagen auch die politische Sowjetunion oder auch Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken ist aber einem Baiern zu lange und auch zu schwierig, deswegen sagt er lieber Russland. Damit müssen sie leben.
Albert, 27.05 2013, 12:17
"...unsere Geschichte beschränkt sich nicht auf die Hitlerzeit, es gab davor und danach noch viel Schlimmeres!"

Sehr geehrte Frau Hartmann,
durch diesen Satz haben Sie sich selbst in die "rechte Ecke" gestellt.

Ausserdem: Die aus Rumänien kommenden deutschsprachigen Akademiker sind bekanntlich sehr gut ausgebildet (in allen Bereichen) und sie beherrschen auch die deutsche Rechtschreibung. Bei Ihnen ist das allerdings nicht der Fall...
Bevor Sie Dinge behaupten, über die Sie nicht bescheid wissen, lesen Sie vielleicht doch einige Bücher, z.B. Geschichtebücher. Dann erfahren Sie u.a. auch, dass es zwischen 1922 u. 1991 kein Russland gab, sondern eine Sowjetunion...
Andrey, 26.05 2013, 18:22
Liebe Frau Hartmann,
es hat in der Tat nicht stark geregnet, bis der Außenminister gesprochen hat. Und man kann es gewiss als ein Zeichen des Himmels betrachten. Es hat aber sehr wohl getröpfelt - jedenfalls genug, damit einige der Teilnehmer und ihre wertvolle Trachten unter den Regenschirmen verstecken. Was auch völlig verständlich ist. Das Foto ist nur aus ästhetischen Gründen ausgewählt worden.
Ihrem letzte Satz pflichte ich 100% bei! Es war, wie schon seit so vielen Jahren, ein wunderschönes Fest. Und auch wenn ich kein Siebenbürhger Sachse bin, freut es mich immer wieder ein Meer von Trachten zu sehen und dem Rauchen der Sächsischen Sprache zu lauschen. Leider muss man dafür das heimische Siebenbürgen verlassen. (Es ist nur ein wenig Nostalgie, kein Vorwurf).
Rosemarie Hartmann, 25.05 2013, 10:54
Heimattreffen in Dinkelsbühl 2013
Das Foto zu dem Bericht ist etwas seltsam-es hat NICHT geregnet solange der Umzug war.Auch die ersten Ansprachen waren noch nur mit leichtem Tröpfeln begleitet.Richtig geschüttet und ein Donnergrollen gab es,als der rumänische Minister seine Ansprache began...ein Zeichen des Himmels???? Wir könnten ganz gut ohne diese rumänischen Ansprachen feiern -ganz ehrlich und ohne Groll.Leider wird die Basis bei den Einladungen nicht gefragt,die Organisatoren würden sich wundern wie viele sich ehrlich die Anwesenheit rumänischer Minister wünschen.Großen Dank an die Organisatoren -es war ein wunderschönes Fest !!!
Rosemarie Hartmann, 25.05 2013, 10:30
Wir wissen wer wir sind CARLA,wissen Sie es auch???Was wollen Sie mit dem Hinweis auf die Bücher eigentlich sagen???Stellen Sie uns bitte nicht in die rechte Ecke,unsere Geschichte beschränkt sich nicht auf die Hitlerzeit,es gab davor und danach noch viel Schlimmeres!Ein kleines Beispiel:Wir durften keine reise ins Ausland machen,nicht mal nach Rußland und das bis 1990,dem Umsturz.Als Akademiker mit deutschem Namen wurde man bewußt in eine Gegend zwangsversetzt für mindestens 3 Jahre zum arbeiten mit dem Ziel die deutsche Gemeinschaft zu zerstören.2 winzige Beispiele von unserem Leben,ungeachtet der vielen Nachteile in allen Bereichen-nur weil man Siebenbürger Sachse war!!!Da müssen Sie sich etwas besser informieren,bevor Sie loslegen uns zu tadeln!!!!
Franz, 24.05 2013, 22:57
Die Frage ist nur: Wollen wir dazugehören?
Und wer ist/sind "wir"?
Christa-Sofia, 24.05 2013, 13:42
Ja, liebe Carla. Wir sind Aussiedler beziehungsweise Auswanderer, aber auch nicht alle ...
Carla, 24.05 2013, 13:31
Ihr rumäniendeutschen "Vertriebenen" und "Flüchtlinge" - wisst Ihr eigentlich, wer die wahren Vertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten sind? Wenn nicht, dann lest nach.

Kennt Ihr Eure eigene Geschichte denn nicht?
Ihr habt Euch abkaufen lassen und seid in geordneten Verhältnisse ausgewandert bzw. ausgesiedelt. Folglich seid Ihr Auswanderer bzw. Aussiedler.
Und wenn Ihr nicht wisst, warum es soweit gekommen ist, dann lest z.B. Bettina Schullers Buch: "Führerkinder. Eine Jugend in Siebenbürgen " (Schillerverlag 2012). Und achtet auf den wichtigsten Satz in diesem Buch:
"Nicht Türken und Tataren, nein, unsere eigene Begeisterung für Hitlerdeutschland hat unserer 800-jährigen friedlichen Heimat ein Ende gesetzt." (S. 37)
Baldur, 07.09 2011, 22:03
http://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/rumaenien/kommentare/13388-gant-fordert-unterstuetzung-fuer.html#kommentar8530
Weil folgender Kommentar im Forum der Siebenbürgischen Zeitung meiner Meinung nach sozusagen den "Nagel auf den Kopf trifft", erlaube ich mir, diesen auch hier zur Diskussion zu stellen.

fritz1966 schrieb am 04.06.2013, 22:27 Uhr:

Hallo, zusammen,
ich finde, dass „Thomas Haurein“ genau die richtige Frage stellt. Die Auswanderung der SbS ist ein in jeder Hinsicht ziemlich einzigartiges Phänomen. Ich bin das Gefühl nie ganz losgeworden, dass die SbS eine sachliche und offene Diskussion über die Motive dafür ein wenig scheuen, weil sie sich ihres eigenen „Opferstatus“ in diesem Zusammenhang nicht wirklich sicher sind. Und genau den wollen sie natürlich unter keinen Umständen in Frage gestellt sehen.

Die SbS sind intensiv damit beschäftigt, für sich selbst so etwas wie einen „Opferstatus“ zu reklamieren, wenn nicht sogar zu konstruieren, von dem ihnen selbst bewusst ist, dass sie ihn weder aufgrund des selbst erfahrenen und erlebten Leids und schon gar nicht im Vergleich zu dem, was andere Vertriebene – wirklich „Vertriebene“ – erleiden mussten, für sich ernsthaft in Anspruch nehmen können.
Sicher, wir waren in Rumänien Repressalien ausgesetzt – aber es gab in Rumänien auch deutsche Kindergärten und Schulen, ganz anders als in manchen anderen Ostblock-Ländern, in denen teilweise ganz anders mit Deutschen umgegangen wurde. Wir konnten Deutsch sprechen, in Buchhandlungen gab es deutsche Bücher.
Ja, es gab die schrecklichen und rechtswidrigen Deportationen in die Sowjetunion. Wer auch immer dafür verantwortlich gewesen sein mag – was haben denn andere im Krieg und in der Nachkriegszeit durchgemacht? Es hat kaum einen Sinn, Leid gegen Leid aufzurechnen, aber irgendwie steht das von SbS reklamierte und bis heute zelebrierte Leid in einem sonderbaren Missverhältnis zwischen dem, was ihnen selbst aufgebürdet wurde, und dem, was andere ertragen mussten.
Ganz zu schweigen von der Begeisterung vieler SbS für die politischen Ziele und ganz konkret für die „Führungskräfte“ des dritten Reichs. Wer ist denn scharenweise begeistert zur Waffen-SS gerannt? Waren das die „Opfer“ von später, wie sie dann gerne selbst gesehen werden wollten?

Nein, ich denke, so einfach können wir es uns nicht machen. Ich denke, dass die Auswanderung der SbS nach Deutschland im Wesentlichen von zwei Kräften bestimmt war: der Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben und vor allem mit den Perspektiven in Rumänien einerseits und der gewaltigen – vor allem wohlstandsverheißenden – Anziehungskraft der Bundesrepublik Deutschland anderserseits. Letzteres sich offen einzugestehen, wird in SbS-Kreisen für mein Gefühl oft als etwas „unfein“ empfunden, meint man doch, sich damit in die Nähe von Wirtschaftsflüchtlingen gerückt zu sehen, was man tunlichst vermeiden möchte.

Wie wäre es, wenn wir den Spieß hier einmal umkehren? Wir hatten einerseits unsere guten und auch „moralisch legitimen“ Gründe für die Auswanderung nach Deutschland; was wäre denn so schlimm daran, sich einzugestehen, dass die Aussicht auf ein besseres –ja, auch materiell besseres – Leben in Deutschland auch nicht gerade abschreckend war? Aus meiner Sicht ein Beitrag zur Ehrlichkeit, Authentizität und Glaubwürdigkeit. Was soll daran falsch sein?

Und wenn wir schon dabei sind: Die SbS, jedenfalls ihre mehr oder weniger „offiziellen“ Vertreter, treten gerne als mehr oder weniger selbst ernannte „Brückenbauer“ (wohin auch immer) auf oder lassen sich gerne als solche herumreichen. Ok, dann bauen wir einmal richtig große Brücken und fragen uns, warum so viele Menschen aus aller Herren Länder so gerne nach Deutschland kommen oder kommen möchten. Ich finde es richtig, dass Deutschland politisch oder sonstwie Verfolgten Asyl gewährt, ich habe aber auch für all jene volles Verständnis, die, wie es oft despektierlich heißt, „nur“ aus wirtschaftlichen Gründen zu uns kommen. Als guter SbS kann ich diesen Antrieb, auch wenn es nicht der einzige bei der Auswanderung der SbS war, durchaus nachvollziehen. Hier könnten wir in Deutschland und Europa dringend benötigte Brücken bauen.

Viele Grüße
Fritz

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