„Wir machen langsam und in aller Ruhe weiter“

Interview mit Friederike Gribkowsky, Vorstand der Deutschen Schule Bukarest

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Vorstand Friederike Gribkowsky blickt zuversichtlich in die Zukunft der Schule.
Foto: Andrea Rüthel

„Nie wieder!“ – hatte ihr Mann gesagt, als Friederike Gribkowsky sich in Bukarest nach einer geeigneten Schule für ihren Sohn umsah, der im September 2009 die dritte Klasse besuchen sollte. Eine rumänische Schule sollte es nicht mehr sein, das stand für den Rumänen fest. Nach langer Suche stieß die vierfache Mutter aus Genf auf die Deutsche Schule Bukarest (DSBU) und war angetan von der Idee einer Einrichtung, die Kinder in Bukarest auf Deutsch und – anders als das bekannte Goethe-Kolleg – nach deutschem Erziehungsplan unterrichtet. Überzeugt setzt sich Friederike Gribkowsky seitdem zunächst als Elternvertreterin, heute als Vorstand und Verwaltungsmitglied ehrenamtlich für die DSBU ein. Andrea Rüthel sprach für die ADZ mit Friederike Gribkowsky über das Schulkonzept.

Frau Gribkowsky, können Sie etwas zur Geschichte der DSBU erzählen?
Die DSBU wurde 2007 von Frau Schilcher-Fuhrig gegründet. Sie stellte fest, dass es keine deutsche Schule in Bukarest gibt, die nach deutschen Lehrplänen arbeitet. Für viele Deutsche, die hierher kommen und irgendwann wieder zurückgehen, gab es keine angebrachte Einrichtung. Also gründete sie einen Schulverein – und machte ihren Unterricht zuerst mit zwei Kindern im eigenen Wohnzimmer. Dann wurden es mehr Schüler. Ein halbes Jahr später eröffnete sie wegen der großen Nachfrage einen kleinen Kindergarten. Heute besuchen mehr als 40 Kinder den Kindergarten, in der Krippe sind elf Kinder und in der Schule 39. In diesen gut vier Jahren ist die Schule jetzt sechsmal umgezogen.

Wo steht die Deutsche Schule Bukarest heute?
Seit Mai 2010 sind wir in diesem Gebäude in Floreasca. Aber schon dieses Schuljahr war klar, dass wir bald wieder umziehen müssen. Die Nachfrage ist groß, vor allem im Kindergarten haben wir eine lange Warteliste. In der DSBU arbeiten fast nur deutsche Muttersprachler als Erzieher und Pädagogen. Unsere Herausforderung ist es, dieses Sprachniveau zu halten. Muttersprachler nach Rumänien zu locken, ist ein großes Problem. Im Moment sind wir personell sehr gut aufgestellt, aber wir haben mit den Lehrkräften wirklich Glück gehabt. Einige junge, hochqualifizierte Lehrer sind hier in Rumänien, weil sie ein Erlebnis suchen. Andere sind mit ihren Partnern gekommen, die in Bukarest arbeiten.

Wer schickt seine Kinder in die DSBU?
Etwa die Hälfte sind Kinder von sogenannten „Expats“, also von Deutschen, die für Firmen hier arbeiten. Dann haben wir Kinder aus Mischehen, wo also ohnehin das Deutsche  in der Familie ist, entweder von Vater oder Mutter oder von den Großeltern. Aber wir haben auch viele Rumänen, wo weder Vater noch Mutter Deutsch sprechen. Die Eltern suchen dann nach Alternativen zum rumänischen Schulsystem oder möchten, dass ihre Kinder eine neue Sprache erlernen. Die Nachfrage nach Deutsch als Fremdsprache sinkt nicht, sie steigt.

Was unterscheidet die DSBU von einer rumänischen Schule?
Ich denke, wir haben weniger Frontalunterricht, wir erarbeiten mehr in der Gruppe. Wir unterrichten mehr fächerübergreifend. Wir möchten, dass die Kinder lernen, einen Zusammenhang zwischen den Dingen herzustellen. Wir verwenden auch mehr Zeit an den Umgang miteinander, an die Schulung des Sozialverhaltens. Das alles können wir auch, weil wir die Zeit dazu haben und kleine Gruppen.

Wie ist die Schule aufgebaut?
Die Schule geht jetzt bis zur sechsten Klasse. Wir funktionieren nach dem baden-württembergischen Lehrplan. Natürlich können wir bei der begrenzten Schülerzahl nur schwer eine Differenzierung in Realschul-, Hauptschul- oder Gymnasialklassen treffen. Die Kinder werden zusammen unterrichtet und das Ziel ist erstmal, sie durch die Realschulprüfungen zu bringen und dann in Richtung Abitur vorzubereiten. Die Unterrichtssprache ist Deutsch, wir haben aber auch Englisch- und Rumänischunterricht. Die Herausforderung mit Kindern aus unterschiedlichen Kontexten ist es, Gruppen zu bilden, die ein homogenes Sprachniveau haben.

Wo sehen Sie die DSBU in der Zukunft?
Leider sind wir in Deutschland noch nicht anerkannt, die Schule finanziert sich über Schulgeld.  Trotzdem entspricht das, was unsere Pädagogen leisten, dem Standard, den man sich von Deutschland her wünscht – ich weiß das als vierfache Mutter aus eigener Erfahrung. Deshalb hoffe ich, dass wir die Anerkennung irgendwann bekommen werden. Bukarest ist die letzte europäische Hauptstadt, in der es keine deutsche Schule gibt, die von Deutschland gefördert wird. Das zu ändern, ist unser großes Ziel. Auch was die Entsendung von Lehrkräften betrifft, wäre eine Unterstützung von Deutschland wünschenswert. Es wäre für Pädagogen attraktiver, hierher zu kommen, wenn sie mit deutschen Gehältern bezahlt würden und sie Teil des deutschen Systems wären.
Wir werden die Schule behutsam weiter aufbauen. Wir haben die Perspektive, die DSBU irgendwann bis zur zwölften Klasse am Laufen zu halten. Darauf arbeiten wir hin – Jahr für Jahr bauen wir  ein Schuljahr drauf. Wir machen langsam und in aller Ruhe weiter. Es gab Stimmen, die uns schon hundertmal totgesagt haben. Aber es läuft.

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